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April 2006

Die Deutschland-Tournée 2006 des Duos Jean-Michel Veillon & Jamie McMenemy (März 2006)

Mit dem Duo Jean-Michel Veillon & Jamie McMenemy konnte die deutsche Agentur TraTuTrad im vergangenen März eine der ausgereiftesten Formationen der bretonischen Szene in Deutschland präsentieren.

Die beiden Musiker waren in den frühen 80er-Jahren an der Gründung der legendären bretonischen Folkband KORNOG beteiligt und gehören seit dieser Zeit zur Crême der bretonischen Musikszene. Auch in Deutschland durchaus bekannte Gruppen wie BARZAZ und PENNOÙ SKOULM wurden u.a. durch das einzigartige Flötenspiel von J.-M. Veillon geprägt. Überhaupt war es J.-M. Veillon, der die hölzerne irische Querflöte Ende der 70er-Jahre in der traditionellen bretonischen Musik einführte. Mittlerweile gehört er zu den Virtuosen auf diesem Instrument, hat eine ganze Generation von Flötisten in der Bretagne ausgebildet und inspiriert und begibt sich nicht selten nach Irland, um dort Workshops für dieses Instrument anzubieten.
Fest-Noz in Stuttgart mit J.-M. Veillon und J. McMenemy

Jamie McMenemy (Bouzouki, Gesang), Ex-Battlefield Band, der seit Anfang der 70er-Jahre in der Bretagne lebt, spielt seit der Jahrhundertwende wieder mit seinem Kollegen aus "alten Zeiten" zusammen - seit es im Jahr 2000 zur Reunion der Gruppe KORNOG kam.

Besucher der Konzerte des Duos kommen in der Regel in den Genuß eines exquisit zusammengestellten Repertoires, das viele Tunes aus dem Programm von Kornog präsentiert sowie diverse Arrangements von Jean-Michel Veillon und einige schottische Songs, vorgetragen auf unnachahmliche Weise von Jamie Mcmenemy.

Die Deutschland-Tournée 2006 begann mit einem gut besuchten und betanztem Fest-Noz in Stuttgart, veranstaltet vom dortigen Balhaus e.V. am 22. März 2006 und die beiden Musiker waren mehr als erstaunt zu erleben, wie sich im Saal der Waldorfschule eine enorme Menge begeisterter und fachkundiger TänzerInnen einfand, um problemlos zu allen bretonischen Rhythmen zu tanzen... von der Gavotte bis zum Plinn machte es den zahlreich angereisten Teilnehmern scheinbar keine Mühe, vielmehr Spaß, endlich einmal wieder zu original bretonischer Musik zu tanzen.

Fest-Noz in der Stuttgarter WaldorfschuleNatürlich fanden sich neben vielen begeisterten Fans (wie üblich) auch sofort die in der Region ansässigen irischen Musiker (in dem Fall von der Gruppe Bachelor's Walk) ein und so kam es am folgenden Abend, der noch nicht verplant war, zu einer Session in der "Alten Schule" in Stuttgart.

Absolut erwähnenswert auch der herzliche Empfang bei den Stuttgarter Fans und Veranstaltern, die sich 2 lange Tage lang in äußerst liebenswerter Gastfreundschaft um die beiden Musiker kümmerten.

Nichts desto trotz ging es dann 24. März weiter in Richtung Schweiz, wo das Kulturrestaurant Traube den nächsten Auftritt des Duos vorbereitet hatte. Auch dort wurde den Musikern ein warmer Empfang zuteil (nicht zuletzt von den angereisten schweizer Iren !). Da es das einzige akustische Konzert im Rahmen der diesjährigen Tournée war, kamen die Besucher in den Genuss einer ganz besonderen Darbietung. Vor allem die klangfreundliche Holzarchitektur des Veranstaltungssaales im ersten Stock des alten Hofes ließ die Melodien und Lieder des Duos besonders gut zur Geltung kommen.
J.-M. Veillon & J. McMenemy im Kulturrestaurant Traube, Ottikon, Schweiz

Unser Korrespondent Adolf Goriup, der eigens zu diesem Konzert von Bern nach Ottikon in der Nähe von Zürich gekommen war, hat zugesagt, in Kürze einen eigenen Bericht zu diesem Konzert zu verfassen, den ich mit großer Freude demnächst in unserem Online-Magazin veröffentlichen werde.

Von der Schweiz ging es dann am nächsten Morgen mit einigen staubedingten Verzögerungen vorbei am Bodensee in Richtung München weiter, wo am darauffolgenden Abend im Cobbler's Irish Pub in Germering das nächste Konzert angekündigt war.

Das Cobbler's Irish Pub in Germering bei München ist bereits seit vielen Jahren mit der Konzertreihe "The Celtic Concerts" ein absoluter In-Platz, wo Kenner und Liebhaber irischer und schottischer Musik sich regelmässig einfinden um ein celtic-music-Programm mitzuerleben, das in der Umgebung von München seinesgleichen sucht. Hier treten regelmässig Spitzeninterpreten und -Bands auf wie die Battlefield Band, Karan Casey & Friends, die McCalmans, Robin Laing u.v.a.m.
Bretonische Musik findet man hier auch, wenn auch bislang nur selten. Nun war es aber soweit und nach den Bleizi Ruz, gaben nun Jean-Michel Veillon & Jamie McMenemy am 25. März endlich ihr Konzertdebut an diesem legendären Veranstaltungsort.

Und bei dieser Gelegenheit bewahrheitete sich erneut das Prinzip: "gutes Publikum treibt Musiker zu Höchstleistung"! Als Organisator der Tour, als Freund und Begleiter der beiden Musiker, die ich schon seit vielen Jahren kenne, bleibt mir im Nachhinein nur zu sagen: das war das beste und mitreissendste Konzert, das ich bisher mit diesen beiden Musikern erlebt habe.

das Duo Veillon & McMenemy im Cobbler's Irish Pub in Germering bei MünchenTatsächlich wurden die beiden von der Begeisterung und dem heftigen Applaus des Publikums, das während des gesamten Konzertes voll konzentriert bei der Sache war, selber mitgerissen und spielten sich zunehmend in Stimmung. Ungeachtet einer leichten Halsentzündung spielte Jean-Michel Veillon seine diversen hölzernen Querflöten mit großer Hingabe und einer Perfektion, die ihresgleichen sucht. Jamie Mcmenemy wurde nicht minder dazu angetrieben, seine Bouzouki solange und heftig zu bearbeiten, bis die Saiten in Fetzen herabhingen.

Und nach dem Konzert, das erst nach mehreren Zugaben endete, ergab sich noch eine sehr lange Sessionnacht im Pub ein paar Stufen tiefer im Keller.

Gedankt sei an dieser Stelle noch einmal den Veranstaltern und Organisatoren der "Celtic Concerts", Peter und Matsch, die wie schon seit vielen Jahren auch diese Veranstaltung durch ihr großartiges und nicht profit-orientiertes Engagement ermöglichten und zu einem Highlight der Tour 2006 werden liessen !

Das Konzert am Dresdner SocietaetstheaterWas konnte jetzt noch folgen, nach so einem fulminantem Auftritt ? Ein mindesten genauso perfektes Konzert im Dresdner Societaetstheater am 26. März.
Nach einer fast noch winterlichen Reise durch Bayerns Norden bis ins Herz der Sächsischen Schweiz nach Dresden, kamen die Musiker in den erholsamen Genuss eines professionellen Bühnentheaters, das mit Techniker und großangelegter Technik inklusive Lightshow aufwarten konnte.

Auch dass J. McMenemy mittlerweile unter einer leichten Erkältung zu leiden hatte, brachte die beiden Vollprofis nicht davon ab, erneut ein musikalisch perfektes Konzert zu geben, das nur deswegen ein wenig langsam in Fahrt kam, da das Dresdner Publikum nicht ganz so kelten- und sprachkundig war. So dauerte es eine Weile, bis Künstler und Publikum die Kommunikation miteinander hergestellt hatte. Dafür war der Applaus zum Schluss hin umso wärmer und bei fortgeschrittener Stunde mussten sich die Musiker den Aufrufen zu einer weiteren Zugabe entziehen unter dem Hinweis, dass sie im Restaurant sonst nichts Warmes mehr zu essen bekämen.

Dort wurde dann in angenehmer Gesellschaft gemeinsam mit Mme Dumasy vom Institut français in Dresden, welches das Konzert dankenswerterweise mitveranstaltet hatte und dem neuen Präsidenten der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V. ( www.sachsen-bretagne.de ) und Mitglied des Deutsch-Französischen Kulturrates (seit 1995), Prof.Dr. Ingo Kolboom der letzte gemeinsame Abend gefeiert, bevor die beiden Musiker am nächsten Morgen ihren Zug Richtung Frankreich bestiegen.

Und so geriet dann dieser Abend zu einem wunderschönen Abschluß der kurzen, aber bei Publikum und Veranstaltern sehr erfolgreichen Deutschland/Schweiz-Tournee 2006.

In der Dresdner Presse war in der Woche nach dem Konzert zu lesen:

Bericht und Photos: W. Rodrian (04/2006)