Die bretonische Musikproduktion
Die Bilanz des Jahres

von Christian Morvan, Goulc'hen Malrieu (veröffentlicht in: MUSIQUE BRETONNE, N 161: 44/45)
Zusammenfassung und Tabelle mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von MUSIQUE BRETONNE/
DASTUM Rennes (e-mail: dastum@wanadoo.fr und im INTERNET: www.dastum.com)


Nach einer ersten Erhebung der Produktionszahlen der bretonischen Musik im vergangenen Jahr (Musique Bretonne n 156, Juli/August 1999: 34/35) wurden erneut die aktuellen Zahlen (Erhebungszeitraum: Mai 1999 - Mai 2000) veröffentlicht (in: Musique Bretonne n 161, Juli/August 2000: 44/45).

Bei www.breizh.de lesen Sie nachfolgend ein zusammenfassende Übersetzung dieses Artikels, der einen interessanten Blick auf die positive Entwicklung und die wachsende Popularität bretonischer Musik bietet.
Die angegebenen Zahlen betreffen jeweils nur die Anzahl der veröffentlichten Alben, nicht deren Verkaufsmenge, da hierzu bislang keine auswertbaren Angaben vorliegen.

Das Jahr 1999 war ein Jahr der großen Erfolge bretonischer Produktionen:

CDs, die bei großen Labels veröffentlicht werden, profitierten von deren großangelegten Werbekampagnen, bspw. Manau: 1.700.000 Alben (mittlerweile mit einem Diamant-Album für die CD "Panique Celtique" an 5.Stelle in Frankreich), Matmatah: 550.000 Alben, Excalibur: 80.000 Alben, Soldat Louis: 70.000 Alben (Zahlen von 1999).
Im Vergleich dazu erreichten die meistverkauften Alben bei COOP BREIZH ca. 45.000 Exemplare, bei den zahlreichen Fest-Noz-Gruppen bewegen sich die Verkaufszahlen um die 1.500 bis 5.000 Exemplare (Stand: 1999).

Die Produktion ließ im vergangenen Jahr der aktuellen Umfrage wieder etwas nach (siehe auch nachstehende
Tabelle 1). Dabei ist gut die Hälfte der veröffentlichten CDs das Ergebnis von autoproduktionen oder von regionalen/lokalen Organisationen und Vereinen, die gerade mal eine CD pro Jahr herstellen.
COOP BREIZH hat ungefähr gleichviele Alben herausgebracht wie im Vorjahreszeitraum, wobei sich die Neuerscheinungen verdoppelt haben.

DASTUM hat im gleichen Zeitraum unter großen Anstrengungen 8 Alben veröffentlicht, die jeweils ein Thema oder eine Region repräsentieren.

TABELLE 1

discographie bretonne Mai 1999 - Mai 2000 Korrektur der Tabelle

bei PRODUKTION Mai 99 bis Mai 2000 muß es für L'OZ Production heißen:
"5 nouveautés" anstelle von 3!



Der Vertrieb bleibt bis auf weiteres DAS große Problem der bretonischen Musikproduktion.
COOP BREIZH, die in ihrem Katalog mehr als 300 Produkte anbieten, bleibt an erster Stelle mit gut einem Drittel der Neuveröffentlichungen. Die Bedeutung von COOP BREIZH wächst und bietet vielen kleinen Labels und Verlagen, sich innerhalb größerer Vertriebsstrukturen zu integrieren.

Tabelle 2 belegt den saisonalen Charakter der bretonischen Produktion, die sich in starkem Maß auf die touristische Sommerzeit und auf die Vorweihnachtszeit konzentriert.

TABELLE 2

Veröffentlichungszeiträume 1998/2000


Die Auswirkungen der zunehmenden Konkurrenz auf dem Musikmarkt durch die Kapazitäten, die das MP3-Format im Internet freisetzt, machen sich nach Aussagen der Labels zwar bemerkbar, eindeutige Aussagen über Quantitäten lassen sich jedoch bislang nicht festmachen.

Das Charakteristikum bretonischer CDs bleibt weiterhin die geringe Auflage (1.000 bis 2.000 Stück) und als großes Hindernis erweist sich immer wieder die hohe Steuer von 19,6% (im Gegensatz zu 5,5% für Bücher). Andererseits kann man feststellen, daß die hohe Anzahl von Neuerscheinungen die starke Dynamik der bretonischen Musik belegt.

Mit einem Anteil von gut 46% der gesamten Veröffentlichungen im Bereich traditionelle Musik in Frankreich (Elsaß: 16%, Oczitanien/Provence: 14%, Korsika: 13%) liegt die Bretagne in diesem Genre an erster Stelle.
Die Produktion traditioneller Musik in Frankreich insgesamt wiederum repräsentiert 4%, genauso viel wie die Veröffentlichungen im Bereich Jazz (nach Angaben einer Untersuchung von SOFRES/Januar 1999 in einer Studie des CIMT 9/1999 enthalten).

Zusammenfassung und Übersetzung: Wilhelm Rodrian


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