AKTUELL

Januar 2004
Karan Casey & Friends live im Cobbler's Irish Pub

Karan Casey & friends im Cobbler's Irish Pub (v.l.n.r.): Paul Meehan, Niall Vallely, Karan Casey, Robbie Overson Nach dem mitreißenden Konzert im November 2002 im Cobbler's Irish Pub und dem faszinierenden kleinen Studiokonzert, das Karan Casey und ihre Musiker noch am Abend zuvor in der Folkfenster-Sendung gegeben hatten, war ich sehr gespannt auf ihren zweiten Auftritt im Cobbler's Irish Pub am 11.November.

Die auffälligste Veränderung zum line-up des Vorjahres war die Erweiterung der Band um den Gitarristen und Bouzoukispieler Paul Meehan, der sich in der Vergangenheit vor allem als Mitglied der schottischen Gruppe North Cregg einen Namen gemacht hat, einer der hoffnungsvollen schottischen Nachwuchsbands.

Was wir bereits in der Nacht zuvor im Studio von Radio LORA beobachten konnten, bestätigte sich unzweifelhaft: Paul Meehan stellt eine positive Bereicherung der Formation dar und vor allem das einfühlsame und dynamische Zusammen- und Wechselspiel mit den beiden anderen Musikern, mit Robbie Overson (Gitarre, Gesang) und Niall Vallely (Concertina, whistles) brachte eine ganz neue Note in die Instrumentierung der vorgetragenen Lieder und Instrumentals ein.

Paul Meehan, der neue in der Gruppe So waren es dieses Jahr auch zwei kleinere Pausen, in denen sich der unumstrittene Star des Abends, die unvergleichliche Karan Casey, zurückzog, und einmal Paul und Niall die Bühne zu überlassen und im zweiten Set nach der Pause war dann die Reihe an Robbie und Paul, ein sehr stimmungsvolles Instrumentalstück mit leichten klassischen Anleihen zu spielen.

Der Abend begann mit einer sehr sensibel vorgetragenen Version des Titelsongs ihres neuen Albums "Distant Shore" und sehr bald schon sollte sich zeigen, dass die Gruppe hart an neuen und stimmungsvollen Arrangements der alten und neueren Titel gearbeitet hatte.

Karan Casey und Niall Vallely Kaum ein Stück war einfach in der Fassung belassen worden, wie man es einer der drei herausragenden Alben von Karan Casey kennt. Schon der folgende Titel "Buile mo chroí" zeigte, wie abwechslungsreich dieser Abend verlaufen würde. Zum von Karan auf gälisch vorgetragenen Text dieses Stückes konnte Robbie Overson zeigen, wieviel Rock in seiner Gitarre steckt und es wurde auch klar, weshalb Karan Casey und ihre Band einem Trend der "traditionellen" irischen Musik zuzuordnen sind, der zu Recht als innovativ und "modern" bezeichnet werden kann.

Ohne substantiellen Verlust der eigenen musikalischen Wurzeln verpassen die 4 Musiker den traditionals ebenso wie den neueren Kompositionen von zeitgenössischen Songschreibern ihren Stempel. Das kann mal eher rockig ausfallen, dann wieder sehr, sehr bluesig und viele der Stücke sind auch sehr sensibel und leise - Karans Gesang optimal in den Vordergrund stellend - arrangiert.

Niall Vallely, einer der wenigen und einer der großartigsten irischen Concertinaspieler So zum Beispiel auch das folgende "Where are you tonight I wonder", ein Liebeslied, das mit viel Gefühl zum Votrag kam. Die Ansage zum nächsten Titel "The King's Shilling" dagegen hatten wir im vergangenen Jahr schon so oder so ähnlich gehört... "for Mr. Bush and Mr. Blair...for all the terrible men in the world". Das war Karan Caseys Beitrag zum gegenwärtigen Kriegswahne der USA und ihrer Mitstreiter, der leider bis heute noch nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat.

Sehr bluesbetont ging es dann weiter mit "Another Day", ein Titel bei dem vor allem Robbie Overson an der Gitarre glänzend zur Geltung kam. Danach überließen Robbie und Karan die Bühne ihren beiden Kollegen für ein instrumentales Meddley an der Gitarre und an der Concertine. Niall und Paul machten im wahrsten Sinne des Wortes das beste daraus und zeigten, was man alles mit diesen beiden Instrumenten zaubern kann. Eine Reihe von jigs und reels und ein Stück von der CD "Callan Bridge" (Malfunction Junction), die Niall gemeinsam mit seinem Bruder Cillian 2002 eingespielt hat.

Karan Casey und Robbie Overson, facettenreicher Künstler an der Gitarre Mit Karan und Robbie wieder auf der Bühne beendeten diese vier faszinierenden Musiker den ersten Set mit den beiden Titeln "The song of lies" und "Ballad of an accounting", bevor sie in die übliche Pause gingen, um dem Publikum eine kleine Verschnauf- und Kaufpause zu gönnen..."there's a lot of CDs waiting for you".

Mit einem alten Traditional, das man unter anderem in der Fassung der Chieftains kennt gng es dan nach der Pause weiter: "Sliagh Geal Gcua Na Feile" und das Folkfebster-Team fühlte sich von der persönlichen Widmung dieses Liedes durch Karan Casey sehr geehrt.

Und während im ersten Set des Abends über weite Strecken die Liebeslieder im Vordergrund standen, so kamen dann im zweiten Set auch ein paar der Lieder zum Tragen, die eher sozialkritischen und politischen Inhalts sind wie zum Beispiel "When will we all be free2 und "Tim Evans", ein Lied, das sich mit dem für Tim Evans tödlichen Folgen eines Justizirrtums befaßt.

Robbie Overson bei einem seiner hörenswerten Solos an der Gitarre Es folgte zur Entspannung "The Curra Road", ein Lied von der neuen CD und mein persönliches Lieblingslied aus Karan Caseys Repertoire. So gut und treffend hat meiner Meinung nach noch niemand einen schönen, relaxten Sommertag beschrieben, an dem man schlicht und einfach nichts weiter tut als mit Freunden zum Baden zu gehen und alle neune gerade sein läßt - einfach wunderbar.

Danach hatten Paul und Robbie die Gelegenheit, ihre Kunst an den Saiteninstrumenten beim zweiten "gesangslosen" Solo des Abends vorzuführen. Robbie Overson, frischgebackener Großvater, widmete das Lied Jack, seinem ersten Enkelkind und stellte eine Eigenkomposition vor: "Ancient Right" (zumindest habe ich den Titel so verstanden). Ein Stück, das sein Gitarrenspiel in aller Ruhe zur Geltung brachte. Nicht wie sonst die Blues- oder Rockgitarre, sondern in der Tat ein sehr leises, besinnliches Stück, das mitunter an klassische Gitarrenkompositionen erinnerte.

Karan war wieder auf der Bühne, die Zeit war bereits fortgeschriten und leider trennteen und danach nur noch drei weitere Songs vom (vorläufigen) Ende des Konzertes.
"The four loom weaver" holte uns aus den sanften Gitarrenträumen wieder auf die Erde zurück und weiter ging's mit einer schwungvollen Fassung von "Who put the blood", einer wunderschönen Ballade, nach der Karan die Band vorstellte und sich schon mal für das nächste Jahr im Cobbler's ankündigte - was wir auch sehr hoffen. Wie schon im vergangenen Jahr gehörte auch dieser Auftrittt unzweifelhaft zu den Konzert-Highlights des Jahres und wird mir noch lange intensiv in Erinnerung bleiben.

Karan Casey und Robbie Overson, die leisen Töne Zum letzten Stück des offiziellen Programm des Abends ließen die vier es dann noch einmal richtig "krachen" mit einer fetzigen Ballade (deren Titel ich leider nicht mitbekommen habe und die ich auch auf keiner der offiziellen CDs von Karan Casey gefunden habe - macht nichts, war trotzden wunderbar. Danach die Zugabe (n). Lange mußten wir nicht klatschen und schon gings weiter mit "One, I love", einem wunderschönen Liebeslied, das Karan im Duett mit Robbie Overson an der Gitarre vortrug.


"The world turned upside down" setzte kurz vor Ende noch einmal einen sozialkritischen Kontrapunkt und brachte das Publikum so richtig in Stimmung. Alle vier waren noch einmal auf der Bühne und Niall Vallely konnte ein letztes Mal zeigen, was man (wenn man's kann) so alles aus einer winzigen Concertina rausholen kann.
Das Lied von den Diggers und ihrem Elend ließ kaum einen Fuß mehr ruhig auf dem Boden stehen und damit verabschiedeten sich dann auch schon alle "Friends" dieser zierlichen aber stimmkräftigen Person aus Irland, die es jedesmal wieder hervorragend versteht, das Publikum innerhalb weniger Momente in ihren Bann zu ziehen.

Karan Casey und Niall Vallely Der Applaus war heftig und einmal noch ließ sich Karan auf die Bühne holen ("Oh no, not for hours...") und sang solo wie an dieser stelle auch schon im Vorjahr das Lied "Weary from lying alone". Und es war mindestens genauso schön wie im Jahr zuvor!


Danach war dann aber endgültig und definitiv Schluß und lediglich bestimmten Gerüchten zur Folge (es sollen auch diverse eindeutige Photos existieren) fand dieser denkwürdige Abend mit Karan Casey erst spät in den frühen Morgenstunden in den Kellerräumen des Cobbler's ein feuchtfröhliches Ende.
Aber das ist mit Sicherheit eine ganz andere Geschichte und wir freuen uns schon heute (und hoffentlich mit Erfolg) auf Karan Casey 2004 im Cobbler's Irish Pub in Germering.



Die Zugaben
...das war schon die Zugabe als allerletzte Zugabe sang Karan Casey dann noch 'Weary from lying alone'


















(Bericht und Photos: W.Rodrian, 2004)

Playlist des Konzertes:

Set 1
  • Distant Shore
  • Buile mo chroí
  • Where are you tonight I wonder
  • The King's shilling
  • Another Day
  • Niall Vallely & Paul Meehan: Muireann's Jig/Malfunction Junction Set
  • The song of lies
  • The ballad of accounting

  • Set 2
  • Sliagh Geal Gcua Na Feile
  • When will we all be free ?
  • The ballad of Tim Evans
  • The Curra Road
  • The quiet of the night
  • Robbie Overson & Paul Meehan: Ancient Rite
  • The four loom weaver
  • Who put the blood
  • Song of choice

  • Paul Meehan Zugaben
  • One, I love
  • The world turned upside down
  • Weary from lying alone (K.Casey solo)


  • weitere Artikel über Karan Casey bei www.breizh.de:

  • Konzertankündigung 2003 (Biographie)
  • Karan Casey im Cobbler's Irish Pub 2002
  • Karan Casey im Cobbler's Irish Pub 2003
  • Ein Interview mit Karan Casey
  • Karan Casey im Folkfenster bei Radio LORA München 92,4


  • Discographie:

    1996: Solas (Shanachie)
    1997: Sunny Spells and Scattered Showers (Shanachie)
    1998: The Words that Remain (Shanachie) Karan Casey

    & FRIENDS

    2000: Seal Maiden

    SOLO

    1997: Songlines
    2001: The Winds Begin to Sing
    2003: Distant Shore







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