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Dezember 2004

Idir, 2. Oktober 2004 in Delémont, Schweiz, Halle du Château
Idir, 2. Oktober 2004 in Delémont, Schweiz, Halle du Château. Bericht und Photo von Adolf 'gorhand' Goriup
Ich kenne diesen kabylischen Sänger und Poeten auf Grund seiner Arbeit mit verschiedenen Vertretern der World Music Szene, in Delémont war er zu Gast mit einer fantastischen sechsköpfigen Band.

Als um 20.30 Uhr die Lichter erloschen fielen die Scheinwerfer auf vier junge Musiker, die sich als eine Band namens Setta vorstellten - offensichtlich gab es eine unangekündigte Vorgruppe. Youness Ouatiq ist nicht nur ein ausgezeichneter Sänger, sondern auch ein sehr guter Entertainer. Er wurde begleitet von Hakim Haniche an der Flamenco Gitarre, Salah Mouhoub an der Rhythmusgitarre und Hockacha Malagouen an den electric drums. Die Gruppe überraschte das Publikum mit tollen Eigenkompositionen von Youness Ouatiq, die von der Band hervorragend arrangiert wurden. Der mitreißende Sound brachte das Publikum bald zum Mitklatschen (Même si tu mens).
Die Lieder handelten von politischen (Abracadabra) und sozialen Problemen (Crime) oder wurden von Antoine St. Exuperys Geschichte vom kleinen Prinz inspiriert (Poussière). Ein wunderschönes Liebeslied, "Jamais", eine atemberaubende gesangliche Leistung bei "Le coyote" und das abschließende Gebetslied "Shamane" waren meine Lieblingsstücke. Setta haben mit ihrer Musik das Publikum nicht nur für das kommende Programm aufgeheizt, sie erhielten zum Abschied tosenden Applaus und die jubelnden Rufe der Berberfrauen. Setta werden ihre Debüt CD im Frühjahr 2005 veröffentlichen. Unterdessen gibt es hier Hörproben und weitere Informationen www.setta.fr. Idir, 2. Oktober 2004 in Delémont, Schweiz, Halle du Château (Photo: A.Goriup)
Dann kam Hamid El Cheriet, Idir, auf die Bühne und mit seinem Charisma und seiner herzlichen Begrüßung gewann er sofort die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Idir ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, ein wunderbarer Sänger und Musiker, ein brillanter Philosoph und einer der größten Humanisten unserer Zeit.

Die Band: Gerard Geoffroy an den Flöten, Lahouari Bennedjadi an den Keyboards und am Gumbri, Tarik Ait-Hamou an der Gitarre, Hachemi Belalli am Bass, Eric Duval am Schlagzeug und Amar Mohali an den Perkussionsinstrumenten. Jean-Luc Sitruk und Francis Dupont waren für den Sound verantwortlich.

Idir begann den Abend mit Liedern und Geschichten, die uns zum Nachdenken und Träumen anregten uns aber auch zum Lachen und Weinen brachten. Er erzählte von den Bergen und dem Nachthimmel seiner Heimat, er berichtete von politischer Verfolgung und Massenmord, er erinnerte sich an seinen Freund Matoub Lourès und all die Opfer politischer Macht.

Doch nicht nur seine Geschichten verzauberten uns, sondern auch seine Lieder. "A Vava Inouva" wurde von dem zum größeren Teil aus Berbern bestehendem Publikum mitgesungen und als Europäer inmitten unserer Gäste wurden wir zu willkommenen Besuchern, die zu diesem Fest geladen waren. Während der Pause spielte einer der Musiker ein uraltes Instrument der Tuareg, eine Mischung aus Bass und Perkussion. Es war berauschend und als die anderen Musiker einstimmten wurde die Halle zum Hexenkessel.

Nach der Pause hielt es kaum jemand auf den Sitzen, wir tanzten, sangen und lachten und das Fest schien kein Ende zu nehmen.

Ich möchte Idir, den Musikern und unseren Freunden für den herzlichen Empfang danken, selten habe ich ein so mitreißendes und gleichzeitig friedfertiges Konzert erlebt.
Setta, 2. Oktober 2004 in Delémont, Schweiz, Halle du Château (Photo: A.Goriup)

Adolf "gorhand" Goriup, Gorhand Music