Die bretonische Musikproduktion
1998 - 2001

Die Bilanz der vergangenen 3 Jahre

von Christian Morvan und, Goulc'hen Malrieu
(veröffentlicht in: MUSIQUE BRETONNE, N 171, März/April 2002: 42/43)

DASTUM Rennes (e-mail: dastum@wanadoo.fr und im INTERNET: www.dastum.com)



Mit insgesamt 549 Produktionen im Zeitraum der vergangenen drei Jahre (1999 - 2001), davon 148 im Jahr 2001, bleibt die bretonische CD-Produktion nach wie vor von großer Bedeutung.

Nach zwei aufeinanderfolgenden verkaufsschwachen Jahre, erholt sich der Verkauf von Tonträgern in Frankreich wieder mit einem Wachstrum von ca. 10%. Die französischsprachige Musik hält sich trotz aller Unkenrufe ziemlich gut und von den 20 meistverkauften Titeln im Jahr 2001 stammten 18 aus französischer Produktion. Französische (58 %) und internationale Produktionen (35 %) teilen den Löwenanteil unter sich auf. Jazz (2,5 %) und Klassik (5,4 %) ernten nur die Brotkrumen. Der Anteil traditioneller französischer Musik ist kaum erwähnenswert, noch weniger der bretonische Anteil.

Viel beunruhigender ist die Konzentration des Marktes bei nur drei multinationalen Produzenten - Universal (35 %), Sony (24 %) und Virgin (12 %) - ebenso wie der geringe Freiraum, der den unabhängigen Produzenten verbleibt. Der Großteil der Verkäufe wird gegenwärtig in den Supermärkten gemacht (40 %) und in den großen, spezialisierten Verkaufsflächen (30 %). Auch die unabhängigen Plattenläden (6 %), sowieso eine im Verschwinden begriffene Spezies, machen kaum noch nennenswerte Gewinne.


Der bretonische Plattenmarkt

Unsere Untersuchung konzentriert sich mehr auf die Anzahl der veröffentlichten Titel als auf die Auflagen oder auf die Verkaufszahlen. Die geringen Informationen, die wir in dieser Hinsicht erhalten, weisen darauf hin, dass der Markt sehr große Unterschiede aufweist, wie beispielsweise zwischen dem Album der Gruppe Manau (Panique Celtique), das bereits 1.700.00 mal verkauft wurde, und einer in Eigenproduktion verwirklichten CD, die gerade mal in 500 oder 1.000 Exemplaren gepresst wird.

Lediglich 18 % der Platten mit bretonischer Musik werden von den vorher genannten großen Firmen verlegt. Aktuell ist ein Rückgang der Veröffentlichungen von bretonischer Musik bei diesen "major labels" festzustellen, 1999 waren es 32 gegenüber 16 im Jahr 2001. Dieser Rückgang betrifft vorwiegend die Kompilationen, ein Produkt, das diese großen Firmen bevorzugen und das oftmals sehr gute Umsätze einbringt. Bedeutet dies das Ende eines Trends ?

Wir stellen auch fest, dass die wenigen bretonischen Platten, die mit ihren Verkaufszahlen überhaupt konkurrenzfähig sind (Goldene Schallplatte,...), wie beispielsweise die von Manau oder Dan Ar Braz, von diesen großen Firmen produziert werden.

Die verbleibende Produktion, also 82 %, wird also in der Bretagne von Vereinen oder kleinen Organisationen hergestellt. Die beiden großen bretonischen Firmen, die etwa ein dutzend Neuheiten pro Jahr veröffentlichen, das sind Coop Breizh und Keltia Musique. Aber im Vergleich zu den internationalen "major labels" können sie nicht mithalten. Weder bei den Produktionsmitteln, noch in Sachen Promotion, bei der Anzahl an Veröffentlichungen oder bei den Verkaufszahlen.
Dann findet man da noch einige kleine Hersteller wir L'Oz Production, Kerig, EOG, Ciré Jaune und Dastum mit 4 bis 8 Veröffentlichungen im Jahr. 36 % der Neuveröffentlichungen (insgesamt 191 Titel) sind in Eigenproduktion hergestellt oder werden als einmalige Gemeinschaftsproduktion bewältigt. Das Hauptproblem bleibt der Vertrieb, vor allem natürlich außerhalb der Bretagne.
In dieser Hinsicht spielt Coop Breizh weiterhin eine herausragende Rolle, da man dort den Vertrieb von etwa einem Drittel der bretonischen Produktion gewährleistet.


Die Vielfalt der Produktion

Insgesamt gesehen trägt sich die bretonische Produktion gut und die Anzahl der Neuveröffentlichungen ist seit einigen Jahren in konstantem Wachstum begriffn. Mit 21 bis 23 Platten im Jahr bilden die Fest-Noz-Gruppen einen wichtigen Aspekt der Produktion. Leider klingen diese Gruppen alle sehr ähnlich und spielen im großen und ganzen alle in etwa dasselbe mit denselben Ingredienzien.
Meistens handelt es sich um ein Flickwerk von Tänzen aus den verschiedenen Regionen, mitunter mit Melodien durchsetzt, die von außerhalb kommen. Was die Instrumente angeht, so kann man ein sehr deutliches Comeback des chromatischen Akkordeons feststellen und einen Anstieg beim Einsatz der Percussion. Es scheint, als ob wir uns in Richtung "bal breton" bewegen würden, in der Art der Jazz-Bands aus der Epoche 1930-1940. Man wird sehen...

Auch bei den Gruppen, die wir im allgemeinen unter dem Label "rock" zusammenfassen, ist immer noch eine Menge los. Dabei finden sich dort etliche verschiedene Musikgenres vom Rap zum Reggae und vom Hardrock bis zum Techno. Modeerscheinungen spielen hier eine große Rolle: in der letzten Zeit kam es oft vor, dass eine junge Gruppe einen großen Erfolg mit ihrem ersten Album in der Sparte "rock breton" oder auch "rock celtique" erlebte. Mit dem zweiten Album allerdings verschwanden sie dann in der Versenkung.

Gruppen, die eher Musik für einen konzertanten Rahmen machen werden im Laufe diverser experimenteller Begegnungen immer kreativer, vor allem im durch die Integration musikalischer Elemente aus anderen Kulturen, was meistens sehr bereichernd ist. Die bretonische Musik ist mittlerweile in allen Sparten vertreten.

Das Zusammenspiel von bretonischen Musikern und Jazzmusikern ist zwar nichts neues. Diese Tradition reicht bis zum Ende der 70er Jahre zurück. Neu hingegen ist die Zusammenführung des traditionellen bretonischen Repertoires mit Musikern, die eine klassische Ausbildung haben.

Derartig unpopuläre Projekte sind allerdings nicht leicht durchzuführen, da sie relativ hohe Investitionen erfordern und das ist wohl auch der Grund dafür, das viele Musiker es vorziehen, als Duo aufzutreten. Ebenso wie diese innovativen Ansätze erleben auch die traditionelleren Musiker wie beispielsweise das "couple biniou-bombarde" einen gewissen Rückschritt mit nur vier neuen Veröffentlichungen in etwas mehr als drei Jahren.

Dennoch gibt es immer noch ziemlich viele traditionelle Musiker und man kann nur bedauern, dass ihnen so wenig Platz eingeräumt wird bei den "festoù noz". Dasselbe gilt für den "kan ha diskan" und für das Melodien-Repertoire (haute und Basse-Bretagne). Nur sehr wenige Produktionen widmen sich einer bestimmten Region oder einer regionalen Tradition (Tanz, Instrument oder bestimmte Gesangstraditionen...). Es ist bedauerlich, dass in dieser Hinsicht gerade Dastum einen Tiefstand bei seinen Produktionen zu verzeichnen hat. 1999 wurden noch 7 Alben von Dastum herausgegeben, 2001 waren es nur noch zwei. Von den 16 Alben, die sich mit einer bestimmten Gegend befassten, widmeten sich 10 dem Repertoire der Haute-Bretagne und 6 dem der Basse-Bretagne. Auch hier ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Man sollte den kommenden Herbst aufmerksam beobachten. Ob beispielsweise der angekündigte Rückgang der veranstalteten "festoù noz", der vielleicht das Ende eines Bretagne-Trends bei den Medien und in der Öffentlichkeit anzeigt, die musikalische Produktion beeinflussen wird ? Es erscheint auch interessant, darauf zu achten, inwieweit neue Technologien wie das Internet oder DVD sich auswirken werden.

Wir werden auf jeden Fall damit fortfahren, monatlich die bretonischen Neuerscheinungen auf der Internet-Seite von Dastum (www.dastum.com) vorzustellen und wir stehen allen zur Verfügung, die an einem diesbezüglichen Diskurs Interesse haben (bretagne.discographie@wanadoo.fr) .

Übersetzung: Wilhelm Rodrian

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