AKTUELL

November 2007

Festival de la danse Bretonne et de la Saint Loup Guingamp , 2007

Ein Bericht von Heike und Hans Kahl aus Bad Oldesloe (www.bretagne.ja-woll.de)

Wenn man an folkloristische Musikveranstaltungen in der Bretagne denkt fällt einem meist sofort das Festival Interceltique in Lorient ein. In den Sommermonaten, von Juli bis September bietet die Bretagne aber eine Vielzahl an Veranstaltungen der keltischen Musik und Tanzszene, so auch das „Festival de la danse bretonne et de la Saint Loup“ in der kleinen Stadt Guingamp. Eine ganze Woche lang wird einem jedes Jahr ein sehr umfangreiches und hochkarätiges internationales Programm geboten, unter anderem waren das in diesem Jahr:

Bagad de Pommerit Le Vicomte, Pipe Band de Saint Brieuc, Banda Gaïtas Conceyu de Llangreau (Asturien), Pipe Band The Methil and District (Schottland), Banda Gaïtas Zuncurrundullo (Galizien), Bagad Gwengamp, Cercle de Paimpol, Bagad de Plouha, Baile traditionnal Espertyu (Asturien), Cercle de Tressignaux, Cercle de Saint Nicolas du Pélem, Cercle de Dinan, Cercle de Rostrenen, Cercle de Quintin, Cercle de Guingamp

Insgesamt waren über 2500 Musiker, Tänzer und Artisten zu bewundern.

Eindrücke

Es ist schon recht lustig mitzuerleben wie auf dem Place du Vallly in Guingamp mit einem mal ein paar Busse auftauchen. Kaum sind die Türen aufgegangen, springen seltsam gewandete Menschen heraus, kramen kurz in den Ladeluken der Busse herum und beginnen dann sofort auf Ihren Instrumenten herumzututen oder zu trommeln. Nach kurzer Zeit beginnen die unterschiedlichsten Töne, die sich noch etwas schräg anhören, zusammenzuwachsen, die Musiker, noch über den Platz verteilt, beginnen sich zu sammeln und zu formatieren. Spätestens jetzt hat die Gänsehaut auf unserer Haut den Höhepunkt erreicht. Wie von Geisterhand setzen sich die Bagads Richtung Innenstadt in Marsch, gesäumt von den zahlreichen Zuschauern, die sich neugierig am Straßenrand versammelt haben. Der Weg führt in die nahe Innenstadt wo der Umzug seinen Höhepunkt erreicht. Vor den zahlreichen Kneipen und Cafes bleiben die Bagads stehen, blasen noch einmal in die Dudelsäcke und Bombarden und die Trommeln werden zum Finale herausgefordert, um dann schnell in den Häusern zu verschwinden, wo das Fest dann weiter geht.

Umzug und Auftritt der Tanzgruppen und Bagads

Der Mittwoch ist einer der Höhepunkte der Woche, an dem 20 Tanzgruppen und Bagads von dem Place du Vally zum Jardin Public zu marschieren. Ein bunter Trupp an Musikern und Tänzern schlängelt sich durch die von Zuschauern dicht besäumten Straßen. Hier ist es nicht mit einer Gänsehaut getan, es werden bei dem Anblick und dem Hörgenuss die Augen recht glasig, so dass das fotografieren schwer fällt.  

Anschließend, nach dem sich die ganze Masse im Jardin Public breit gemacht hat, teils vor der Bühne, teils an den zahlreichen Ständen, an denen es leckere bretonisch Spezialitäten zu essen und zu trinken gibt, beginnt das Spectacle Folklorique, bei dem 14 Gruppen auftreten und bis in die späte Nacht hinein musiziert und getanzt wird.  

An den einzelnen Wochentagen treten Abends bekannte Gruppen und Musiker der keltischen Musikszene auf, wie dieses Jahr: Kevrenn Alré Bagad et Cercle, Eostiged ar Stangala, Suzana Seivane mit der Bagad Kemper, Sud ar su, Red Cardell, EV, The Battlefield Band, Trio Ronan Le Bars, Alan Stivell, Banda de Gaïtas, Fia Na Roca, Karan Casey, Altan, Katé Mé, Tri Yann (als Ersatz für den leider erkrankten Angelo Branduardi). Die Musikrichtung reicht also von streng traditionell bis hin zum bretonischen Rock.

Red Cardell

Der Abend des 13 August beginnt mit der bekannten Gruppe Red Cardell.

Die im Jahr 1992 von Jean-Pierre Riou (Gitarre, Bombarde, Gesang) und dem Accordeonisten Jean-Michel Moal gegründete Gruppe besticht mit ihren sehr dynamischen Stücken, die stets eine bretonische Grundbasis halten, aber virtuose und weltoffene Essenzen bieten.

EV

Wesentlich rockiger geht es bei der bretonischen Gruppe EV zu. Die vier EV’er präsentieren ihren recht heftigen bretonischen Rock sehr angenehm mit den traditionellen Elementen.

Trio Ronan Le Bars, Nicolas Quemener und Ciaran Tourish

In der bretonischen Musikszene sind zumindest Ronan Le Bars und Nicolas Quemener keine Unbekannten, so haben die Beiden zum Beispiel Gilles Servat begleitet. Ciaran Tourish dürfte den Fans der irischen Gruppe Altan bekannt sein. Um es treffender zu sagen, sie gehören alle zu den Spitzenmusikern der keltischen Folkszene. Im Gegensatz zu EV, die bretonischen Rock spielen, begeistert das Trio mit ruhigen Folkweisen das Publikum. Ronan Le Bars entlockt den Uilleann Pipes den entsprechenden Grundstil, der von der Gitarre Nicolas Quemeners unterstützt wird. Das ganze wird durch die Fidel von Ciaran Tourish abgerundet und entfaltet sich als Ganzes zu einem zauberhaften Folkgenuss.

Alan Stivell

Der wohl bekannteste bretonische Musiker, Alan Stivell stellte mit seinem Auftritt wohl den Höhepunkt der Konzerte des Festivals. Leider hatte er nicht so viel Glück, denn heftiger Wind und Regen zwangen die Veranstalter aus Sicherheitsgründen den Auftritt in die Halle Kergrois zu verlegen, schade, denn seinem Harfenspiel unter freiem Himmel in dem bezaubernden Jardin Public zu lauschen wäre kaum noch zu Toppen.

In der Hauptsache spielte Alan Stücke aus seiner neuen CD Explore. Den Experimenten gewöhnten bretonischen Zuhörern gefallen Alans musikalische Reisen in die Moderne, sie gingen von dem ersten Stück an mit, und steigerten sich, über das Zusammenspiel mit der Bagad Gwengamp, bis zum Schluss, als Alan mit der Zugabe Tri Martolot herausrücken musste. Ohne den Ohrwurm wäre in der Halle sicher ein Tumult ausgebrochen.  

Katé Mé

Die Gruppe Katé Mé zeichnet sich durch die fantastische Stimme des Sängers und Bandbegründers Sylvain Girault aus. Seine klare Stimme, gibt den Kan Ha Diskan vortrefflich wieder, aber in modernem Gewand, die jeden DJ erstaunen lassen wird. Genau so präsentiert sich der experimentelle Rahmen dieser Musikrichtung. Die Hip Hop Elemente zum Beispiel, werden nicht von Platte erzeugt, sondern stammen aus der Kehle Sylvain Girault. Besonders interessant ist diese Kombination mit Biniou und Bombarde.

Tri Yann

Als Ersatz für den leider erkrankten Angelo Branduardi wurde kurzfristig ein Konzert mit Tri Yann organisiert. Seit vielen Jahrzehnten spielt die Gruppe aus Nantes an der Spitze der bretonischen Musikszene. Hier in Guingamp jedoch schien Ihr toll inszenierter Bühnenauftritt nicht so gut anzukommen, es waren zwar sehr viele Fans gekommen, aber die Stimmung brach nicht so recht durch. Den drei Yann’s fehlte an diesem Abend irgendwie der pepp.


Weblink: www.dansebretonne.com/

Text und Photos: Hans & Heike Kahl (www.bretagne.ja-woll.de)