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Augustl 2007

Erfolg mit Hindernissen – Das Konzert von Alan Stivell am Nürnberger Bardentreffen 2007

Die Legende kehrt nach Deutschland zurück : Alan Stivell beim Bardentreffen 2007 in Nürnberg

Freitag Abend 21 15 - Nichts deutet darauf hin mit welchen Turbulenzen Alan Stivell zu kämpfen hatte, bis er indlich in Nürnberg war. Es gibt eben nichts, was es nicht gibt:

Das gecharterte Flugzeug war zu klein,(!) um die keltische Harfe zu transportieren. Schließlich kann man ein so empfindliches Instrument nicht einfach im Gepäckraum verstauen und bei Minustemperaturen mehrer tausend Meter über der Erde mal eben nach Nürnberg fliegen. Also, größeres Flugzeug genommen und in München gelandet. Dazwischen noch ein Streit zwischen dem peinlich kleinlichen Veranstalter und Marie-Jo (Stivells Ehefrau und Managerin) um ein Essen am Münchner Airport und dann per Kleinbustransfer nach München.

Alan Stivell in Nürnberg am 27.Juli 2007

Jetzt aber steht er da am Bühnenrand, begrüßt sein Publikum, das er gleich ordentlich mit neuem Material fordern wird. Er könnte es sich ja auch einfach machen. Einfach ein Best-of-Programm spielen – der Applaus wäre ihm sicher. Doch der „Erfinder“ des Celtic-Rock erfindet sich immer wieder neu. Unzählige Scheiben haben das in den letzten 35 Jahren bewiesen. So  verließ er die ausgetretenen Pfade des Celtic-Rock in den 80ern um sich zum New-Age-Gesäusel hinzuwenden und jahrelang Zuckerbäckermusik abzuliefern.

Zur Mitte der 90er war er wieder da. Zunächst mit einer fulminanten Live-Compilation, seiner Celtic-Rock-Phase, „Again“ genannt, neu aufgenommen mit vielen Größen der Folk-Rock-Szene, von Shane MacGowan von den Pogues bis zu Kate Bush. Es folgte „Brian Borou“ dessen Titelsong auch in Nürnberg im Programm war.

Mit „1 Douar“ kam dann Ende der 90er ein Weltmusikalbum, bis sich der Kreis dann mit „Back to Breizh“ 2000 schloss. Was sollte dann noch kommen? Nun mit „Au-delà des Mots“ kam dann 2002 ein pures Harpe-Celtique-Album bevor dann 2006  mit „explore“ die nächste Phase, diesmal mit Anklängen von Techno-Sounds und HipHop-Elementen eingeläutet wurde.
Genau dieses sich immer wieder selbst erfinden unterscheidet Alan Stivell von den anderern Heroen seiner Zeit wie Tri Yann , die sich heute immer noch in der Bretagne tummeln und ihre alten Hits mal mit Sinfonieorchester, mal mit neuer Bühnenshow präsentieren, aber keine echte Entwicklung mehr machen.

Die keltische Harfe par excellence : Alan Stivell

So war denn das Nürnberger Konzert ein Querschnitt durch die verschiedenen Epochen der Stivell'schen Karriere.

Auffallend war, dass Stivell im Line up diesmal sowohl auf Bass, als auch auf Gitarre verzichtet hatte. Dieses Rezept ging nicht immer auf. Der Bass der Harfe, schlecht abgemischt von Alans eigenen Mischer, verbreitete sich schwabbelig, dumpf und zu laut und auch die Duelle zwischen Harfe und Gitarre wurden schmerzhaft vermisst. Dafür konnte ein echter DJ - Sébastien Guerive - mit einem sogenannten Sonic-Sampler, der schon auf „explore“ zum Einsatz kam, glänzen. Komplettiert wurde die Band von Schlagzeug (Marc Camus), Keyboards (Guillaume Saint-James), und Flöte/Percussion (Arnaud Ciapollino).

So kam denn bei den ersten, für das Publikum unbekannten Stücken aus „explore“ kaum Stimmung auf. Erst bei „Brian Borou“ sprang ein kleiner Funke über. Das lag vor allem am Tausendsassa an den Flöten und Trommeln, der seine Instrumente in Perfektion im Griff hatte.
Gewagt, gewagt, kann man da nur sagen, wenn es mit zwei weiteren Songs aus „explore“ weitergeht um dann das unentschlossene Publikum mit zwei Stücken aus „Au-delà des Mots“ solo zu verzaubern. Danach ging die Dynamikkurve endgültig nach oben. Mit dem Finale der „Symphonie Celtique“ wurde der Schlussspurt eingeläutet. Jetzt kamen sie , die alten Kracher im neuen Gewand: „Suite armoricaine“, "pop plinn“.

Alan Stivell & Band in Nürnberg 2007
Nun ja, ein Dudelsack vom Sampler ist auch meine Sache nicht (vielleicht war das Flugzeug auch für eine echte Highlandpipe zu klein) und wenn dann noch die Distortion der Harfe Aussetzer hat, ist das auch kein Genuss. Aber das tat der guten Stimmung auch keinen Abbruch mehr. Alan Stivell kam immer öfter an den Bühnenrand und dirigierte beim vermeintlichen Schlusspunkt, dem unverwüstlichen „Tri Martolod“ sein Publikum, das für fränkische Verhältnisse inzwischen richtig aus sich heraus ging. Dann sollte eigentlich Schluss sein, aber zu zwei Zugaben reichte es dann doch noch.

Schließlich verabschiedete sich Alan Stivell mit freundlichem Winken und einem Strahlen im Gesicht – ihm hat´s gefallen, mir auch.

Text : Detlef Menzke
Photos : Willi Rodrian & Detlef Menzke

Hier noch einige weitere Aufnahmen vom Konzert

Der Barde vom Ende der Welt : Alan Stivell

Alan Stivell

Kenavo Deutschland...

Alan Stivell : Autogrammstunde an der Bühne