AKTUELL

Mai 2005

Vier Zugaben und kein Ende... Die Steve Skaith Band im Laboratorium, Stuttgart

Wenn man schon 2 Stunden Autobahn in Kauf nimmt und für ein Konzert extra von München nach Stuttgart fährt, dann muß das schon etwas besonderes sein. Und das war es auch. Es hat sich gelohnt.

Im April konnte ich Steve Skaith in München solo erleben. Gemeinsam mit Armin Pongs gestaltete er im Rahmen der Veranstaltung "Die Welt in meinen Augen" bereits zum zweiten Mal einen spannenden und unterhaltsamen Abend. Während Armin Pongs im Instituto Cervantes teils bekannte, teilweise aber auch neue Reiseschilderungen vorlas, die von seinen Begegnungen mit einem Woodstock-Veteran in New York, einem Reiseführer in Israel oder auch einem Holzschnitzer in Transsylvanien handeln.

Illustriert wurden die bewegenden Geschichten mit Photographien, die Armin Pongs selber aufgenommen hatte. Die Bilder erzählen auf einer visuellen Ebene von den geschilderten Begegnungen und vervollständigen die Eindrücke, welche die zutiefst menschlichen Geschichten vermitteln.

Zwischen den einzelnen Geschichten trug Steve einige seiner Lieder vor und verlieh dem Abend auf diese Weise eine ganz besondere Note.

Während im Hintergrund die Liedtexte projeziert wurden, gelang es diesem großartigen Singer und Songwriter das anwesende Publikum mit seinenberührenden und sozialkritischen Liedern in seinen Bann zu ziehen: " Believer in Miracles", "Come down and buy" oder "America for Beginners". Lieder, die teilweise aus seiner Zeit bei und mit Latin Quarter bekannt sind, getextet gemeinsam mit seinem walisischen Freund Mike Jones.

Es war ein großartiger Abend, der mich neugierig darauf werden ließ, was die Steve Skaith Band zu bieten hat.

"Eine außergewöhnliche Band mit einer in Popmusikkreisen genauso ungewöhnlichen Geschichte." (Pressetext Pläne Records, 2004)

Im Liverpool der 70er Jahre lernten sich Steve Skaith und der Lyriker Mike Jones vor dem Hintergrund linker Aktionsgruppen kennen. Ihre Musik sollte die eigene Wut über Rassismus, Arbeitslosigkeit und Intoleranz ausdrücken.

1983 gründeten sie Latin Quarter. Die anderen Bandmitglieder kamen aus Vietnam-Gruppen, Chile-Komitees und der "Anti Nazi Legue". Die Songs ihres '85er Debutalbums "Modern Times" (2002 als CD bei Cherry Red Records neu aufgelegt) erhielten schon bald Kultstatus: "Radio Africa", "America for Beginners", "New Millionaires".... Das war intelligente Popmusik. Anspruchsvolle, politische und gesellschaftskritische Texte in ansprechende Musik verpackt. Eine Musik, die den englischen Radios durchaus Probleme bereitete - die Texte waren zu politisch und oftmals vor allem war der Inhalt nicht "correct".

Aber die Verbindung von guter Musik, kritischen Texten und dem eigenen politischen Engagement, das für die Musiker gerade unter der Regierung Thatcher immer von größter Bedeutung war, verschaffte der Band eine Bekanntheit und Beliebtheit weit über die Grenzen Englands hinaus.

Einige Jahre nach der Auflösung der Band 1997 ist Steve Skaith nach Mexiko ausgewandert, wo er heute noch lebt. Mit Unterstützung von vier mexikanischen Musikern hat er nun seine erste Solo-CD eingespielt. Skaith hat alle Lieder selbst komponiert, und zu den meisten hat Latin-Quarter-Texter Mick Jones die Lyrics geliefert. "Model Son" und "Race Me Down" sind Neubearbeitungen ehemaliger Latin Quarter-Songs. Von den neun neuen Liedern beeindruckt besonders "SenoritaNo".

Im Laboratorium, einem alten Kultplatz der Folkszene in Süddeutschland, trat Steve Skaith mit seiner Band nun schon zum zweiten Mal auf. Obwohl das Konzert im Rahmen der ersten Tournee wohl nicht besonders gut besucht war, nahmen die Veranstalter das Risiko auf sich und hatten damit vollen Erfolg.

Der Zuschauerraum war bis auf den letzten Sitz ausverkauft und die Stimmung war gut, als die Band auf der Bühne erschien. 4 Musiker, die ihr Handwerk verstehen und dem zunehmend begeisterten Publikum einen mitreißenden Abend voller exquisiter Musik boten.

Steve Skaith (Gitarre und Gesang), Beto Tenorio (Baß), Javier Gámiz (diverse Saiteninstrumente) und Ricardo Serrano (drums) waren von Anfang an sehr präsent auf der Bühne und es dauerte nicht lange, bis das Publikum im Laboratorium so richtig warm wurde. Nach einigen Titeln, die von der aktuellen und pressfrischen CD "Empires & Us" stammten, präsentierte die Band dann auch ältere Songs von der vorletzten CD "Mexile", aber auch aus den guten, alten Latin Quarter-Zeiten.
Nicht fehlen durfte natürlich der große Hit aus den frühen Jahren "Radio Africa", der sich mit der südafrikanischen Apartheitspolitik auseinandersetzt. Südafrika ist auch musikalisch eines der großen Themen bei Steve Skaith und seinen Musikern, die im übrigen einen bunten und fein arrangieren Mix aus Rock und Weltmusik zu bieten haben. Immer wieder klingen die typisch südafrikanischen Rhythmen durch und bringen das Publikum schließlich auch noch zum Tanzen in den engen Gassen des Laboratorium.

Nch ein Wort zu den Live-Arrangements: hier hat die Band offensichtlich noch fleißig an den Songs des neuen Albums gefeilt und getüftelt. Da waren immer wieder musikalisch ausgereifte Passagen zu hören und Soli (sogar ein Schlagzeugsolo !), die viel Live-Pepp in die neuen Stücke brachten.

Das begeisterte Pubikum im Laboratorium wollte die 4 grandiosen Musiker gar nicht mehr von der Bühne lassen und erst nach 4 langen Zugaben war's dann genug. Es war Zeit für ein Guinness - für die Musiker.
Ich kann nur hoffen, dass wir in München im kommenden Jahr bei der nächsten Tournee der Steve Skaith Band mehr Glück haben und auch in den Genuß eines derart mitreissenden Konzerts kommen!

Leider kein Auftritt in München auf der aktuellen Tournee (-> Daten s.u.) , hoffentlich im kommenden Jahr.


Bericht: W.Rodrian / Photos: Guido Sieber + W. Rodrian


weitere Konzerte im Rahmen der aktuellen Deutschlandtournee:

11. Mai Mi. Elfenbein Herford
12. Mai Do. Cadillac Oldenburg
13. Mai Fr. Downtown Bluesclub Hamburg
14. Mai Sa. Buchcafé Bad Hersfeld
15. Mai So. Oxygen Bad Endbach
16. Mai Mo. Franziskaner Bad Saulgau
17. Mai Di. Klangstation Bonn

Internet: www.mexile.com
Steve Skaith solo in München, Instituto Cervantes (Photo: W.Rodrian)
Armin Pongs liest - Die Welt in meinen Augen (Photo: W.Rodrian)
Steve Skaith solo: Believer in Miracles (Photo: W.Rodrian)
Steve Skaith Band (Photo: G.Sieber)
Steve Skaith: von Radio Africa zu The Big Pit (Photo: G.Sieber)
Die Steve Skaith Band aus Mexico geht gut ab... (Photo: G.Sieber)
mit Javier Gámiz an diversen Saiteninstrumenten (Photo: G.Sieber)
und Beto Tenorio am Bass (Photo: G.Sieber)
Steve Skaith : Gitarre und Gesang (Photo: G.Sieber)
und Ricardo Serrano unsichtbar am Schlagzeug (Photo: G.Sieber)
Javier macht es sichtlich Spaß in Stuttgart (Photo: G.Sieber)
und Steve bringt die Menge mit seinen engagierten Liedern zum Toben und Tanzen (Photo: G.Sieber)
4 Zugaben sind genug - bis zum nächsten Mal... (Photo: G.Sieber)

Besuchen Sie bitte auch die Homepage des www.laboratorium-stuttgart.de