AKTUELL

Mai 2004
The Battlefield Band, live in concert im Cobbler's Irish Pub, Germering (03.Februar 2004)

The Battlefield Band, wichtige Wegbereiter des schottischen Trad-Revivals der vergangenen Jahrzehnte Die Battlefield Band aus Glasgow/ Schottland, gehört mittlerweile zum absoluten Urgestein der schottischen Folkszene. Am 3.Februar gab die Gruppe im Rahmen ihrer diesjährigen Deutschland-Tournee ein Konzert im Cobbler's Irish Pub in Germering.

Dass hier langjährige Profis unterwegs sind, das war der Eindruck, den schon die einschlägig dekorierte Bühne vermittelte. In großen Lettern war da zu lesen, was Sache ist: Die Battlefield Band ist "on tour" und präsentiert das neue Album "out for the night".... die Nacht war zwar nicht ganz so blau wie das Poster (einige der Gäste gegen Ende des Konzertes schon eher) und die Band war auch nicht auf den abgebildeten Fahrrädern angereist, aber die Botschaft kam rüber.

Entsprechend routiniert und mitreißend ging's dann auch los, kaum dass die Bandmitglieder die Bühne betreten hatten. Kurzes nach- und einstimmen und dann in die vollen mit dem "Ms Dynamite Set", einem Medley, das nach einem ausgiebeigen, romantisch angehauchten Highlands-Gitarren-Intro, das Spannung aufbaute gleich mit pipes und allem drum und dran auf Fullspeed geht. Und das Publikum ging von anfang an mit. Das fachkundige Publikum im Cobbler's Irish Pub wusste schließlich, wenn es hier vor sich hatte... äußerst lebendige Legenden der schottischen Folkmusik.

Pat Kilbride und Alisdair White In diesem Tempo gings dann auch weiter: "Nancy's Whiskey", das war was zum Mitsingen. In erstaunlich verständlichem Deutsch von Alan Reid, dem einzigen noch verbleibenden Ur- und Gründungsmitglied der Band, wurde das Publikum eingestimmt und ließ sich dann auch nicht lange bitten. Wir wissen ja, wenn es um Whiskey geht, dann wissen die Cobbler's-Fans gut bescheid.
Es wurde also fleißig mitgesungen und mitgefeiert. Und es war ein musikalisches Fest, was uns da geboten wurde mit Stücken wie dem darauffolgenden "Seudan a'Chuain Set" und "The King's Shlling" (einem tune, der uns noch gut in Erinnerung war von dem Konzert mit Karan Casey im November 2003.

Die Battlefield Band ist eine Gruppe, die im Laufe ihrer Karriere zwar mit erstaunlicher Kontinuität eine schier unüberschaubare Menge LPs bzw. CDs produziert hat, aber ein Konzert mit der Band läßt auch deutlich werden: diese Formation lebt vor allem für die live-Auftritte und präsentiert sich mit routinierter, aber nicht abgestumpfter Qualität!

Die Gruppe präsentierte an diesem Abend ein enorm varianten- und facettenreiches Programm, das mit enem Repertoire zwischen teils fast contrymäßig angehauchten Balladen (vorgetragen von Pat Killbride) bis hin zu beinharten traditionals das Publikum zu begeistern wusste.
Alan Reid schafft mit seinen Keyboards dezente Athmosphären... Vor allem die fiddle von Alisdair White, dem jüngsten Mitglied, der seit kurzem als Ersatz für John McClusker mit von der Partie ist setzt immer wieder virtuose und sehr effektvolle Akzente. Musikalisch sehr wirkungsvoll plaziert sind auch immer wieder die Töne, die Mike Katz, der Mann mit dem beeindruckenden, schwarzen Bart zu setzen weiß.

Insgesamt schafft die Band auf diese Weise (inklusive der ezent aber effektvoll eingesetzten Synthi-Einsprengsel und Hall -Effekte) eine ungeheuer dichte Athmosphäre, die einen vergessen läßt, dass man ja eigentlich im Gastraum des Schusterhäusl sitzt: der Wind der Highlands bläst durch die Zuschauerreihen.

Dann, nach einem etwas ruhigeren "An Cota Ruadh Set", kommt Pat Killbride an der Gitarre so richtig in Fahrt und rockt ab mit "The Working Man" und dann.... die Pause, die wie üblich die Gelegenheit bietet, die soeben erworbenen CDs mit den Aurogrammen der Bandmitglieder schmücken zu lassen.

Mike Katz läßt mit seinen pipes die Highlands lebendig werden Der 2. Set nach der Pause steht dem ersten in keiner Weise nach und läßt kaum noch Wünsche offen...darmatische Liebesballaden à la "The Rickerton Tall Man's Daughter", Trinklieder wie "Whiskey From The Field" und ähnlich bekanntes oder auch neues ... und das Publikum geht begeistert mit.

Dazwischen auch immer wieder tunes von der neuen CD wie der "Anniversary Reel" und der Titelsong "Out for the night" bei dem Alisdair White und Mike Katz mit ihrem grandios aufeinander abgestimmten Zusammenspiel an fiddle und pipes begeistern.

Und obwohl er noch gar nicht so lange dabei ist erhölt der Benjamin, Alsdair White, viel Gelegenheit, sein virtuoses fiddle-Spiel zu präsentieren wie z.B. bei dem "Hebredies to Skinner Set", zurückhaltend von Pat mit der Gitarre untermalt.

Dann kurz vor Ende ein weiteres Stück von der neuen CD, das die innigen Beziehungen der Band zur Bretagne und zur bretonischen Musik zeigt: der "Bagad Kemper Set", bei dem Mike viel ausgiebig Gelegenheit hat, noch einmal mit seinen Pipes den Raum zu füllen.

Die beiden Zugaben schließlich sind noch einmal Beweis dafür, mit welch ungeheurer Energie diese Gruppe loslegen kann und ein bißchen hat mich das auch an die ähnlich dynamischen und mit den Pipes akzentuierten Titel der Tannahill Weavers erinnert.

Das Publikum hätte sicher noch einige Zugaben länger ausgehalten, aber nach der zweiten war dann Schluß - was mir allerdings die Gelegenheit bot, mich mit Alan Reid und Alisdair White zu einem Interview zusammen zu setzen.


Alan Reid, letztes verbleibendes Mitglied der Battlefield Band aus der Gründungszeit Von der ursprünglichen Besetzung aus der Gründungszeit der Band ist mittlerweile nur noch Alan Reid mit dabei, Mr. Battlefield Band. Nach dem Konzert sprach er mit mir über 33 Jahre Battlefield Band und seine Begegnungen mit dem deutschen Publikum.

Früher, so Alan Reid, war das deutsche Publikum viel lebendiger gewesen, die Leute haben mitgeklatscht, haben mitgesungen und gar nicht so genau hingehört. Das hat sich inzwischen geändert. Jetzt sind die Leute viel konzentrierter bei der Sache und hören genau hin.

Aber Alan mag es gerne, wenn das Publikum mitmacht, wenn die Leute mitsingen. Schließlich ist das, was die Band macht keine "Hochkunst", es soll Unterhaltung sein und darin sieht er auch den Sinn der Musik, die die Battlefield Band macht.

Die Musik soll Spaß machen und spannend sein und die Leute sollen das Gefühl mit nach Hause nehmen, dass es sich gelohnt hat - und beim nächsten Mal wieder kommen!

Und auch die Band kommt dann besonders gut in Stimmung, wenn es zwischen ihr und dem Publikum stimmt, wenn der Funke überspringt. Und das war in Deutschland eigentlich immer der Fall.

Die Battlefield Band hat einige ihrer ersten LPs in den 70er Jahren in der Bretagne aufgenommen und bis heute gibt es intensive Beziehungen zur Bretagne erzählt Alan.
Er selber hat öfters die Ferien mit der Familie in der Bretagne verbracht und Mike Katz, der piper der Gruppe, pflegt musikalische Kontakte mit den bretonischen Musikern des Bagad Kemper, mit denen man sich auch beim Celtic Connections Festival in Schottland getroffen hat.

Es sind also sehr persönliche Kontakte und eben auch eher nostalgische Erinnerungen, weil die Band dort zwei ihrer frühen Alben produziert hat. Die Bretagne war das erste "Ausland", in dem die Gruppe aufgetreten ist. Und dann ist da noch die Kultur, die Musik, das Essen und die Tatsache, dass eine gewisse Verwandtschaft zwischen Schotten und Bretonen spürbar ist.


Alisdair White, der virtuose 'Benjamin' der Gruppe präsentiert seine fiddle-Künste... Hier nun einige Auszüge aus dem Gespräch, das ich nach dem Konzert mit Alasdair White aufgenommen habe:

Mit 6, 7 Jahren begann Alasdair mit klassischen Geigenunterricht und erst, als seine Geigenlehrerin die Insel Lewis verließ, auf der er aufgewachsen ist, da begann er notgedrungen damit, sich die traditionelle schottische fiddle-Musik selbst beizubringen.

Er fand die traditionelle Musik viel aufregender als die klassische und so spielte er die Songs von CDs anderer Fiddle-Spieler nach. Dann fand er in Ian Chraigthon und Jimmy Budge zwei Lehrer, die im alles beibrachten, was seiner Meinung nach wichtig ist. Die alten tunes, die Begeisterung für die Musik: mit dem richtigen Gefühl für die Musik zu spielen. Die beiden gälisch sprechenden Alten vermittelten ihm die Freude an der Musik.

Zur Battlefield Band kam Alasdair, als Christine Primrose, eine Musikerin, die ebenfalls von Lewis stammt, bei Temple Records, dem Label der Band, ein Alum aufnahm. Sie lud ihn ein mitzumachen, weil sie dachte, es wäre gut einen Musiker der jungen Generation dabei zu haben.

...ist allerdings auch mit Gitarre oder den pipes nicht gerade unbegabt So lernte er Robin Martin, den Manager der Band kennen und weil der damalige fiddler der Band, John McClusker sich damals gerade verabschiedete, fragten sie ihn, ob er einspringen will. Die Entscheidung bei der Battlefield Band eine Karriere als Profimusiker zu beginnen anstatt mit dem Studium an der University in Edinburgh fiel ihm nicht sonderlich schwer und so wurde er im Mai 2001 mit gerade mal 17 Jahren der neue Fiddler der Battlefield Band.

Er war eben zur richtigen Zeit am richtigen Platz und die Erfahrung, die ihm die alten Herren in der Band vermitteln, die weiß er sehr wohl zu schätzen.

Dass Mike auf den pipes und Alasdair auf der Bühne so gut harmonieren, das führt er darauf zurück, dass die Grundlage für die meisten schottischen tunes - zumindest an der Westküste - pipe-tunes sind. Die meisten Melodien, die er auf der fiddle erlernt hat, das waren eben solche Dudelsack-Stücke. Er kannte das also schon alles.

Als er dann in die Band aufgenommen wurde, schickten sie ihm als erstes ein Paket mit 6 oder 7 CDs der Band und der Aufforderung, das alles zu lernen... Das tat er und dank Art und Weise, wie die anderen ihn in die Gruppe aufnahmen, ihm alles zeigten, war es für ihn nicht besonders schwer, sich dort einzufinden.

Und nach der ersten Tournee mit der Band, da hat es ihn dann richtig gepackt - ein Gefühl, das er nicht missen möchte !


Bericht, Photos und Interviews: W.Rodrian, 2004

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