AKTUELL

April 2004
Die bretonische Gruppe Diwall am 24.März 2004 im "Le Bout du Monde" in Vevey
(gesehen, gehört und und geschrieben von A. Goriup)

Diwall in Vevey (v.l.n.r): Dom Duff, Nic Lorec, Gael Nicol und Nicola Hayes Dieser Abend sollte mein erstes Live Konzert mit bretonischer Musik werden. Ich hatte lediglich zwei instrumentale Stücke dieser Band auf einer Compilation CD namens "St.Patrick's Day Celebration" gehört und auch sonst kannte ich nur sehr wenig bretonische Musik. Ich hatte zwar schon etwas von den bretonischen Tänzen gehört, aber damit war ich mit meinem Latein auch schon am Ende.

"Le Bout du Monde" ist ein Café mit einem kleinen Saal für Konzerte, Sessions und anderen Events. Ich hatte vor dem Gig reichlich Zeit mich umzusehen. Die Bühne war bereits aufgebaut und so konnte ich schon mal die Besetzung der Band studieren.
Auf der linken Seite der Bühne befanden sich ein kleines Schlagzeug-Set, eine Conga und ein Djembe. Daneben lehnten die akustische Gitarre und der Elektrobass, eine Sackpfeife (biniou khoz) lag auf einem Stuhl und ganz rechts der winzigen Bühne wartete eine Fiddle auf ihren Besitzer. Die Instrumentierung war für meinen Geschmack viel versprechend und in Erwartung eines Abends voll guter Musik trank ich noch ein Pint Murphy?s.

Diwall im 'Le Bout du Monde' in Vevey
Als dann um ca. 21.45 Uhr die Musiker auf die Bühne kamen, begann ein für mich außerordentliches Erlebnis. Während mehr als zwei Stunden hörte ich den wunderschönen bretonischen Tänzen zu und habe Dank meiner ausgezeichneten «Tanzlehrerin» Anne sogar zwei Tänze mitgemacht. Leider kann ich nicht sagen um welche Tänze es sich handelte, beides waren jedoch Gruppentänze. Der eine war eine Art Reihentanz, der andere ein Kreistanz von mehreren Paaren getanzt.
Im Gegensatz zu Konzerten irischer oder schottischer Folkbands steht der Tanz bei bretonischer Musik im Vordergrund. Von Beginn an war der winzige Konzertsaal zur Hälfte den Tänzern gewidmet, und zwar direkt an der Bühne! Ich habe es wirklich genossen den lebensfrohen Tänzen zuzusehen und es hat mir enormen Spaß gemacht meine ersten bretonischen Tanzschritte zu wagen.

Trotzdem habe ich natürlich auch den Musikern meine Aufmerksamkeit geschenkt. Diwall spielen sowohl gesungene als auch instrumentale Tänze. Dom Duff, der Gitarrist singt die ausschließlich bretonischen Texte mit großer Leidenschaft und wird dabei manchmal vom Perkussionisten Nif Lorec unterstützt. Die beiden sorgen gemeinsam mit dem Bassisten Dominique Bott auch für den für die Tänzer so mitreißenden Rhythmus. Obwohl die bretonische Musik ebenfalls aus dem keltisch beeinflussten Raum stammt, unterscheiden sich diese Rhythmen doch von den irischen und schottischen jigs und reels.
Manche der Tänze erinnern an eine Polka, andere wiederum konnte ich nirgends zuordnen, eben bretonisch. Die Rhythmusgruppe wird von den drei Gründungsmitgliedern von Diwall gebildet. Neu dazu gestossen sind die australische Fiddlerin Nicola Hayes und der Sackpfeifenspieler Gaël Nicol (Ar Re Yaouank). Obwohl dies die erste Tournee in dieser Besetzung ist, sind die beiden bereits hervorragend integriert. Mit ihrem perfekten Zusammenspiel sind sie für die wunderschönen Melodien verantwortlich. Der Klang der kleinen biniou khoz ist wesentlich höher als der des schottischen Dudelsacks oder der Uileann Pipes. Die Harmonie mit der Fiddle erinnert ein wenig an das Zusammenspiel der irischen Tin Whistle mit der Fiddle.

Diwall in Vevey am 24.März 2004
Diwall ist eine hochtalentierte Band, die das Publikum mit ihrer Musikalität und ihrer Freude am Spiel und am Tanz für mehr als zwei Stunden in die wild romantische Welt der Bretagne entführt hat.

(Bericht: A.Goriup, 2004)



Internet: www.diwall.com

Discographie:

Fest-Noz: Setu ar vuhez (1999)
dansall ha nijal (1997)
Dom DufF solo: Straed an amann (2003)

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