AKTUELL

Oktober 2005

Nachwuchsabend im Cobbler's Irish Pub/Germering mit The Ruby Sea, Adas und den Irish Wings

Das war ein mutiges Unterfangen: drei Nachwuchsgruppen aus dem Germeringer Umland präsentierten die Veranstalter der Celtic Concerts am 22. Oktober im großen Saal des Schusterhäusls.

Und so wurde es naturgemäß auch ein langer, ein sehr langer Abend. Aber es wurde ein Abend, der dem Publikum gute Unterhaltung bot. Manches war im Rahmen der Celtic Concerts neu und ungewohnt, anderes hatte man auch schon mal gehört und vor allem gestaltete sich er Abend - von den Veranstaltern nicht in dieser Weise vorgesehen - interaktiv abenteuerlich und zu einer Mut- und Ausdauerprobe für die Akteure des Abends.

Schuld daran war ein Defekt im Kabeldschungel der Technik, der immer wieder heftige Störgeräusche verursachte und leider nicht abzustellen war. Hochachtung vor den MusikerInnen und SängerInnen der Gruppen ADAS und IRISH WINGS, die diese Störgeräusche mit bewundernswerter und professioneller Ruhe hinnahmen und ihr jeweiliges Programm mehr oder weniger gelassen vorstellten.

Für mich persönlich war die erste Gruppe des Abends die interessanteste Neuentdeckung: THE RUBY SEA.
The Ruby Sea live beim Oberbayern Celtic-Nachwuchs-Festival im Cobbler's Irish Pub am 22.10.05

Die etwa 3 Jahre alte Band, die zwar etwas aus dem Rahmen fiel und dies auch sofort zu Beginn eindeutig klar machte: "Wir spielen keine Irish Folk..." bot für mich persönlich mit einer mitreißenden Performance den überzeugendsten Auftritt des Abends.

Die Musik der Gruppe ist irgendwo zwischen Bob Dylan (der mehrmals von ihnen zitiert wurde), Grundge und dem neuen amerikanischen "Western Desert-Sound" à la Giant Sand. Folkthemen über soziale Ungerechtigkeiten, Gefühle und Liebe werden engagiert vorgetragen und musikalisch mit einem Mix aus electric Folk und psychedelic Gitarren untermalt, die dem Cover der aktuellen Mini-CD von THE RUBY SEA durchaus gerecht werden. Der "lonesome Cowboy" auf dem originell und selbstgestalteten Cover findet sich auf seinem Ritt durch die sengend heiße Wüste zur nächsten mexikanischen Bordertown in der staubigen Musik wieder, die die 4 Musiker der Gruppe auf der Bühne präsentieren.

Eugen Kern-Emden (vocals, guitar), Erwin Zißelsberger (guitar, harmonica, vocals), Karin Geißler (drums) und Philipp Bach (bass) befinden sich nach eigener Aussage noch immer und immer wieder auf der Suche nach "ihrer Musik", zeigen aber heute schon mit ihrem Repertoire deutlich Profil und haben vor allem den Mut, eine Musik zu spielen, die nicht eindeutig einzuordnen ist, die anderseits jedoch sehr professionell und mit einer Attitüde des "angry young man" überzeugend dargeboten wird.

THE RUBY SEA im Internet: www.therubysea.com


Nach der ersten Umbaupause war die Reihe an der überwiegend weiblichen Gruppe ADAS, ihr spanisch-keltisch inspiriertes Repertoire mystisch angehauchten Mittelalter Folks dem zahlreich anwesenden Publikum im Cobbler's Irish Pub vorzustellen.ADAS, 6 junge Mädchen mit Miltellalter Folk und männlicher Verstärkung aus Spanien


Die pittoresk präsentierte Formation um die beiden Musikerinnen/Sängerinnen Angelika und Stefania Voigt wurde 2000 gegründet und leitet ihren Namen ADAS aus
Spanischen her, was „Feen“ bedeutet .

Dieser Name prägt denn auch das musikalische Repertoire und die Performance der Gruppe.
Mit gehauchten, geheimnis-voll manirierten Ansagen werden Elfen märchen aus Irland und Spanien angekündigt, die dann mit einem Irisch-spanischen Instrumentarium und interes-santen Arrangements präsentiert werden..

Leider hatte das Konzert der mutigen 6 Musikerinnen, verstärkt durch 2 spanische Freunde an der Percussion stark unter den technischen Problemen des Abends zu leiden. Immer wieder wurden die Versuchen von ADAS, eine geheimnisvolle und feendurchschwebte Atmosphäre im Saal heraufzubeschwören, von den gewitterartigen Aus- und Überfällen diverser Kabel und Mikrophone verhindert.

Musikalisch hat mich der Auftritt von ADAS an diesem Abend nicht völlig überzeugt. Die teilweise sehr komplexen und ausgefeilten Arrangements im Zusammenspiel so vieler MusikerInnen bzw. Instrumente sind noch nicht wirklich ausgereift und bei ihrer Bühnepräsentation kleben die beiden Frontfrauen Stefania und Angelika für meinen (zugegebener massen persönlichen) Geschmack noch etwas zu sehr an der Vorgabe, möglich feenhaft und mystisch aufzutreten.
Der Impetus ist jedoch klar und der erkennbaren Vorbilder in der aktuellen europäischen Mittelalter-Szene sind viele, von Faun bis L'Ham de Foc.

Die Gruppe birgt auf jeden Fall großes Potential und wenn frau sich von allzu starken Fixierungen auf Äußerlichkeiten befreit, um sich locker auf die Musik zu konzentrieren, dann hören wir vielleicht schon im kommenden Jahr eine deutlich entwickelte Gruppe ADAS in München oder Umgebung wieder. Sehr positiv wirkte die Mitwirkung der beiden spanischen Gäste an der Percussion, die im Hintergrund sicher ihre Akzente setzten.

ADAS im Internet: www.adas-cuento.de


Lange mußten die IRISH WINGS aus Fürstenfeldbruck an diesem Abend ausharren, bis sie dann endlich um 23.00 Uhr auf die Bühne konnten.

Heinz Sammer (guitar, vocals), der Gründer der Gruppe, Bianca Bodler (vocals, bodhràn), Bruno Stein (keltische Harfe, tin whistle, flutes, mandola, bouzouki, bodhràn), Ingrid Scheurer (Querflöte, tin whistle, vocals) und die neue Fiddlerin Angie sind bereits seit vielen Jahren als Laiengruppe im Landkreis und in München zu sehen und zu hören.

Nach diversen Umbesetzungen und der etwas länger dauernden Suche nach einer neuen "Geige" nach dem Weggang von Jürgen Keil, präsentierte sich die Gruppe nun mit der neuen Fiddlerin Angie Gilgenreiner, die man ohne Zweifel als großen Gewinn bezeichnen kann.

Mit ihrem sicheren und schnellen Spiel bereichert sie das Repertoire der Band, setzt interessante Akzente und kann vor allem im gefühlvollen Zusammenspiel mit Ingrid Scheurer an den Flöten überzeugen. Die IRISH WINGS (1989 gegründet) sehen sich nach wie vor als Hobby-Gruppe, bieten dafür allerdings mittlerweile ein interessantes und abwechslungsreiches keltisches Repertoire, das von der Bretagne bis nach Schottland reicht und Balladen ebenso wie Jigs und Reels enthält.

Ebenso wie ADAS wurde leider auch der Auftritt der IRSH WINGS von heftigen Nebengeräuschen der widrigen Technik bis zum Schluß des Abends verstört, aber es lassen sich doch eine ganze Reihe Eindrücke festmachen.

Dass die Gruppe die Musik nach wie vor als Hobby betreibt läßt sich am ehesten an den diversen Harmonieproblemen im Zusammenspiel beobachten. Die Arrangements sind ausgearbeitet und vor allem der Multiinstrumentalist Bruno setzte mit den unterschiedlichsten Instrument auf seinem etwas riskanten Sitzplatz links aussen immer wieder interessante und markante Akzente.

Die Frontfrau Bianca versucht sich an einem breiten Repertoire keltischer Songs, bei denen sie sich und die Gruppe oftmals am bodhràn begleitet und auch der Gründer der Gruppe, Heinz Sammer, und die Flötistin Ingrid Scheurer hatten einige wenige Gesangsparts.

Der Sound der Gruppe klingt nach wie vor ein wenig "retro", was vor allem am mit zu viel Hall versetzen Klang der etwas zu lauten Gitarre von Heinz Sammer lag. Hier wäre vielleicht etwas weniger mehr. Eine trockenere, dezenter gespielte Gitarre mit mehr Varianten im Spiel würde dem Sound der IRISH WINGS wahrscheinlich ein zeitgemäßeres Gewand verpassen.


Ein großes, großes Lob den Veranstaltern vom Cobbler's Irish Pub, die sich mit diesem Oberbayern Celtic Festival-Abend um den lokalen Nachwuchs verdient gemacht haben und ich würde mir wünschen, dass sie sich nicht von den Schwierigkeiten dieses ersten Abends entmutigen lassen. Es wäre wünschenswert, dass Veranstaltungen wie diese den jungen Bands aus der Region regelmäßig die Möglichkeit bieten, sich auf der Bühne zu präsentieren und sich Kontakt mit dem Publikum ihre Performance zu entwickeln.

Ein weiteres großes Lob dem Publikum des Abends, das den Saal bis auf den letzten Platz ausfüllte und trotz des sehr ungewohnten und gemischten Programms, trotz der widrigen klimatischen Verhältnisse im Saal und trotz all der technischen Probleme bis zum Schluss mit viel Begeisterung bei der Sache war und die jungen Nachwuchsbands mit herzlichen Applaus bedachte.

Bericht/Photos: W. Rodrian © 2005


weitere Termine der Celtic Concerts 2005/2006

10.11.05: Karan Casey & Band (Irland - 18,00 €)

26.11.05: Alistair Hulett (Schottland - 9,00 €)

17.12.05: J.-M.Veillon & J.McMenemy (Bretagne - 13,00 €)

24.01.2006: Battlefield Band (Schottland - 18,00 €)

18.02.2006: Blue Stone (12,00 €)

11.03.2006: Kieran Halpin & Anth Kaley (12,00 €)

25.03.2006: Konzert wird noch bekanntgegeben

29.04.2006: More Maids (Deutschland - 16,00 €)

29.04. 2006: The McCalmans (Schottland - 17,00 €)

Nachwuchsabend im Cobbler's Irish Pub/Germering mit The Ruby Sea, Adas und den Irish Wings