AKTUELL

Juli 2004

Das Festival Celtique de Corbeyrier 2004


Am Nachmittag fuhren wir über die kurvenreiche Strasse von Yvorne nach Corbeyrier. Gleich neben dem Festivalgelände mitten im idyllischen Grün, auf ca. 920 Metern Seehöhe, hatten wir nach einem gemütlichen Picknick eine Tanzstunde für bretonische Tänze vereinbart. Wir lernten verschiedene Tänze wie An Dro, Hanterdro, Cercle Circassien, Chapeloise, Scottish, Rond de St. Vincent und natürlich die Gavotte.

Tänzer beim Festival Celtique de Corbeyrier 2004 Als um 18.00 das Festival eröffnet wurde brannten wir darauf das neu Erlernte umzusetzen. Dazu hatten wir auch bald Gelegenheit. Nach einem kurzen Rundgang, bei dem wir unter anderem die Musikinstrumente eines französischen Instrumentenmachers bewundern und ausprobieren konnten, die verschiedenen kulinarischen Angebote erkundeten und neben schönen keltischem Schmuck, Töpfereiarbeiten auch viele andere Handwerkskünste bestaunten, begaben wir uns zur Bühne.

Der musikalische Reigen wurde von der Walliser Gruppe La Joyeuse eröffnet. Die zehn Musiker spielten sehr schöne Melodien und Tänze und brachten das Publikum in Stimmung. Flöten, Dudelsack, Akkordeon, Gitarre, Bass, Bouzouki, Fiddle und die verschiedensten Perkussionsinstrumente wie Bodhrán, Spoons, Djembe etc. erzeugten einen wunderbar rhythmischen und mitreissenden Sound. Es dauerte nicht lang und die ersten Tänzer formierten sich zu ihrem begeisternden Tanz.
Wig A Wag in Corbeyrier 2004
Nach einer kurzen Pause betraten Wig A Wag die Bühne:
Loc Chavigny, Gesang, Cyrille Bonneau, Bombarde, Flöten und Saxophon, Laurent Jolly, Perkussion, Emmanuel Plat am Bass und ein mir leider unbekannter Akkordeonspieler.
Wig A Wag spielen eine ausgezeichnete Mischung von bretonischen Tänzen mit verschiedenen Einflüssen von World Music. Laurent hat eine beeindruckende Sammlung von Perkussionsinstrumenten, mit denen er für die atemberaubenden Rhythmen der Gruppe verantwortlich ist. Die Tänze werden vielfach in einem Tempo gespielt, das es den Tänzern verunmöglicht wird mitzuhalten. Jedoch kündet Loc, ein wunderbarer Sänger, die "tanzbaren" Stücke an und es dauert nur Sekunden, bis die Tänzer die Einladung annehmen. Cyrille besticht mit seinem abwechslungsreichen und gekonnten Spiel auf den Blasinstrumenten. Das Akkordeon bleibt bei dieser Konkurrenz etwas im Hintergrund, ist aber für den perfekten Klang unverzichtbar.


Um 22.00 Uhr standen The Churchfitters auf dem Programm:

The Churchfitters live in Corbeyrier 2004 Rosie Short, Gesang, Flöten, Saxophon, Banjo, Perkussion, und Chris Short an der Fiddle haben mit Boris Lebret am Akustik Bass und den Perkussionsinstrumenten und Topher Loudon an den Gitarren eine brandneue Besetzung vorgestellt.

Drei Iren und ein Franzose brachten den Saal zum dampfen. Neben den kräftigen Stimmen verfügen Rosie, Chris und Topher auch über erstklassige gesangliche Qualitäten. Selten hört man drei so ausgezeichnete Sänger in so perfekter Harmonie. Chris ist ein begnadeter Geiger, der die Irische Fiddle mit der Zigeunerfiedel und der Jüdischen Fiddle (und was auch immer noch) vereint und somit einen eigenen und hervorragenden Stil kreiert. Boris spielt den Bass im Stile grosser Jazzbassisten und spielt nebenbei noch einige Perkussionsinstrumente.

Gemeinsam mit dem Gitarristen ersetzt er somit eine komplette Rhythmusgruppe und erzeugt einen unheimlichen Drive. Rosie wechselt ständig das Instrument und brilliert dabei mit ihrem Können. Ausserdem ist sie eine begnadete Sängerin. Die Band spielt neben Irischem und Schottischem Folk, auch Country Musik und eigene Kompositionen. Egal was sie spielen, immer geben sie den Liedern ihre eigene spezielle Note. Einflüsse von allen möglichen Musikstilen und Kulturen kommen dabei zu tragen. Während zwei Stunden bedauerten nicht einmal die eingefleischten Tanzfreaks, dass man zu dieser Musik nicht tanzt, sondern mit offenen Ohren, Augen und manchmal auch Mündern mitschwingt und klatscht und singt.

Dann um Mitternacht war es soweit, die Tänzer warteten ungeduldig auf Marthe Vassallos Startschuss zur Fest Noz. Loened Fall (les sales bêtes) betreten die Bühne und rufen zum Tanz:

Loened Fall Marthe Vassallo - Kan ha Diskan
Ronan Gueblez - Kan ha Diskan
Sabine Le Coadou - Bombarde
Hervé Bertho - Geige
Marc Thouenon - Gitarre

Nun war es soweit das Erlernte umzusetzen. Gavotte, Fisel, Pourlet, Plinn , Polka Plinn, alles was man sich erträumen kann. Marthe und Ronan erzeugen eine grossartige Stimmung. Sie sind beide ausgezeichnete Sänger und bringen mit ihrem Kann ha Diskan jedermann in Tanzlaune. Hervé an der Geige hat verdientermassen sogar den Applaus von Chris Short (Churchfitters) erhalten und lächelnd zur Kenntnis genommen. Marc spielt mit der Gitarre hervorragende Rhythmen und gibt den Tänzern gemeinsam mit Marthe und Ronan den Takt an. Sabine spielt die Bombarde.
Leider war es nach zwei Stunden bereits vorbei und das Publikum verabschiedete die Band mit tosendem Applaus.

Adolf Goriup, Erwachsenenbildner, Schweiz

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