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November 2001
München tanzt: Fest-Noz mit BLEIZI RUZ in Pasing .... Interview mit Eric Liorzou (... et en francais)

Bleizi Ruz en concert... auf geht's ! Das hatten sich die Veran-
stalter dieses Pasinger Fest Noz gar nicht zu erhoffen gewagt. Das erste vom neugegründeten Münchner Bal Folk e.V. veranstaltete Fest Noz mit der bretonischen Gruppe BLEIZI RUZ war ein voller Erfolg.

"Hoffentlich kommen genug Leute, damit wir die Unkosten wieder reinkriegen..!" Wie sich schon sehr bald herausstellte, war das überhaupt kein Problem. Irgendwann habe ich noch mitbekommen, daß man an der Abendkasse mindestens 150 Karten verkauft hatte...: "Jetzt gehen uns dann entweder die Karten aus, oder der Saal wird zu klein."

Wie auch immer, dieser Abend war ein voller Erfolg. Und das zu recht. Bleizi Ruz in der neuen Besetzung, das ist ein Abend, den man nicht versäumen sollte.
Es dauerte ein bißchen, bis die Gruppe sich so richtig warmgespielt hatte, aber dann ging's ab. Wie in der Bretagne: mit Tanzansage, die das Publikum mehr oder weniger verstand, aber dafür mit bester moderner Fest Noz-Musik.

Und München hatte schon lange nicht mehr so viele kundige und vergnügte (bretonische) TänzerInnen gesehen...(wann waren Tri Yann zum letzten Mal hier ?). Die tanzende Menge zumindest hatte überhaupt keine Anlaufschwierigkeiten.

Fest noz in München, ein seltener Anblick

Und als die Gruppe dann recht bald sichtliches Vergnügen an diesem Abend hatte, da war auch für die Musikfans einiges geboten. Die neue besetzung mit jungen Musikern hat auch die Musik erfrischt. Ein interessante und spannende Mischung aus traditioneller Musik, Jazz und Rock bieten BLEIZI RUZ mittlerweile.
Eric Liorzou, Gitarre und Gesang und Gael Nicol, binioù im musikalischen Zwiegespräch Bei den Arrangements kann man deutlich den Einfluß von Gael NICOL, der früher bei den legendären AR RE YAOUANK das "binioù", den bretonischen Dudelsack blies, heraushören.

Spannungsgeladen, witzig und dynamisch. Mehrmals lieferten sich Eric LOIRZOU und Gael NICOL an Gitarre und binioù spannende Duette nach der Art des "kan ha diskan"

Gerade Gael NICOL war mit viel Charme und Dynamik sehr präsent auf der Bühne und es war eine ware Freude für mich ihn nach so langer Zeit (seit der Auflösung von AR RE YAOUANK) wieder auf der Bühne live erleben zu können.

Gael Nicol an binoù und bombarde, mit Charme und viel Ausdruck
Aber auch die anderen neuen und jungen Mitglieder der Gruppe machten an diesem Abend einen hervorragenden Eindruck - musikalisch, und "très sympha" sind sie sowieso alle miteinander.

Und so können wir hier in München nur hoffen, daß der Erfolg dieses Abends die Veranstalter des Bal Folk e.V. dazu ermutigt, in Zukunft öfters bretonische Live-Musik nach München zu holen.

In einem kurzen Interview vor Beginn des Konzertes hatte ich die Gelegenheit, dem letzten verbleibenen Gründungsmitglied der Gruppe ein paar Fragen zu stellen. Dieses Interview können Sie im Anschluß lesen.

Mehr über BLEIZI RUZ finden Sie hier.

...und einen Kurzbericht zum Abschlußkonzert der Deutschlandtournee in Germering am 24.11.01 können Sie hier nachlesen

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Eric Liorzou, das letzte verbleibende Gründungsmitglied der Gruppe Interview mit Eric Liorzou / Bleizi Ruz
16.11.2001, Pasinger Fabrik

Was waren die Gründe für die Umbesetzung der Gruppe ?

Olala, das wird schwer zu erklären sein, all die Gründe dafürů Ich glaube ganz einfach, daß einige der früheren Mitglieder keine Lust mehr hatten, dauernd auf Tournee zu sein und sie wollten musikalisch auch mal was anderes machen.
Sie machen jetzt immer noch Musik, woanders, manchmal auch mit uns - aber sie wollten mal eine kleine Pause einlegen, was das herumreisen angeht, sie wollten wieder öfters in der Bretagne spielen. Also habe ich junge Musiker gesucht, die mit auf Tournee gehen wollten, die zum Teil gerade dabei sind, diese Art Musik kennenzulernen.

Neue Besetzung, neuer Stil ?

Klar, die Musiker kommen ja auch aus ganz unterschiedlichen musikalischen Bereichen: mit dem Sopransaxophon klingt das Ganze schon ein bißchen nach Jazz, aber es paßt auch ziemlich gut zur traditionellen Musik. Nachdem der Saxophonist und der Bassist vom Jazz her kommen, spielen wir jetzt auch ein bißchen mehr Jazz, aber wir mischen das, unsere Musik, das ist so eine Mischung aus traditioneller Musik und Jazz, und natürlich auch ein bißchen Rock.
Das ist zur Zeit in der Bretagne sehr verbreitet - das gibt es ziemlich oft.

Christian Sarrau am Saxophon, der Jazz-Faktor Wie oft wart ihr schon in Deutschland auf Tournee ?

Ich weiß nicht so genau, das erste Mal, da sind wir 1979 mit der "Celtic Tour" nach Deutschland gekommen. Damals waren wir zusammen mit irischen Gruppen hier, das war nicht das "Irish Folk Festival", sondern die "Celtic Tour". Und seitdem sind wir immer wieder hierher gekommen, fast jedes Jahr - gut nicht immer jedes Jahr, aber doch fast jedes Jahr.

Dabei waren wir nicht immer unbedingt in Norddeutschland. Wir haben auch schon öfters in München gespielt. Wir sind heute nicht zum ersten Mal hier, im Gegenteil. Ich erinnere mich zwar nicht mehr so genau an die Plätze... - das erste Mal hier in München, das war im Schwabinger Bräu, damals mit der "Celtic Tour".
An die anderen Veranstaltungsorte kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, aber in München haben wir schon öfters gespielt. Es ist also nicht das erste Mal, wir sind auch schon in der Gegend von Stuttgart aufgetreten, in Regensburg, in Ulm... und so weiter.

In München bekommen wir nicht oft bretonische Musiker zu sehen und zu hören. Höchstens mal die bekannteren... Pennoù Skoulm, Tri Yann natürlich und auch Alan Stivell war schon hier...

Ja, das stimmt. Nicht viele Gruppen treten in Deutschland auf. Ich weiß auch nicht genau, warum das so ist. Pennoù Skoulm, wir - ich glaube, das war's dann auch schon. Vielleicht liegt es ja an den Konzertveranstaltern ?

Mikael Seznec am Baß Die bretonische Musik ist auch nicht ganz so bekannt wie die irische oder die schottische Musik. Vielleicht liegt es daran, daß sie nicht ganz so leicht verdaulich ist? Auf jeden Fall ist sie anders, aber ich weiß die Antwort darauf auch nicht, weshalb sie hier nicht so populär ist.

Wieviele Konzerte werdet ihr auf dieser Deutschland-Tournee spielen ?

Heute, das ist das erste Konzert. Morgen sind wir dann in Erlangen, danach in Marburg, in Holland und dann gibt es noch ein weiteres Konzert in der Umgebung von München, im Cobbler's in Germering.
Das ist ein ganz netter Platz, ich habe da gerade erst vor einem Monat zusammen mit einem Engländer gespielt. Das war total nett dort in Germering.

Wie geht's denn eurer homepage (bleizi-ruz.com)? Bis jetzt funktionniert sie ja noch nicht.

Noch nicht, aber sie wird sehr bald funktionnieren ! Eigentlich bis zum Ende des Jahres. Es ist schon alles fertig.

Wie sind denn eure Erfahrungen mit dem deutschen Publikum ?

Eric Liorzou Das hängt vor allem davon ab, wo wir in Deutschland spielen. Wir haben schon viel im Südosten gespielt, in der Gegend von Ludwigshafen, bei Karlsruhe, in der Grenzregion im Südosten. Dort gibt es viele Leute, die tanzen.

Sie kennen die bretonischen Tänze gut, sie verbringen die Ferien in der Bretagne, dort besuchen sie Tanzkurse und bei den Konzerten können sie ihre Ferienerinnerungen dann auffrischen. So ist das eigentlich überall in Deutschland.

Vielen Dank für das Interview. Das kann man bald bei www.breizh.de nachlesen, mit den Photos vom Konzert und hören kann man es später auch bei Radio LORA im Folkfenster. Den link zu eurer homepage gibt's dann auch bei www.breizh.de.

Hervorragend ! Das werde ich mir dann auch anschauen. Und wie sagt man hier ? Tschüss !


(Interview und Übersetzung: W.Rodrian, 2001)

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