AKTUELL

März 2005

Die "bretonische Welle" und der Kommerz ... zum wiederholten Mal


Triumph der Gerechten oder bretonischer "Musikantenstadl" ?

Wo sind die Grenzen zwischen traditioneller Musik und kommerzialisierter Folklore ? Ist es möglich, authentische "musique trad" von folkloristischen Erzeugnissen nach dem Strickmuster "die muntere Hitparade der populären Volksmusik" zu unterscheiden ? Wann letzten Endes steht die Musik im Vordergrund und wann geht es nur noch um Geld und Profit (und wer erhält schließlich die Gewinne ?) ?

TRAD Magazine N 93, Januar/Februar 04: La Nuit Celtique

Fragen, die sich mir ganz persönlich stellen, wenn ich die Meldung lese, dass die Geschäftsleitung des Festival Interceltique de Lorient das pomp- und kitschlastige Konzept der "nuits magiques" (eine Multimediashow mit einem enormen Aufgebot an technischer Dekoration) nun aufgrund des Erfolges der letzten beiden Ausgaben (2002 und 2003) nun scheinbar als feste Institution bereits zum 3.Mal für den kommenden 20.März in Paris ankündigt.

Der Erfolg dieser Veranstaltung ist leicht zu erklären, wird sie doch in den meisten ihrer Elemente den Erwartungen eines Publikums gerecht, das bretonische und damit sogenannte "keltische" Musik mit sentimentalem Soundkitsch à la "Celtic Emotions" und "Celtic Seasons" wünscht.

Wieder einmal geht es darum Superlative zu schaffen und so kündigt man diesmal eine Szene mit 2 Bühnen an, auf der sich dann in einem komprimierten Programm dutzende, wenn nicht sogar hunderte von Tänzern und Musikern tummeln sollen. Als Stars der diesjährigen sind angekündigt: Susana Seivane (Galizien), das Bagad de Lann-Bihoué, I Muvrini (Corsica), und Tri Yann.

Inwieweit das dann noch viel mit der wirklichen Musiktradition und Kultur der vetretenen "keltischen" Regionen zu tun hat - das muß jeder für sich herausfinden.

W.Rodrian