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November 2002
"CONTES ET CONTEURS DE BRETAGNE" Eine Tagung in Loudéac und das 4. Festival du conte

Le Conte et les conteurs de Bretagne. Grand colloque à Loudéac Den meisten Trends liegen ursprünglich Insiderveranstaltungen oder "Geheimtips" zugrunde. Irgendwann einmal kommt dann ein Moment, in dem die betreffenden Ereignisse bei einem größeren Publikum auf Interesse stoßen.

Diesen Vorgang kann man seit einiger Zeit auch in der Bretagne beobachten. Nachdem es in den 80er und 90er Jahren vor allem die traditionelle Musik, die bretonische Sprache an sich und das bretonischsprachige Theater waren, die ein reges Interesse verzeichnen konnten, so sind es seit einiger immer häufiger "veillées, contes et légèndes", die auf immer mehr Besucher anziehen.

Unter "veillées" sind dabei sogenannte "bunte Abende" zu verstehen, bei denen sich in einem bislang eher lokalen Rahmen Publikum und Künstler aller Art zusammenfinden, um in einem intimen Rahmen Geschichten, Witze und Anektdoten zu erzählen, Lieder und Musik vorzutragen und gelegentlich auch gemeinsam zu tanzen.
Diese "veillées" haben etwas vom gemütlichen Kaminabend und finden vorwiegend auch im Herbst und Winter statt.
SängerInnen und MusikerInnen nutzen diesen intimen Rahmen gerne, um neue Kompositionen und Interpretationen vor einem bekannten Publikum auszuprobieren, bevor sie die Stücke in ihr "offizielles" Programm aufnehmen.
Die zunehmende Bekanntheit der "veillées" - beinahe schon als "revival" zu bezeichnen - ist nicht zuletzt den Aktivitäten von Dastum Bro Dreger und dessen jungem Präsidenten Julien Cornic zu verdanken. Er und sein Team waren es, die in den vergangenen Jahren viel Energie darauf verwendet haben, diese Veranstaltungen im Trégor im Norden der Bretagne (Côtes-d'Armor) zu einem festen Bestandteil des regionalen Veranstaltungskalenders zu machen.

Bei einem Interview mit Julien Cornic im Sommer 2002 hat er uns noch mehr dazu erzählt. Das Interview können Sie demnächst bei www.breizh.de nachlesen.

Bei Veranstaltungen, die mit "contes et légèndes" angekündigt werden, trifft man in der Regel auf ein oder zwei ErzählerInnen, die auf französisch oder auch auf bretonisch Märchen, Sagen und natürlich lokale oder regionale Legenden und überlieferte Geschichten zum Besten geben. In ganz Frankreich haben derartige Abende mit entsprechenden regionalen Bezügen mittlerweile ein festes Publikum und nicht selten wird bei diesen Veranstaltungen auch ein gemischtes Programm zusammengestellt, bei dem sich ErzählerInnen und musikalische Darbietungen abwechseln und ergänzen.

Um der wachsende Bedeutung dieser Veranstaltungen gerecht zu werden ("Le conte est en train de vivre une explosion similaire à celle suscitée par Stivell pour la musique.") hat die Abteilung "Orale Literatur" des renommierten Institut Culturel de Bretagne am vergangenen Samstag, dem 23. November 2002 in Loudéac eine Tagung zu diesem Thema veranstaltet.

Im Vordergrund standen dabei nicht die erzählerischen Inhalte, sondern die Praxis des Erzählens. Im Rahmen der folgenden Veranstaltungen wurde das Thema in all seinen Facetten betrachtet und diskutiert:

  • "Les métiers de conteur aujourd'hui et sa complexité"
  • "Le cadre juridique d'exercie du métier"
  • "Le conte, outil de tansmission de la musique, de la langue et de l'éducation"
  • "Revalorisation de la proatique du conte - la veillée"


  • Eine Ausstellung zum Thema sowie eine Bücherschau sowie die Vorstellung eines Jahrbuches "Les conteurs de Bretagne" (Conteurs en breton, en fançais, en gallo, amateurs et professionnels) vervollständigten die Veranstaltung.

    Die Tagung wurde mit einer "veillée" beendet, bei der der große bretonische Erzähler Alan LE GOFF die Praxis des Erzählens demonstrierte. Musikalisch wurde er von SängerInnen wie Louise EBREL, Albert POULAIN und anderen begleitet.


    Wer Erzähler und Erzählerinnen gerne live erleben möchte, der hatte und hat noch bis zum kommenden Wochenende in der Bretagne dazu Gelegenheit - und zwar bei IV. FESTIVAL DU CONTE im Norden der Bretagne.

    Von der Insel Molène bis hinunter zur Halbinsel Plougastel-Daoulas finden dort vom 28. November bis zum 7. Dezember knapp 100 Veranstaltungen zum Thema statt.

    Gut 30 ErzählerInnen aus der Bretagne und aus Afrika präsentieren dann ihre Kunst.

    Das komplette Programm können Sie bei www.bretagne.com nachlesen.

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