AKTUELL

September 2005

Northern Folk Night im Kraftfeld in Winterthur, 16. September 2005

Das Kraftfeld ist ein Lokal auf dem stillgelegten Areal der Sulzer Industrie Werke im Zentrum von Winterthur. Freitagabend waren dort drei lokale Bands zu Gast, die uns mit ihrer abwechslungsreichen Musik unterhielten.

Divina CommediaDen Beginn machte Divina Commedia (www.divinacommedia.ch), drei Frauen mit dunkel düsteren Liedern. Agnes Schnyder spielte Gitarre, und sang mit ausdrucksstarker Altstimme eigene Texte und Kompositionen. Belinda Reich überzeugte mit ihrer wunderschönen Sopranstimme und Meri Tadic entlockte ihrer Geige gefühlvolle und schräge Töne.

Die Lieder handeln von Leid und Leidenschaft, von Schmerz und Tod, sie erzählen von Liebe, Einsamkeit und Verzweiflung, sie zeigen uns den Mensch mit all den Facetten seines Seins. Die Texte in perfekten Reimen werden in wunderbar akzentuiertem Hochdeutsch gesungen und vom Spiel der Gitarre und Geige begleitet.

Neben den selbst komponierten Liedern wurde auch mittelalterliches Liedgut (Mensch) textlich neu bearbeitet. Nicht technisch perfektes Spiel zeichnete die Musiker aus, sondern betörende Klänge mit melancholisch bis diabolischen Akzenten. Am Ende dieses Sets erwachte ich wie aus einem Traum, verzaubert von den wunderschönen Gesängen, die Solo, im Duett oder auch im Kanon erschallten. Die beiden Stimmen ergänzten sich vortrefflich und wechselten von herrlichen Gesängen zu bösem Geschnatter und schrägen Gesangspassagen. Ein schaurig schönes Spektakel.

Als nächstes kam eine neunköpfige „Rabenschar“ auf die Bühne. Das ist nämlich die Übersetzung des keltischen Branâ Keternâ (www.brana.ch).

Brana (Schweiz) live on stage
Es wurde etwas eng auf der kleinen Bühne als Chrigel Glanzmann an der Gitarre, Mandoline, Flöten und dem irischen Dudelsack diese mit seinen Freunden betrat.
Meri Tadic und Linda Suter spielten die Fidel und Elena Konstantinidis die Bratsche. Linda erfreute uns auch mit ihrem Gesang, der gemeinsam mit Andrea Greter das Ensemble von 8 Musikern übertönen musste.

Andrea spielte auch Perkussion ebenso wie Damian Benedetti und Marius Raiber von der Band Naturbreit, die später das letzte Set spielte. Päde Kistler an der Gitarre und Toby Roth am Akkordeon ergänzten die Truppe, die ihre Musik gerne als Troll Folk bezeichnet. Was das zu bedeuten hat, konnten wir bald am eigenen Leib erfahren.

9 Musiker, die viel Freude an Musik mitbringen und das Publikum zum Staunen bringen. Schwedisches Liedgut, Irischen Folk, bretonische Tänze, mittelalterliche Lieder und eben Troll Folk aus eigener Produktion wurden mit viel Leidenschaft und Können vorgetragen. Branâ Keternâ brilliert mit einem einzigartigen Stil, der sie aus der großen Masse der Folkgruppen hervorhebt.

Irish Folk mit Naturbreit
Zum Abschluss wurde dem Publikum noch solider Irish Folk geboten. Naturbreit spielte in einer Fünfer-Besetzung.
Auf dem Irischen Dudelsack begeisterte Marc Schwind, das Bodhràn schlug Marius Raiber, Gaudenz Raiber spielte die Gitarre, Andrea die Geige und Bruno die Mandoline, das Banjo und die Stimmbänder. Folksongs wie auch Instrumentals wurden mit großem Können vorgetragen und man hätte beinahe vergessen können, dass es sich um eine Schweizer Band handelte.

Leider hatte ich noch mehr als drei Stunden Rückfahrt vor mir und konnte nach dem Konzert nicht mehr mit den Musikern sprechen. Ich fand auch keinerlei Informationen im Internet und kann daher nicht allen Musikern die verdiente Referenz erweisen.

Winterthur hat an diesem Abend bewiesen, dass es über eine ausgezeichnete Musikszene verfügt, die internationale Vergleiche nicht zu fürchten braucht.

Northern Folk Night im Kraftfeld in Winterthur, 16. September 2005