AKTUELL

Dezember 2002
Das Konzert von Karan Casey am 19. November im Cobbler's Irish Pub in Germering

Karan Casey live im Cobbler's Irish Pub in Germering: für mich das Konzert Highlight des Jahres Karan CASEY live im Cobbler's Irish Pub, das war für mich mehr als einfach nur ein Konzert.

Ich kannte nur die beiden Solas-CDs, bei denen sie mitgewirkt hatte und dann noch ihr Album "The winds begin to sing". Daß Karan Casey wohl zu dem besten gehört, was die traditionelle irische Szene derzeit zu bieten hat, das konnte ich da schon heraushören, und die Kritiken sowohl zu Solas als auch zu Karan Casey waren recht eindeutig.

Aber selbst heute noch, beim Schreiben dieses Berichtes, gut drei Wochen nach dem Konzert, kann ich ohne irgendwelche Abstriche schreiben, daß dieser Auftritt für mich eines der absoluten Highlights der Konzertsaison 2002 war.

Als ich Karan Casey kurz vor ihrem Auftritt fragen ging, ob es in Ordnung sei, wenn ich während dem Konzert ein paar Aufnahmen für diesen Bericht mache, hätte ich sie fast nicht gefunden. Unscheinbar saß sie hinten an einem Tisch mit Kind und Partner beim Abendessen.

Diese Unauffälligkeit verwandelte sich bald in eine intensive Bühnenpräsenz. Intensiv, aber gleichzeitig dezent und bar jeglicher Attituden.
Niall Vallely, Karan Casey und Robbie Overson, das perfekte line-up im Cobbler's am 19. Oktober 2002
Und das kam gut an beim Publikum im Cobbler's Irish Pub. Die Chemie stimmte sofot und der Kontakt zwischen Karan Casey und dem zahlreich angereisten Publikum ergab sich rasch und zwanglos.
Karan Casey, eine unvergleichliche Stimme, die da in einer eher unscheinbaren kleinen Person schummert
Robbie Overson, ein 1.Klasse-Gitarrist, der genau weiß, seine Gitarre und seine Virtuosität richtig einzusetzen























Und es zeigte sich ebenso rasch, was für ein perfekt aufeinander eingespieltes und virtuoses Trio hier auf der Bühne stand.
Robbie Overson an der Gitarre, das ist ein "Gitarrero", der in allen Genres zuhause und mit allen Wassern gewaschen ist. Rockige Riffs, jazzige Passagen, die an Jango Reinhardt erinnerten und einfühlsames, perfektes Begleitspiel, das Karans unvergleichliche Stimme immer richtig zur Geltung brachte.
Niall vallely, egal ob Concertina oder tin whistle...immer perfekt und virtuos wie seine beiden Mitmusiker
Auf der anderen Seite Niall Vallely mit Concertina und tin whistle, der vor allem auf der kleinen und nach nichts aussehenden Concertina ein Feuerwerk an Ton- und Rhythmusfolgen entfachte und das Publikum damit in seinen Bann zog.

Wie gesagt, Karan Casey kam ohne große Attituden auf die Bühne, sagte kurz hallo und begann ohne weitere Umstände einen Konzertabend, der den anwesenden ZuhörerInnen sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Mit ihrer Stimme, der man anhört, daß sie von klein an in allen Sparten geübt und ausgebildet wurde, nimmt sie Raum, sie ist von einer schier unglaublichen Variationsbreite und verzaubert das Publikum.

Egal was sie anstimmt, schnelle rhythmische Titel oder auch die sehr gefühlvollen langsamen Stücke... alles kommt perfekt rüber. Und für mich verging die Zeit wie im Flug. Nach drei oder 4 Titeln verläßt sie ganz einfach die Bühne, geht nach hinten und überläßt das Publikum ihren beiden musikalischen Gefährten.
Und die beiden nutzen die Gelegenheit, um zu zeigen, was sie - auch ohne Stimme in ihrer Mitte - draufhaben. drei Stücke geben sie zum Besten. Mit Gitarre, Concertina und tin whistle und sie spielen, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre.
Niall Vallely und Robbie Overson als Duo -ein rundum perfektes Duo!

Sie schließen mit einem Reel, der wie ein Feuerwerk im Festsaal des Schusterhäusls explodiert.
Dann, als ob nichts gewesen wäre, gesellt sich Karan Casey wieder zu ihnen auf die Bühne und singt weiter - mit einer Stimme, die mühelos die kompliziertesten Tremolos und Verziehrungen meistert als das eigentlich gar nichts besonderes wäre...

Zwei Stücke noch - und schon ist es Zeit für die übliche Pause, zum Luft holen, zum Guinness odern und um sich begeistert Luft zu machen über diesen sensationellen Auftritt.

Peter beim CD-Verkauf in der Pause - der Laden brummt und alles ist paletti !
Auch hier wieder alles ganz anders als sonst... Die meisten anderen Musiker präsentieren sich in dieser Künstler- und CD-selling-Pause gerne und ungehemmt. Zum Anfassen eben. Ganz anders Karan Casey. Sie läßt sich kaum blicken. Schaut wahrscheinlich mal nach ihrer Tochter, die oben mit ihrem Babysitter auf das Ende des Auftrittes wartet und läßt sich nur kurz blicken, als die CDs ausgehen.

Sympatisch eben, rundum sympatisch und ohne irgendwelche Starallüren. Klar kann man auch mal ein paar Worte mit ihr wechseln. Und mir tut es sehr leid, daß ich an diesem Abend mein Aufnahmegerät nicht dabei hatte. Das wäre sicher ein sehr interessantes Interview geworden. Keine CDs mehr da, kein Problem. Einen Karton haben wir da schon noch
Nach der Pause geht es genauso überzeugend weiter. Mit "Eppie Morrie" beispielsweise, einem Song von ihrer letzten CD "The winds begin to sing". Das swingt und hat viel Gefühl.
Niall spielt dazu auf der Concertina, daß einem die Luft wegbleibt. Seine Finger flitzen mit einer unglaublichen Schnelligkeit über die "Knöpfchen" und trällern die Verzierungen wie auf einer tin whistle.

Auch Robbie Overson ("my daughter's first and best friend") auf der Gitarre, der immer mal wieder ein kleines Solo rausspielt, ist absolut sehens- und hörenswert. Oft rockig und dynamisch, dann aber auch irgendwo zwischen klassischer Gitarre und Jazz mit genialen Variationen über ein kurzes Thema und mit einer starken linken Hand, die die Seiten voll im Griff hat. Robbie Overson an der Gitarre...
und Niall Vallely an der tiefen tin whistle


















Und je später der Abend wird, desto mehr zeigen die drei, daß sie auch den unterhaltsam-moderierenden Part durchaus beherrschen.
Sie witzeln über die lange (und gute) Zeit, die sie nun schon in Deutschland auf Tournee verbringen. Demnächst geht's dann zurück nach Hause, aber mittlerweile haben sie eine eigene homepage, so Robbie Overson...: "we've got a homepage... it's www.lost-in-germany.de...."

Auch ein Solo singt Karan gleich nach der Pause. "On This Bright Winter's Day" und danach zeigt sie , daß man ihr nicht zu Unrecht nachsagt, daß sie eine der irischen Künstlerinnen mit politische und sozialer Aussage ist. Ebenso wie Andy Irvine in seinem vorhergehenden Konzert im Cobbler's singt auch Karan Casey den Woody Guthrie-Song "Pastures of Plenty", der die sozialen Verhältnisse der Landarbeiter im historischen Amerika des vergangenen Jahrhunderts kritisiert.

Danach wird sie sehr deutlich. Ein "anti-war-song", den sie kurz aber eindeutig ankündigt. Sie widmet den Titel "to Mister Bush and Mister Blair. I think they're gone mad !".

Und so findet dieser denkwürdige Abend leider viel zu schnell sein Ende. Dabei können wir uns nicht beschweren, überhaupt nicht: Eine, zwei, drei Zugaben.
Immer wieder lassen sich Karan Casey und ihre beiden Musiker auf die Bühne herausklatschen.
"The World Turned Upside Down", dieser Titel ("by Leon Russel") macht noch einmal deutlich, wie sie die derzeitige politische Lage beurteilt. Robbie Overson und Karan nun auch als Gesangsduo - dann verschwinden die drei wieder nach hinten. War's das ?

Karan Casey. Hingebungsvoll und mit eindeutiger 'message'

Aber nein, keineswegs. Karan Casey kommt zum Abschluß des Abends noch einmal alleine auf die Bühne und singt solo - gibt noch einmal alles und keiner im Publikum wagt, allzu laut zu atmen. Das ist Stimmgewalt im besten Sinne des Wortes, ohne dabei laut zu werden.
Danke Karan, danke Niall, danke Robbie - und kommt bald wieder !

Nach diesem Abend frage ich mich allerdings, warum das Muffathallen-Cafe beim Konzert von Karan Casey mit knapp 60 Besuchern nur mittelmäßig besucht war ?
Zu wenig Werbung, noch zu unbekannt. Ich kann nur allen die empfehlen, sich das nächste Konzert dieser Ausnahmesängerin auf keinen Fall entgehen zu lassen. Mein ganz heißer Tip !


Discographie:

mit SOLAS

1996: Solas (Shanachie)
1997: Sunny Spells and Scattered Showers (Shanachie)
1998: The Words that Remain (Shanachie)

& FRIENDS

2000: Seal Maiden

SOLO

1997: Songlines

2001: The Winds Begin to Sing

Photos und Bericht: W. Rodrian © 2002