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Januar 2008

Das Cécile Corbel Trio im “Cobbler's Irish Pub” am 08.12.2007 

Ohne Navi hätten wir uns schwer getan. Wie praktisch diese kleinen Dinger sind, konnte unser Navigationsgerät auf dem Weg zum „Cobbler´s Irish Pub“ beweisen. Schusterhäusl 1 in der großen Kreisstadt Germering ist die Adresse, aber plötzlich führte uns das Navi hinaus aus der Stadt, über Wiesen und Felder bis zu einem einsamen Waldgasthof ca. 5 km ausserhalb von Germering. Hier also, zwischen Kuhweiden und sanften Hügeln sollte das Konzert einer bretonischen Harfenistin statt finden. Kaum zu glauben, dass sich jemand hierher verirrt.das Cécile Corbel Trio im Cobbler's Irish Pub

Wie man sich doch täuschen kann. Der Irish Pub befindet sich im Keller des Anwesens. Das Konzert fand aber in einem typisch bayerischen Festsaal, der sicherlich mehr Hochzeiten als keltische Konzerte gesehen hat, im Erdgeschoss statt. Auf der Bühne das Equipment des Trios um Cécile Corbel. Im Zentrum die keltische Harfe. Schlicht und doch elegant wartet sie auf ihren Einsatz, links und rechts flankiert von Gitarre und Bass, alles verstärkt durch eine kleine, aber feine Tonanlage. Über der Bühne prangt ein Hirschgeweih, flankiert von getrockneten Ähren und Plastikefeu. Der Saal ist gut gefüllt, was keine Besonderheit für das „Cobbler´s“ ist, wie man uns versichert. Man stärkt sich noch mit Wildbraten mit Semmelknödeln und Guiness vom Fass, dann geht´s los:

Pünktlich um 20 Uhr betritt Cécile Corbel die Bühne. Empfangen von freundlichem Applaus hüllt sie den Saal sofort in eine mystische Atmosphäre. Einfühlsam begleitet von Cyril Maurin (Gitarren) und Pascal Boucaud (Bass) schlägt sie das Publikum vom ersten Ton an feengleich in ihren Bann. Ja, sie könnte wirklich aus einem Roman Tolkiens oder direkt aus dem Zauberwald Broceliande stammen, solch einen betörenden Zauber verströmt die rothaarige Elfe. Fast erinnert sie, die junge bretonische Bardin der neuen Generation, an die junge Kate Bush, allerdings mit einem wärmeren Timbre, oder Loreena McKennit, allerdings nicht ganz so kräftig. Cecile nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Reise, die in Israel (!) beginnt, in der Bretagne und in Irland Station macht, über einen bretonischen Walzer und zwei türkischen Tanzstücken in den Orient entführt um dann vor der Pause wieder in der Bretagne zu enden. Cécile Corbel, beeindruckend an der keltischen Harfe

Glasklar der Sound, glockenhell die Stimme, nuanciert und filigran das Gitarrespiel, einzig der Bass ist doch arg unauffällig. Deshalb stellt sich schon die Frage, ob ein Verzicht auf den Bass und dafür die Präsenz eines Percussionisten nicht die bessere Wahl gewesen wäre, zumal bei den rhythmischeren Stücken die Percussion schon stark vermisst wurde. Der Bass der Harfe hätte bestimmt auch ausgereicht.
Doch will ich nicht zu viel Wasser in den Wein gießen, schreibe ich doch über ein Konzert dass mich außerordentlich begeistert hat und dass ich sofort wieder besuchen würde.

Der Auftakt zur zweiten Konzerthälfte findet in Schottland in einem Schloss im Nebel statt und ist der Beginn eines fulminanten musikalischen Feuerwerks. „I wish“ aus dem „Songbook 1“ geht über in ein fulminantes Solo, ihm folgt ein alter Stivell-Song und eine Robert-Burns- Vertonung, bis es schließlich zum Grande-Finale mit „She moved through the fair“ kommt.
Gerade dieses Irish Traditional, das schon so Viele interpretiert haben, von den Chieftains über Van Morrison bis hin zu Alan Stivell und unzähligen weiteren Songgrößen steht für die Innovationsfreudigkeit von Cécile Corbel. Aufgepeppt durch einen arabisch angehauchten Rhythmus und Elemente einer orientalischen Tonleiter, erfindet sie diesen eigentlich ausgelutschten Song neu und gibt ihm einen völlig neuen, feurigen Charakter.

Wie schreibt doch Cécile Corbel auf ihrer Website www.cecile-corbel.com in ihrem Tagebuch über das Konzert:
„Ich glaube, wir haben ein gutes Konzert gegeben, denn das Publikum wollte uns nicht gehen lassen.“

das Cécile Corbel Trio

Genau so war es. Die Zugaben waren gespielt, das Repertoire aufgebraucht, die CD´s ausverkauft (!) und die jungen Künstler und das begeisterte Publikum glücklich und zufrieden. Schön, dass es der Agentur „Tradutrad“ gelungen ist, Cécile Corbel für den Herbst 2008 erneut nach Deutschland zu holen. Dies wird inzwischen auch auf Ceciles Homepage angekündigt. Wer weiß, vielleicht ist dann auch der von mir vermisste Percussionist dabei.

Text: Detlef Menzke I Photos: W. Rodrian