AKTUELL

Juli 2004
POL HUELLOU: Die Kultur kämpft um das Überleben - was haben wir damit zu tun ?

Die Zeitschrift "Peuple Breton" der bretonischen Partei UDB (Union démocratique bretonne) lädt jeden Monat einen anderen Prominenten dazu ein, unter dem Titel "L'invité du "Peuple Breton" eine Kolumne zu einem aktuellen Thema zu veröffentlichen.
In der Juni-Ausgabe hat der bretonische Musiker und Politiker Pol HUELLOU sich zur aktuellen Situation der freiberuflichen Künstler, der sogenannten "intermittents du spectacle" geäußetr.
Mit der freundlichen Genehmigung des Autors veröffntlichen wir an dieser Stelle seine interessanten Ausführungen zu diesem Thema:


Pol Huellou: Musiker und Gewerkschaftssekretär CGT
Seit einem Jahr dauern jetzt die Aktionen der "intermittants du spectacle" an. 12 Monate also, in denen unser Kampf nicht nachlässt angesichts der Taubheit de Medef, der Regierung und bestimmter Verhandlungspartner.

Jetzt, im Juni 2004 stehen wir kurz vor dem Beginn der Festivalsaison. Die Forderung besteht weiter, es geht darum, dass das Protokoll außer Kraft gesetzt wird, das die Anhänge 8 und 10 der "convention Unedic" außer Kraft gesetzt werden, die am 26 Juni 2003 von der Medef und einigen Verhandlungspartnern (die jedoch nur eine Minderheit im Veranstaltungsbereich repräsentieren) unterzeichnet wurden. Die Konfrontationspolitik der Regierung zeigt bereits seit dem vergangenen Sommer, dass sie die Angelegenheiten nicht im Griff hat. Die gleiche Situation zeigt sich im Bereich der Wissenschaft, beim Gesundheitspersonal, bei der Feuerwehr, bei den Arbeitslosen ("den sogenannten "recalculés"), beim Unterrichtspersonal (einschließlich derer, die Bretonisch unterrichten) und in den meisten Fällen sind die Probleme bis heute nicht wirklich gelöst worden.

Die hauptberuflich beschäftigten haben in ihrem Kampf in keinem Moment nachgelassen. Einen Kultusminister später hat die Regierung nun angesichts der unnachgiebig agierenden Medef Ballast abgeworfen.

Das Protokoll, das die Regierung seit Januar in Kraft gesetzt hat, verursacht soziale Dramen, die wir täglich in Ziffern benennen können: 1.500 Freiberufler verlieren jeden Monat ihre Rechte auf Arbeitslosenunterstützung und stehen von heute auf morgen vor dem Nichts !

Das gleicht einem völlig sinnlosen Massaker, das alle Berufssparten gleichermaßen betrifft (Tontechniker, Musiker, Beleuchter, Elektriker, Schreiner, Schauspieler, Tänzer, Mechaniker,...).

Dennoch zeigen sich erste positive Veränderungen. Der Kultusminister Renaud Donnedieu de Vabres hat in Cannes angekündigt, das die schwangeren Frauen unter den "intermittents du spectacle" Ihre Bezüge erhalten sollen und dass ein provisorisches Arbeitslosen-Versicherungssystem binnen 3 Wochen für diesen Bereich geschaffen werden soll. "Höchstens 3 Wochen, um das neue Notfallsystem zu entwickeln", das Arbeitslosenbezüge ermöglichen soll. "Die Auszahlung wird konkret ab Juli erfolgen". Die Regierung beginnt zu Regierung angesichts dieser sozialen Notlage. Langfristig werden "in den kommenden Tagen" Verhandlungen angesetzt. Ein wie auch immer geartetes Engagement des Ministers, ob in Cannes oder anderswo, bedeutet schließlich ein Engagement der Regierung. Dadurch, dass der Staat für die vom System ausgeschlossenen Freiberufler sorgt, verleugnet er eindeutig das gültige Protokoll. Wir haben das zur Kenntnis genommen.

Dennoch gibt es eine Reihe von wesentlichen Punkten, für die bislang noch keine Lösungen gefunden wurden: das betrifft den Arbeitsausfall wegen Krankheit ebenso wie die Anrechnung von Ausbildungszeiten.

Letzten Endes ist die Regierung nun am Zug und es bleibt noch einiges zu tun, damit die Absichten der Regierung sich in eindeutigen Handlungen und Perspektiven spiegeln. Es ist an ihr, die Medef dazu zu bringen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, da diese bezüglich der vor kurzem angekündigten Maßnahmen von sich aus keinen "centime" herausrücken wird...

Die vorgesehenen Veränderungen dürfen sich nicht nur auf die Arbeitnehmer beziehen (was die Auslegung der Terminologie angeht etc...), sie müssen sich auch mit den Aktivitäten der Unternehmen auseinander setzen.

Und dann müssen noch eine Reihe wesentlicher Fragen geklärt werden, und das auch auf dem lokalen Niveau. Diese neue Politik muss vor Ort, in der Region durch ein neues Kulturprojekt für die Bretagne umgesetzt werden, gemeinsam mit den Abgeordneten und den Betroffenen. Die Frage der Festangestellten muss gelöst werden: eine gewisse Anzahl der Organisationen ("compagnies") und der kulturellen Dachverbände könnten feste Arbeitsplätze anbieten, wenn die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden würde. Es gibt noch etliche wesentliche Fragen, die geklärt werden müssen. Ist es beispielsweise wünschenswert, dass ein großer Teil der kulturellen Einrichtungen während der gesamten Reisezeit im Sommer geschlossen werden? Kann man weiterhin Veranstaltungsräume bauen, ohne vorher dafür zu sorgen, dass deren Unterhalt finanziell abgesichert ist?

Die Festivals können ihre Solidarität am besten dadurch kund tun, dass sie in Ihrem Programm auch den Neuschöpfungen einen adäquaten Platz einräumen und die Veranstalter können dies am besten, indem sie anerkannte Künstler engagieren deren Werke vertreiben. Und das bretonische Publikum kann seine Unterstützung am besten ausdrücken, indem es sich hinter die Künstlern der Region stellt in deren Kampf.

Die freiberuflichen Arbeitnehmer im Kulturbereich ("professionnels du spectacle") sind heute mehr denn je auf der Hut, solidarisch untereinander und entschlossen.

Pol HUELLOU
Musiker
Secrétaire du Syndicat de Bretagne des artistes de la musique - CGT
Responsable de le CGT - Spectacle des Côtes d'Armor

(Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers: W. Rodrian 2004)

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