AKTUELL

August 2005

Die Europeade 2005 in Quimper

Die 42.Europeade in Quimper 2005Die 1964 ins Leben gerufene Europeade wird einmal jährlich in einer europäischen Großstadt veranstaltet und stellt bis heute das größte Festival europäischer Folklore und Tradition dar. Weit über 200 Musik-, Tanz und Gesangsgruppen aus über 20 Ländern treffen sich einmal im Jahr, wobei zwischen 3.500 und 8.000 Teilnehmer aus ganz Europa die Traditionen ihrer Heimatländer präsentieren.

Verantwortlich für die Organisation sind ein internationales Komitee, das aus Vertretern der verschiedenen Regionen Europas gebildet wird. Seit der Gründung vor 42 Jahren fand die Europeade unter anderem in folgenden Städten statt: Anvers, Annecy, Wien, Turin, Valencia, Rennes, München und zuletzt, 2004 in Riga.

2005 trafen in Quimper bei diesem größten europäischen Rendez-Vous der Kulturen 173 Gruppen mit insgesamt 4.500 Teilnehmern aus 25 Ländern beziehungsweise 75 Regionen zusammen und feierten bei der diesjährigen 42. Europeade gemeinsam ihre Traditionen.

Die Teilnehmer kamen aus Österreich, Belgien, der Schweiz, der Republik Tschechien, Deutschland, Dänemark, Spanien, Estland, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Griechenland, Grönland, Ungarn, Italien, Irland, Luxemburg, Litauen, Lettland, Holland, Moldavien, Portugal, Polen, Rumänien und Schweden.

Die diversen Veranstaltungen der diesjährigen Europeade (20.- 24. Juli) vermischten sich teilweise mit den vielen Veranstaltungen im Rahmen des "Festival de Cornouaille", das in diesen Tagen ebenfalls in Quimper stattfand.

Und vermischten sich auch das Veranstaltungsprogramm des Festivals und der Europeade teilweise nahtlos miteinander, was jedoch keinen Nachteil darstellte. Im Gegenteil: die Innenstadt von Quimper mit ihrer malerischen Altstadtkulisse bot für knapp eine Woche das Bild eines großen europäischen Spektakels und überall, auf den Straßen, Plätzen und an den unterschiedlichen Veranstaltungsorten konnte man beobachten, wie sich jung und alt aus den verschiedensten europäischen Regionen austauschte. Ungeachtet der sprachlichen und kulturellen Unterschiede, die niemals ein Hindernis darzustellen schienen, wurde diese idylische bretonischen Stadt an den Ufern des Odet 5 Tage lang von buntem und fröhlichem Leben erfüllt.
Die feierliche Eröffnung der 42.Europeade vor dem Rathaus in Quimper
Bereits vor der offiziellen Eröffnung der Europeade am 21. Juli mit den feierlichen Ansprachen der Verantwortlichen und der Begrüßung durch den Bürgermeister von Quimper, Monsieur Alain Gérard, tummelten sich unzählige in Trachten gekleidet Folklore-, Tanz- und Musikgruppen in der Stadt, die oftmals nur anhand ihrer Fahnen auseinanderzuhalten waren.

Ein paneuropäisches Sprachengewirr machte sich breit und übertonte die gewohnte Sprachevielfalt, die man in Quimper während der Touristensaison von Juli bis Ende August vorfindet.
Im Rathaus präsentierten sich die Vertreter der Kultur- und Fremdenverkehrsvereine mit Ständen, an denen Informationsmaterial und typische Erzeugnisse der jeweiligen Regionen vorgestellt wurden. Der Öffentlichkeit standen die Räume im Foyer des Rathauses von Quimper während der gesamten Europeade offen und man konnte sich dort in vielfältiger Weise über die vertretenen Regionen und Länder vom engagierten Touristikpersonal beraten lassen.

Vor dem Rathaus versammelten in der Zwischenzeit Trachtengruppen und -vereine mit ihren Wimpeln, Standarten und Instrumenten in der gesamten Pracht traditioneller Trachten, präsentierten sich voller Stolz und nicht selten mit einer gehörigen Portion Schalk den versammelten Photographen und Filmteams, die sich mit Eifer auf die pittoresken Ansammlungen stürzten.
Die feierliche Eröffnung der Ausstellungsstände im Foyer des Rathauses von Quimper
Da stolzierten 6 spanische, ganz in schwarz gekleidete Bläser durch die Gassen und über die Promenaden der Altstadt und intonierten die typischen Fanfaren, was mitunter dazu führte, dass man sich wie in einer Stierkamparena fühlte - vor allem die Frauen, die gerne mit einer Extra-Einlage lautstark von den iberischen Machos angegangen wurden.

Vor dem strahlend blauen bretonischem Himmel stellten sich die photogenen Gruppen gerne in Positur und genossen die Aufmerksamkeit, die ihnen in diesen Tagen allerorts zuteil wurde. Generationen übergreifend waren die Teilnehmer in Buskaravanen quer durch ganz Europa gekommen und Quimper glich in diesen Tagen einer riesigen Jugendherberge. In sämtlichen öffentlichen Gebäuden, Schulen, Turnhallen etc. hatte man Unterkünfte eingerichtet, um die Gäste, die keine Mühe gescheut hatten, kostengünstig unterzubringen.

Für mich persönlich war es interessant zu beobachten, wie sich die internationale Presse mit einem Mal in Quimper einfand, um über die Europeade zu berichten, während ich in den vorhergehenden Tagen der einzige ausländische und sogar überregionale Pressevertreter gewesen war, der nach Quimper gekommen war, um über das Festival zu berichten.
Andererseits mußte ich dann jedoch überraschenderweise feststellen, dass selbst ein so großangelegter Event wie die Europeade kaum überregionale Beachtung findet, obwohl die ausländische Presse doch relativ zahlreich Präsenz zeigte.

Gerne stellen sich die Trachtenvereine für die versammelten Photographen aus aller Welt in Positur...
Und das ist schade, wo doch die Europeade angesichts der Probleme einer europäischen Einigung in Sachen Verfassung gerade in Frankreich (nicht in der Bretagne, die hatte ja als Region für die neue Verfassung gestimmt - wir hatte darüber berichtet...) ein lebendiger und bereits jahrzehntlang existierender Beweis dafür ist, dass die kulturelle Koexistenz und das (Er-)Leben der kulturellen Traditionen, Gemeinsamkeiten ebenso wie der Unterschiede für die hier versammelten Repräsentanten der verschiedenen Regionen kein Problem darzustellen scheint.

Wer kennt schon die Europeade, wenn sie nicht gerade in der eigenen Region oder Stadt veranstaltet wird ? Zurück in München wußte kaum jemand etwas damit anzufangen und bereits außerhalb der Bretagne fand dieses Großereignis schon keine Beachtung mehr.

Vielleicht wäre es wichtiger, in Zukunft mehr Augenmerk auf die bereits vollzogene kulturelle Vereinigung Europas zu richten als auf neue, immer kompliziertere Regelwerke und rein wirtschaftliche Aspekte - ohne dass ich deren Bedeutung an dieser Stelle grundsätzlich in Frage stellen möchte.

Wie dem auch sei, Quimper erlebte in diesem Juli 2005 einen kulturellen Höhepunkt nach dem anderen, die Stadt war von buntem Leben erfüllt wie selten und es war erstaunlich, zu beobachten, mit wieviel Stolz und Vergnügen die Quimpérois und Quimpéroises selber an diesem Spektakel teilnahmen.
Tanz, Musik und viel Vergnügen am gemeinsamen Erleben europäischer Vielfalt
Die nächste, die 43. Europeade findet vom 19. bis 23. Juli 2006 in Zamora statt und wer sich für weitere Informationen über die Europeade, die Hintergründe, die Organisation und die Organisatoren interessiert, dem empfehle ich an dieser Stelle, einen Blick auf die europäisch-mehrsprachige Website zu werfen unter: www.europeade.be.









Kein Platz in Quimper, keine Freifläche, die nicht zu spontanen Darbietungen genutzt wurde















Aufnahmen der großen Auftaktveranstaltung am 21.Juli im Stade de Penvillers, Quimper


Eröffnungsveranstaltung im Stade de Quimper mit bretonischen Tanzgruppen Eröffnungsveranstaltung im Stade de Quimper mit Fahnenschwingern

 

 

 

 

 

 

 

Bericht + Photos: W.Rodrian, 2005