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Januar 2002
Eugénie Goadec gestorben: Die Bretagne trauert um die letzte der Soeurs Goadec

Eugénie Goadec beim 25-jährigen Jubiläum der 'Diaouled Ar Menez' in Spézet, Frühjahr 1997 Als letzte der "Soeurs Goadec" verstarb Eugénie Goadec in der Nacht von Freitag, denm 17. auf Samstag den 18.Januar 2003 im Alter von 93 Jahren in Carhaix-Pluguer.

Immer mit der "coiffe" (die traditionelle Kopfbekleidung der bretonischen Frauen), hatten sie und ihre beiden Schwestern Thasie und Maryvonne seit den 50er Jahren großen Anteil am Wiederaufleben des "Kan ha diskan". Mit Kan ha diskan werden die à capella vorgetragenen Gesänge bezeichnet, die bei den traditionellen Tanzveranstaltungen, den "festoù-noz" vorgetragen werden.

Bereits im ihrer frühen Jugend wurden die drei Anfang des vergangenen Jahrhunderts geborenen Schwestern von ihren Eltern in die Tradition des Kan ha diskan eingeführt. Danach sangen sie bei vielen festoù-noz in Heimatregion bei Carhaix auf. Später trennten sich ihre Wege aus familiären und beruflichen Gründen.

Alan Stivell begleitet die soeurs Goadec beim Festival de Kertalg 1973 Auf die Initiative von Loeiz Ropars hin kam es 1956 zu einem "Revival" der festoù-noz, die in der Folge immer beliebter und verbreiteter wurden. Die Schwestern erklärten sich bereit, wieder als Trio aufzutreten und von neuem die bretonischen Nächte mit ihrem Gesang zu beleben. Aufgrund ihrer Bekanntheit sorgte dafür, dass sie - so wie auch die frères Morvan - nahezu jedes Wochenende bei einem fest-noz auftraten.

Anfang der 60er Jahre kam es zu einer Begegnung mit Alan Stivell, der gerade am Beginn seiner internationalen Karriere stand. Er war sehr bald vom Repertoire der drei Schwestern so beeindruckt, was sich in den Kompositionen des von ihm geleiteten Bagad Bleimor niederschlug. In der Folge entwickelte sich zwischen den soeurs Goadec und Stivell eine enge Beziehung.
In den Jahren 1972 und 1973 nahmen sie gemeinsam am Festival de Kertalg teil. Etliche Gruppen der 60er Jahre traten dort ebenfalls auf, u.a. Les Leprechauns, Renée Wermeer, Happy Traum... und es existieren Plattenaufnahmen von beiden Ausgaben dieses Festivals.

Anläßlich des zweiten Festivals im Jahr 1973, trugen sie eine Interpretation des Liedes Elysa vor (die Melodie ist der Insel Ouessant, "Enez Eusa" gewidmet) und wurden dabei von Alan Stivell auf der Harfe begleitet. Im selben Jahr traten sie auch im Pariser Musiktempel, im Bobino auf und es kam zu einem ganz außergewöhnlichen Auftritt. Die Sitzreihen leerten sich sehr schnell und die Gänge des Theaters füllten sich mit ausgelassenen Tänzern, die von den Rhytmen des Trios mitgerissen wurden.
Les Soeurs Goadec: Enregistrement Public Diese denkwürdige Konzert ist 1997 auf einer CD wieder veröffentlicht worden: Les Soeurs Goadec: Enregistrement Public

Bis zum Tod ihrer Schwester, Maryvonne im Jahr 1983 traten die drei Schwestern zusammen auf und sangen auf einer Vielzahl von festoù-noz. Ihre Stimmen verstummten danach. Einige Jahre später, 1998 verstarb Thasie.

Eugénie Goadec und ihre Tochter Louise Ebrel beim 25-jährigen Jubiläum der 'Diaouled Ar Menez' in Spézet, Frühjahr 1997 Auf Anregung ihrer Tochter, Louise Ebrel, erklärte sich Eugénie Goadec bereit anlässlich ihres 85. Geburtstages erneut aufzutreten. Im selben Jahr nahm sie an der Seite ihrer Tochter Louise Ebrel, die ebenfalls eine bekannte traditionelle Sängerin ist, eine neue Platte mit dem Titel "Gwerzoiù" auf.

Im Dezember 1997 folgten Eugénie Goadec und Louise Ebrel der Einladung von Yann-Fanch Kemener zur Feier seines 25-jaährigen Bühnenjubiläums. Ihr Auftritt wurde vom Publiikum mit großem Applaus gewürdigt,.....

Mit dem Tod von Eugénie Goadec schließt sich nun ein Kapitel der bretonischen Kultur. Hoffen wir, dass sich die kommenden Jahre diesem Erbe der soeurs Goadec würdig erweisen werden.


Der voranstehende Nachruf erschien als französischer Originaltext bei An Tour Tan.
Übersetzung: W.Rodrian