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April 2004
Moya Brennan and band, 6. Februar 2004 in Bern, Schweiz, Bierhübeli

Der Vollmond steht am Nachthimmel, ein perfekter silbriger Kreis umgeben von einem milchigen Schleier. Ich sitze in der Lounge des Bierhübeli, einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mit einem schönen Theatersaal, und trinke ein Pint Murphy's Stout. Groovy Sound tönt aus den Lautsprechern, eine Fusion verschiedener Beats und Jazz. Ich aber warte auf eine andere Art von Musik; Musik die perfekt zu dieser mystischen Stimmung passen würde: Moya Brennan und ihre betörende Stimme, begleitet von sieben ausgezeichneten Musikern, alle ausser Yoshi aus Dublin.
Moya Brennan, die Stimme von Clannad, live in Bern (Photo: Mirella Burri)
Sinéad Madden, Fiddle und Gesang
Sam Jackson, Keyboards
Yoshi "qqfunk" Izumi aus Japan, Bass und Gesang
Cormac Debarra, Harfe und Gesang
Fionán Debarra, Gitarre und Gesang
Paul Byrne, Schlagzeug und Percussions und
Eamonn Galldubh, Uilleann Pipes, Whistles und Flute.

Moya begann den Abend mit zwei Liedern von ihrem Solo Album "Perfect Time", "The Big Rock" und den Titelsong "Perfect Time", und einem alten Clannad Song "Siúil a rún" (Dulaman). Sofort hörte man den Unterschied, den diese Live Band ausmacht. Im Vergleich zu ihren Studioalben bringt Moya Live eine weitere Dimension in ihren Sound. Hoffentlich gibt es bald ein Live Album mit dieser Band.

Moya Brennan live in Bern, Februar 2004 (Photo: Mirella Burri) Die folgenden vier Tunes unterstrichen das aussergewöhnliche können der Musiker. Eamonn, Piper der jungen Dublin Band Galldubh, eröffnete den Reigen der Instrumentalstücke mit seinem "jig of the gulfs" und sein Galldubh Gefährte Fionán schloss mit seinem Stück an (leider erinnere ich mich nicht an den Titel). Dann folgte Moyas "Lady Marianne", gespielt auf der Harfe, bevor Cormac seinerseits eine von (eventuell schweizer) Schokolade inspirierten Melodie spielte, bei der dann wieder die ganze Band mit einstieg. Spätestens jetzt war allen klar, dass Moya ein hervorragendes Ensemble mitgebracht hat und uns ein Abend voller erstklassiger Musik erwartete.

Nun begann Moya ihr neues Album"Two Horizons" vorzustellen. Sie eröffnete diese Serie mit dem schönen "Show me" und erzählte uns dazu ihre Geschichte vom mysteriösen Fremden, der ihr von der antiken Harfe erzählte, die vor langer Zeit auf den Hügeln von Tara gespielt wurde. Die Harfe ging verloren und der Fremde beschwor sie diese zu suchen - "Change my World". "Bí Liom" (Stay in time) - nun endete die Reise des alten Mannes und Moyas Reise begann. Moyas Bestimmung war es die Harfe zu finden - "Bright Star" - und der blinde, fremde Mann verschwand und liess Moya zurück - "Falling". Der Nebel verzog sich und enthüllte ein mittelalterliches Schloss, in dem Moya die Harfe zum ersten Mal auf einem Portrait an der Wand entdeckte.

Nun sang Moya einen anderen Clannad Song "I will find you", dem Liebeslied vom Soundtrack für den "Letzten Mohikaner" (teilweise in der Sprache der Mohikaner und Cherokee gesungen). Der letzte Song vor der Pause war eine Riesenüberraschung für mich: "Alasdair Mhic Colla Ghasda", ein Schottisches Lied, das ich von einer meiner Lieblingsbands, Capercaillie, in verschiedenen Versionen kannte und das auch zu meinen Lieblingssongs gehört. Daraufhin holte ich mir in der Pause noch ein Stout .

Moya Brennan live in Bern, Februar 2004 (Photo: Mirella Burri) Im zweiten Teil des Konzerts setzte Moya ihre Reise zu den Hügeln von Tara fort. Diese Hügeln dienten seit Ahnengedenken als Treffpunkt der Könige, Krieger und Heiligen und sie verlangten danach die antike Harfe zurück zu erhalten. Moyas Weg führte sie schlussendlich zu einer grossen Wüste, wo die "Mothers of the Desert" die Harfe während Jahrhunderten beschützt haben. Sobald Moya die Saiten der Harfe anschlug wurde sie vom "Harpsong" nach Hause getragen. Nun zurück in Tara, am Gipfel des Hügels stehend, sah Moya die "Two Horizons", die Sonne, die an der einen Seite aufging, und der Mond, der an der anderen Seite unterging.
Wo Tag und Nacht aufeinandertreffen, werden Vergangenheit und Zukunft sich vereinen. Vielen Dank, Moya, dass du diese wunderschöne Geschichte mit uns geteilt hast. Und noch immer stand der silberne Mond hoch am Himmel, was für ein perfektes Ambiente für ein denkwürdiges Konzert.

Moya sang nun "Against the Wind", ein Lied von ihrem ersten Solo Album "Máire" und man konnte sehen, dass die Musiker Spass hatten. Cormac begann auf seiner Harfe den Rhythmus zu schlagen.

Dann folgten drei weitere Tunes, "Mary of the Gaels", "Roundabout" - eine schöne Mischung aus Folkmusik, Zigeunerklängen und Jazz gespielt von der charmanten Fiddlerin Sinéad - und der Reel "Father Francis Cameron".

Der Soundtrack von "Harry's game" und Moyas Song "Na Páistí" (The Children von "Perfect Time") begeisterten das Publikum ebenso wie Moyas Erinnerung an ein Lied, das sie einst mit einem jungen Mann in Dublin gesungen hatte "In a Lifetime" und sie sang es noch einmal, an diesem Abend mit einem anderen jungen Mann aus Dublin, Fionán Debarra., hervorragend. Der letzte Song "A Mhuirnín Ó", ein Clannad Song, endete unter dem frenetischen Applaus des Publikums und bald kam Moya für die Zugabe auf die Bühne zurück.
Das Trinklied "Nil Sé Ina La" (It's not yet daytime) vom allerersten Clannad Album und "Teidhir Abhaile Riú", einem Matchmaker Song von Clannad 2 schlossen den Abend ab.

Moya Brennan live in Bern, Februar 2004 (Photo: Mirella Burri)

Nachdem ich mir ein Autogramm von Moya geholt und noch eine Weile mit Eamonn und Paul geplaudert hatte ging ich hinaus in die Nacht, wo der Mond noch immer am Himmel thronte und beinahe lächelte.

Bericht: Adolf Goriup, adult trainer, Switzerland, Photos: Mirella Burri

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