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Juli 2008

7. Festival Celtique in Corbeyrier  – Danse avec le loup, 20/21. Juni 2008

von Adolf „gorhand“ Goriup

Bereits vor 4 Jahren war ich dem Heulen des Wolfes gefolgt und war über Schwindel erregende Strassen in das Waadtländer Bergdorf Corbeyrier gefahren. Alle zwei Jahre nimmt der Wolf seine Fiddle aus dem Schrank und ladet zum Tanz, 2006 hatte ich das Spektakel leider versäumt. Lautstark verbreitete der Wolf dieses Jahr das atemberaubende Programm und zumindest einen Abend war es mir möglich seinem Ruf zu folgen und einzutauchen in die faszinierende Welt der Kelten… 

In den Nächten vor dem Festival glaubte ich Namen aus dem Geheul herauszuhören: Gilles Le Bigot, Skolvan, Cecil Corbel, Plantec und vor allem Session A9…mit aller Kraft versuchte ich mich frei zu machen, um dieses Wahnsinnsprogramm miterleben zu können. Leider war es am Freitag Abend unmöglich; wichtige Termine verhinderten, dass ich den Abend mit Arkan (einheimische irisch-bretonische Musik), Lark und Stout (zwei Schweizer Irish Folk Gruppen), Gerry O’Connor und Gilles Le Bigot (no comment), Toss (duo franco-irlandais) und Skolvan (…) verbringen konnte.
Doch endlich war es am Samstag so weit, dass auch ich mein Tanzbein mit dem Wolf schwingen konnte. Es begann am Nachmittag mit einigen Übungsstunden in irischen und bretonischen Tänzen, einigen Glas Cidre und einem köstlichen Crèpe. Das Wetter war prächtig und ich genoss danach einen Spaziergang durchs Festivalgelände. Es gab viel zu sehen: prächtig gekleidete Damen und wilde Recken, bewaffnet und geschmückt, Stände mit allerlei Tand und Preziosen, eine gallische Kochstelle, einen Waffenschmied, Töpfer und noch vieles mehr.

Als dann um 18:00 Uhr die französische Band Weasel die Bühne betrat, waren meine Sinne von den Düften und Eindrücken bereits leicht benebelt, hierzu trug selbstverständlich auch der Met bei. Doch die tollen Rhythmen und wunderschönen Balladen vertrieben bald die Trägheit und ich genoss das Schau- und Hörspiel in vollen Zügen. Doch dies sollte erst der Anfang sein… Nach einer kurzen Pause betrat Cecil Corbel mit ihrer Band die Bühne. Bald hatte sie das Publikum mit ihrer Musik verzaubert und ich vergaß all die schnöde Realität und wiegte mich im Takte der Musik. Nun brach langsam die Nacht herein und der Wolf fletschte seine Zähne…Session A9 brachten den Festival- Platz zum Kochen. Hier blieb keine Stirn trocken,  der Schweiß floss auf der Bühne ebenso wie im Publikum. Drei Meister-Fiddler, ein großartiger Schlagzeuger, ein virtuoser Gitarrist und ein hervorragender Pianist sorgten für atemberaubenden Sound und überschäumende Stimmung. Als um Mitternacht Plantec zum Fest-Noz riefen, gab es wohl kaum noch jemand im Publikum, der noch nicht in die Haut des Wolfes geschlüpft war um das gemeinsame Fest gebührend zu feiern.

Irgendwann in den frühen Morgenstunden, den Stunden des Wolfes, verlies ich diesen mystisch-schönen Ort und kehrte widerwillig zurück in das 21. Jahrhundert. Noch heute denke ich gerne zurück an diesen wunderschönen Tag voller Musik, geistiger und leiblicher Genüsse und das Gefühl dem Alltag ein Schnippchen geschlagen zu haben…

Weasel (Photo: A.Goriup)
Cécile Corbel (Photo: A.Goriup)
McAlpine (Photo: A.Goriup)
SessionA9 (Photo: A.Goriup)
Plantec (Photo: A.Goriup)
 

Internet: www.festival-corbeyrier.ch