AKTUELL

Januar 2007

Die Welt ist keltisch - Das viel umjubelte Konzert von Carlos Nunez in Nürnberg

Nürnberg – 25. Januar 2007 - 20 Uhr – Kleine Meistersingerhalle – Gong zum Dritten

Nur wohlwollend geschätzte 300 Menschen verlieren sich im wie immer gediegen bestuhlten Saal. Hier also soll gleich das Konzert des galizischen Kelten, des Königs des Dudelsacks, Carlos Nunez über die Bühne gehen. Kaum zu glauben – das letzte mal sah ich ihn am gleichen Ort im Rahmen des Irish Folk Festival zusammen mit Solas und Anderen. Damals war die Halle gut gefüllt, das Konzert begeisternd, und was kommt jetzt?? Abwarten

Carlos Nunez & Band in Nürnberg

Carlos Nunez kommt mit seiner Band auf die Bühne. Mit dabei sind wieder sein Bruder Xurxo an Schlagzeug, Bodhrán und ein bisschen Synthiesound, Pancho Alvarez an der Irish Bouzouki (auch er mit ein wenig technischer Unterstützung) und die Geigerin Paloma Trigaz.

Schnell wird klar: Die haben keine Angst vor halb leeren Sälen. Carlos Nunez begrüßt launig die „small family“ und los geht´s auf keltische Weltreise. Sie beginnt, na klar, in Galizien und führt, wen wundert`s, in die Bretagne. Hier sind auch schon die ersten zaghaften „Mitstampfer“ und „Klatscher“ zu hören. Weiter geht`s nach Brasilien(!), das, wie uns Carlos Nunez glauben macht, ebenfalls keltisch inspiriert ist. Mit einem Fandango treffen sich das südliche Andalusien und das nördliche Galizien. Nach einem Ausflug nach Irland ist dann auch schon Pause.

Carlos Nunez & Band: internationale 'keltische' Musik vom feinsten

Nach der Pause laufen sich die Vier so richtig warm. Maurice Ravel, der Franzose in Spanien war natürlich auch ein verkappter Kelte und schon wird der Bolero mit Dudelsack und Blockflöte neu interpretiert. Es folgt die Filmmusik zum oskarprämierten „Das Meer in mir“ (jawohl die ist von Carlos Nunez). Und weiter geht die Reise, diesmal nach Kuba. Der Vater von Fidel Castro war Galizier, und – richtig – auch die Musik dort ist keltisch beeinflusst.

Zu all dem weiss Carlos Nunez immer eine kleine Geschichte, so z.B. die vom japanischen Manga-Anime, der vom europäischen Mittelalter handelt und mit japanisch-keltischer Musik unterlegt ist. Es folgt ein Stück aus diesem Film getragen von Okarina, Sakuhachi und Blockflöte.

Kettentänze und 'Héritage des Celtes'

Nach so viel Exotik nähert sich das Programm dem Grande Finale. Xurxo Nunez darf ein Percussionsolo auf einem Flightcase spielen, in dem vermutlich normalerweise sein Drumset untergebracht ist und anschließend zeigt Carlos dem Publikum wie man bretonisch tanzt. Von da an hält es niemanden mehr auf dem Sitz. Der Saal tobt und kocht. Lange Ketten bilden sich zum Ringelreihn und keiner setzt sich mehr hin, erst recht nicht als „Aires de Pontevedra“ aus dem „Heritage des Celtes“ Projekt von Dan Ar Braz als krönender Abschluss erklingt.

Carlos Nunez' erfolgreicher Auftritt in Nürnberg

Beeindruckend mit welch rasender Geschwindigkeit, nie zu Lasten des Ausdrucks und mit unglaublicher Dynamik Carlos Nunez seine Tunes beherrscht, mit welcher Bühnenpräsenz er mit dem Dudelsack auf der Bühne wie ein Torrero um den Stier schleicht, um dann im nächsten Moment wie Torro selbst mit dem Fuß stampfend und scharrend zu explodieren. Das alles unterstützt von drei Spitzenmusikern, die auf den Punkt genau spielen. Einzig die Fiddlerin Paloma Trigaz bleibt ein wenig blass.

Zwei Zugaben noch, dann ist endgültig Schluss. Möge es weiterhin so mutige Konzertveranstalter geben die sich trauen, solche Nischenkünstler zu präsentieren. Die, die da waren haben es garantiert gedankt und nicht bereut.

Detlef Menzke