AKTUELL

Februar 2006

Liebeserklärung an das Akkordeon

Régis Huiban, das Akkordeon in der Bretagne

Seit meinen Jugendjahren hatte ich immer eine sehr abweisende Haltung zur Ziehharmonika. Sie stand für mich immer für populäre Volks- und Schlagermusik ohne musikalischen Anspruch, bekannt aus Karl Moiks Samstagabendprogramm. Auf meiner Reise durch die musikalischen Welten der Rock- und Popmusik in den späten 70ern und den frühen 80ern hatte ich keine Berührungspunkte, ebenso bei der Klassik, die von der Mitte der 70er bis heute meinen Geschmack prägte. Als ich Mitte der 80er den Jazz entdeckte kam es erst recht nicht zu einem Sinneswandel. Erst als ich begann mich mit traditioneller Musik zu befassen, stieß ich immer wieder auf den Klang dieses typisch folkloristischen Instruments.

Erst die Meister des schottisch, irischen Folk, wie Donald Shaw (Capercaillie) und Sharon Shannon brachten mich dazu genauer hinzuhören. Das Akkordeon präsentierte sich in einem neuen Licht; ein Instrument mit vielen Klangfacetten und einem riesigen Potential. Dann sah ich im November 2004 Stefan Schwieterts Dokumentation “Accordion Tribe”, ein Film über ein Akkordeon Quintett mit dem sehbehinderten österreichischen Autodidakten Otto Lechner, Finnlands bedeutendster Akkordeonistin Maria Kalaniemi, dem schwedischen Tastenzauberer Lars Hollmer, dem slowenischen Virtuosen Bratko Bibic und seinem in Amerika lebenden Landsmann Guy Klucevsek.

Maria Kalianemi

Ich habe mich seither immer wieder mit Akkordeonmusik beschäftigt und einige CDs erstanden, nicht nur von den bereits erwähnten Mitgliedern des Akkordion Tribe und den bekannten Koryphäen des keltischen Folks, sondern auch Werke von der in Deutschland lebenden Französin Lydie Auvrey oder dem russischen Akkordeon Spieler Mychailo Dmitrischin.

Meine letzte Errungenschaft ist von Maria Kalaniemi, Ahma. Ein musikalisches Meisterwerk, bei dem sich die zauberhaften Klänge des 5-reihigen Knopfakkordeons mit einer abwechslungsreichen musikalischen Besetzung vermählen. Das Zusammenspiel mit Piano, Geige, Kontrabass, Mandoline und Gitarre ist atemberaubend und eine Anzahl ausgezeichneter Gastmusiker perfektioniert die tollen Arrangements. Geigen, Cello, Viola, Gesang und Schlagzeug ergänzen den Sound ebenso wie Saxophon, Trompete, Klarinette und Posaune. Vor einem Jahr habe ich Otto Lechner ganz alleine in Zürich spielen gehört und dabei entdeckt, dass das Akkordeon, wenn von einem Meister gespielt, auch ohne Begleitung einen Abend füllen kann.

Dabei reicht das Spektrum von Rock- und Popmusik, über Folk, Klassik und Jazz bis hin zu Liedermachern. Ich habe die Toccata von J. S. Bach ebenso auf dem Akkordeon gehört, wie Pink Floyds Brain Damage und manche Stücke auf Ahma sind purer Jazz.

Maria Kalianemi: AhmaHeute frage ich mich wie es möglich war, dass ich während Jahrzehnten nie auf dieses so vielfältige Instrument gestoßen bin. Es ist in allen Musikstilen, die ich im Laufe meines Lebens gehört und geliebt habe, vertreten und lässt auch heute wieder meine Liebe zu Jazz, Klassik oder Rockmusik aufflackern. Wer neugierig geworden ist kann in eine der CDs vom Accordion Tribe oder seiner Mitglieder hineinhören. Sie sollten in guten Läden aufliegen oder sonst findet man hier www.hoedown.com/ weitere Informationen.

Adolf “gorhand” Goriup