AKTUELL

Juni 2006

3ème Nuit Glazig in Quimper, 13. Mai 2006

20 Jahre Dremmwel, die 'Nuit Glazig' N° 3 in Qiumper
20 Jahre Dremmwel, die 'Nuit Glazig' N° 3 in Qiumper (v.l.n.r.): René Marchand, Dominique Le Guichaoua, Daniel Cadiou, Marin Lhopiteau

Bereits zum dritten Mal veranstalteten die Musiker der Gruppe Dremmwel aus Quimper die "Nuit Glazig". Anlass waren diesmal das 20-jährigen Bühnejubiläum der Gruppe Dremmwel (breton.: Horizont) und die Präsentation des dritten Albums Lañs. Wie schon die vorherigen "weissen Nächte" fand auch die Nummer 3 im Festsaal Chapeau-Rouge in Qiumper statt, dessen Tage aus baulichen Gründen angeblich gezählt sind.
Die Mitglieder der Gruppe, die bretonische Musik auf höchstem Niveau bietet, obwohl sich die Musiker auch nach 20 Jahren immer noch nicht als Berufsmusiker sehen, sind: Daniel Cadiou (Gitarre), Dominique Le Guichaoua (diaton. Akkordeon, Biniou), Marin Lhopiteau (keltische Harfe, Geige), René Marchand (Bombarde, Tin Whistle, Veuze) und Eric Savina (Schlagzeug, Percussion).
Eigeladen waren Freunde und Kollegen, welche die Gruppe in den vergangenen zwei Jahrzehnten begleitet haben.

Gleich zu Beginn spielte das lokale Bagad Kerne, in klassischer Besetzung zum Tanz auf: Highlandpipes, Bombardes und Percussion beschallten den großen Festsaal akustisch und weckten die Lebens- und Tanzgeister der ersten anwesenden Gäste gegen 21.00 Uhr.
Schnell bildeten sich die ersten Tanzkreise und Ketten, um Gavottes, An dros und Ridées zu tanzen. Aufgrund der hervorragenden Akustik konnten sich die 20 Musiker des Bagad problemlos im Saal direkt unter die TänzerInnen mischen.

erste TänzerInnen , die zur Musik des Bagad Kerne die typischen bretonischen Kreistänze tanzen
Safar nennt sich das Duo, das mit Gitarre und keltischer Harfe danach zum Tanz aufspielte
Das Bagad Kerne ließ es akustisch krachen und konnte den ersten Applaus einheimsen
Bernard Le Breton und Jean Pierre Hélias im traditionellen Duo auf alten Fässer, ein Bild, dass man eigenlich nur noch auf alten Postkarten findet
Diaouled Ar Menez, eine der Gruppen der ersten Stunde der 70er Jahre... sie leben noch und sie spielen noch !
...auch Nicolas Gonidec war dabei und berichtete für www.antourtan.com über die 3. Nuit Galzig

Danach ging es so weiter wie es bei bretonischen Tanzfesten, den Festòu-Noz, üblich ist, indem sich die verschiedenen Interpreten und Gruppen abwechselten: nach "Safar", dem Duo Ewen Raballand (Gitarre) und Mael Lhopiteau (dem Sohn von Marin Lhopiteau, ebenfalls keltische Harfe), dem es mit reiner Saitenmusik problemlos gelang, den Saal zum Tanzen zu bringenspielten auf der großen Bühne die Senioren der bretonischen Musikszene, die Gruppe Diaouled Ar Menez, eine der großen musikalischen Legenden der aufregenden 70er-Jahre.
Die Arrangements der "Bergteufel" um M. Favennec und J.-Y. Le Corre haben immer etwas ganz Spezielles mit ihrer leicht rétro klingenden Musik. Während die große Bühne für den Auftritt der Gruppe Dremmwel präpariert wurde, hatten sich im Saal mit Bombarde & Binioù bereits Brenard Le Breton (binioù) und Jean Pierre Hélias (bombarde) auf großen Holzfässern in Positoin gebracht, um den Tanz auf historische Weise, à l'ancienne ohne jede Verstärkung zu animieren. Kraft der Power, die Bombarde und der bretonische Dudelsack "binioù" entfalten, gelang ihnen das auch ohne Probleme.

Danach dann der von allen erwartete Auftritt von Dremmwel, die vorwiegend Stücke von ihrer neuen CD Lañs vorstellten. Das Album enthält, neben vielen zeitgenössisch arrangierten traditionellen Tänzen und Melodien, auch mehrere Eigenkompositionen. Auf der Bühne gesellten sich immer wieder Musiker zu Dremmwel, welche die Gruppe im Laufe der vergangenen 20 Jahre auf ihrem Weg begleitet haben. Nach gut drei Stunden erreichte die 3. Nuit Glazik ihren Höhepunkt, der die wogende Menge der Tanzenden zu absoluten Höchstleistungen anspornte und spätestens bei einer der flott galoppierenden Suites plinn blieb kein Hemd mehr trocken. Unter dem lautstarken Jubel der mitfeiernden Freunde und Gäste verließen die glücklichen Musiker der Gruppe erst spät nach Mitternacht die Bühne.

Dremmwel und Gäste feierten den Abend und ihre 20 Jahre auf der Bühne
...und auch die vielen 100 Gäste und Freunde im Saal feierten und tanzten...
René Marchand (bombarde) und Dominique Le Giuchaoua (Akkordeon) in Trance
Dremmwel sur scène
...und René blies aus vollen Backen...
Marin Lhopiteau an der keltischen Harfe...
und Ericc Savina hinter seinem Schlagzeug
Dominique Le Giuchauoua (Gesang) und Daniel Cadiou (Gitarre)

Die Pause bis zum Auftritt des mittlerweile als "Elektro-Shamanen" bekannten Musikers Pascal Lamour überbrückten sich zwei weitere traditionelle Paare, in der Bretagne generell "couples" genannt. Louise Ebrel, die Tochter der letzten der legendären Soeurs Goadeg, und ihr Partner Ifig Flatrès, die beide den bretonischen Tanzgesang "kann ha diskan" perfekt beherrschen sowie das Duo Jean-Philippe Mauras (Querflöte) und Jean-Marc Lesieur (Bouzouki).
Es folgte Pascal Lamours mit großer Spannung erwarteter erster Fest-Noz-Auftritt. Bisher war er immer in einem eher konzertanten Rahmen aufgetreten und er war selber sehr gespannt darauf, wie die Tänzer in Quimper seine elektronisch bearbeiteten Tänze aus der südlichen Bretagne auf- und annehmen würden.
Bühne frei für den großen Magier der neuen bretonischen Musik zwischen Tradition und Moderne. Pascal Lamour erzeugt mit einem ausgefeilten Mix aus elektronischen Rhythmen, Bombarde und Percussion (Murad Aït Abdelmalek) eine ganz eigene, neue Variante der bretonischen Musik, die "transe bretonne" (bretonische Trance). Als Überraschungsgast gesellte sich Dédé Le Meut, der Chef der bekannten Pipeband Bagad Roñsed Mor de Lokoal-Mendon, zu den beiden.
Die eifrigen und begeisterten Tänzer im Saal, die bis gegen 1.20 Uhr ausharrten waren dann auch der lebendige Beweis für den Erfolg dieser ganz speziellen "lamouresken" Variante der bretonischen Tanzmusik und es gelang ein letztes Mal, den Saal zu so später Stunde noch einmal zum Toben zu bringen.

Die 'grande dame' und ihr junger compère: Louise Ebrel & Ifig Flatrès singen 'kan ha diskan'
Autogrammstunde mit Eric, Dominique und Louise
Der 'Electro-Shamane' Pascal Lamour
Pascal und die 'transe bretonne'

Aufnahmen und Text: Willi Rodrian, 2006