AKTUELL

Januar 2001

REGIONALISIERUNG UND DEZENTRALISIERUNG

Jean-Yves Cozan, seit 1978 Abgeordneter des conseil général de Finistère und hartnäckiger Sprecher für eine selbständige politische Verwaltung der Bretagne Die Debatte um die Regionalisierung und Dezentralisierung der französischen Wirtschaft und Politik hat durch die Einrichtung des Sonderstatuts für Korsika eine Rennaissance ungeheuren Ausmaßes angenommen.

Hinzu kommt die bereits seit Jahren andauernde öffentliche Diskussion um die Wiedereingliederung des fünften historischen Départements Loire-Atlantique in die Région Bretagne.

Diese Debatte wird auf den unterschiedlichsten Ebenen geführt. So existiert beispielsweise eine "groupe des indépendants" unter der Präsidentschaft des Abgeordneten (Conseil Général du Finistère, seit 1978), die bereits seit einiger Zeit Reformen fordert. Diese Reformen beinhalten die Übertragung wesentlicher Entscheidungskompetenzen von der Pariser Zentralregierung auf die regionalen Organe (in den Bereichen Umwelt, Bildung, Arbeitmarkt, Gesundheit, Berufsbildung, Landwirtschaft und innere Sicherheit).
Mittlerweile schlägt die "groupe des indépendants" ein Referendum zur Entscheidung über eine neue Dezentralisierung und die Stärkung der Regionalorgane vor.

Auch der Conseil régional de Bretagne hat inzwischen einen Katalog von 17 Forderungen ähnlicher Art aufgestellt, der Anfang Dezember von seinem Präsidenten Josselin de Rohan öffentlich präsentiert wurde. Vor allem verlangt wird die Einführung des Subsidiaritäts-Prinzips, damit die Regionalen Organe in Zukunft eigenständig über die Verwendung ihrer Mittel entscheiden können.

Eine völlig neue Dimension erhält die Diskussion durch die Ankündigung des neuen bretonischen TV-Senders TV-Breizh, ab dem 4.Dezember in der Sache mitzumischen. Patrick d'Arvor, der Vize-Präsident von TV-Breizh und die Geschäftsführerin Rozenn Milin wollen in der Angelegenheit allerdings "nicht Position beziehen, sondern lediglich Diskussionsbeiträge liefern".
Vorgesehen sind mehrere 30-minütige Interviews mit Akteuren der nationalen Politik wie Charles Pasqua, Pierre Mauroy, Alain Krivine und anderen.
Sondage - Umfrage von LE TÉLÉGRAMME zum Status der Bretagne Eine hochinteressante Umfrage hat LE TÉLÉGRAMMEim September auf seiner homepage veröffentlicht.

Gefragt wurde danach, wie sich die Einwohner der Bretagne fühlen (als Franzosen, Bretonen oder eher als Europäer?), ob sie für oder gegen eine Unabhängigkeit der Bretagne wären, ob das Département Loire-Atlantique wieder an die Bretagne angeschlossen werden sollte, ob die politischen Institutionen in der Region mit mehr Macht ausgestattet werden sollten und ob Bretonisch-Unterricht an den Schulen Pflichtfach werden soll.