AKTUELL

Juni 2005

Das französische NON zur europäischen Verfassung, die Bretagne sagt "YA"

Während sich das französische NON vom 29. Mai zur europäischen Verfassung immer mehr zum Beginn eines paneuropäischen Dramas entwickelt und Fragen vielfältigster Art über die Zukunft und den Zusammenhalt Europas aufwirft, wird in Deutschland so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen, dass es bei der Volksbefragung dennoch einige wenige Regionen gab, die eindeutig für die neue europäische Verfassung gestimmt haben.

Die Ergebnisse des Referendums vom 29.Mai 2005 in ihrer geografischen Verteilung nach Départements (Quelle: Ouest-France, 31.Mai 2005) Während in nahezu ganz Frankreich bis auf einige verstreut liegende Départements das Stimmenverhältnis geschlossen bei 55% oder mehr gegen die Verfassung lag, ist auf der nebenstehenden Karte deutlich zu sehen, dass gerade der äußerste Westen Frankreich, sprich die Bretagne und die umgebenden Départments Mayenne, Maine-et-Loire und Vendée geschlossen für die neue europäischen Verfassung gestimmt haben.
Lediglich das Département Côtes-d'Armor liegt bei knapp 55% Nein-Stimmen.

Eine genaue Analyse politische und soziale dieses Ergebnisses steht bislang noch aus, jedoch verwundert das Wahlverhalten der Bevölkerung in den bretonischen und in den benachbarten Départements kaum. Schon seit Jahrzehnten verfolgen die mehr oder weniger dezentralisierten politischen Gremien in der Region eine klare Europapolitik, versprechen sich die regionalen Akteure doch ein Mehr an regionaler Autonomie in einem wahren Europa der Regionen nach dem föderalen Modell Deutschlands.

Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den regionalen Gremien wie dem "conseil régional", dem Regionalparlament der Bretagne und der Zentralregierung in Paris, nicht zuletzt angesichts der seit Jahrzehnten rigiden Sprach- und Bildungspolitik der Regerung. Zuletzt wurde bspw. die verabredete öffentliche Förderung der bretonischsprachigen Diwanschulen durch das Pariser Kultusministerium nach anfänglicher Annäherung widerrufen.

Darüber hinaus weigert sich die französische Regierung seit Jahrzehnten beharrlich, die europäische Sprachencharte zu ratifizieren und somit den nach wie vor lebendigen Regionalsprachen Frankreichs ein offizielles Existenzrecht zuzusprechen.
Die Verteilung der Stimmen beim Referendum vom 29.Mai 2005 in der Bretagne (Quelle: Ouest-France, 30.Mai 2005