IRISCHE MUSIK
CD-Cover Danú: When all is said and done
DANÚ
"WHEN ALL IS SAID AND DONE"


www.danu.net

 

 

 


Shanachie, 2005

MUSIKER

Donal Clancy: guitar, electric bass - Donnchadh Gough: bodhrán, uilleann pipes - Tom Doorley: flute, whistles, backing vocals - Eamon Doorley: bouzouki, fiddle - Oisín McAuley: fiddle, backing vocals - Benny McCarthy: button accordion - Muireann Nic Amhlaoibh: Amhránaí/vocals, whistles, flute

GÄSTE

Gerry O'Connor: banjo - Julie Fowlis: backing vocals

TITEL 1. The Highest Hill 4:22 - 2. Follow On 4:54 - 3. The Peacock's Feather 4:11 - 4. Ó Dheara, 'Sheanduine 3:27 - 5. Around The House 4:33 - 6. Farewell, Angelina 4:27 - 7. The Coachman's Whip 4:25 - 8. An Caílín Deas Crúite na mBó 4:13 - 9. Kilfenora 4:00 - 10. Only Nineteen Years Old 3:13 - 11. Gerry's Set 5:15 - 12. Pots and Kettles O 3:47

(total: 51:17)

Die Band Danú ist in der irischen Mythologie die Stammmutter des Göttergeschlechtes Tuatha De Dannan. Die irische Band Danú wurde 1995 gegründet, kann also in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Die Mehrzahl der Gründungsmitglieder stammte aus dem County Waterford, einer Region die in der traditionellen irischen Musik bis dahin keine große Rolle gespielt hat. Obwohl die heutige Besetzung teilweise auch aus anderen Teilen Irlands stammt, gilt Danú inzwischen als musikalisches Aushängeschild Südirlands. Den Stil der Band kann man vielleicht am Besten mit den frühen De Dannan vergleichen.

Bereits 1996 wurde die Gruppe beim Festival Interceltique im bretonischen Lorient zur "Besten keltischen Band" gewählt. Weitere Auszeichnungen folgten in den nächsten Jahren: Best Overall Traditional Band und Folk Song of The Year bei den Irish Music Awards. Bei den BBC Awards sogar der Titel Folk Band of The Year! 1997 wurde die erste CD (Danú) im Eigenverlag veröffentlicht. When All Is Said And Done ist das fünfte ‚echte' Album von Danú. Außerdem erschien 2004 die CD Up In The Air auf dem sich jedes Bandmitglied als Solist präsentierte.

Muireann Nic Amhlaoibh hat trotz ihrer Jugend eine unglaublich reife, weibliche Stimme. Eine interessante Abwechslung zu den beinahe "kindlich unschuldigen" Stimmen anderer junger Sängerinnen von den Britischen Inseln. Dónal Clancy ist der Sohn von Liam Clancy, dem jüngsten der Clancy Brothers die in den 60er Jahren (natürlich gemeinsam mit Tommy Makem) die irische Musik neu belebten. Bevor er zu Danú stieß, spielte Dónal übrigens bei Solas! Liam Clancy's Studio in Ring (An Rinn), Co. Waterford, war lange Zeit so etwas wie der Hauptsitz von Danú. Alle Alben zwischen 1995 und 2004 wurden dort Aufgenommen. Für When All Is Said And Done wählte die Band erstmals ein anderes Studio: Grouse Lodge im Co. Westmeath.

Die Tunes

When All Is Said And Done enthält 7 Sets mit insgesamt 19 Tunes. Natürlich überwiegen die Reels (10) und die Jigs (4). Außerdem gibt es noch je einen Hornpipe, March, Fling und ein Air. Schließlich auch noch einen Barndance, der aber eher unter die Kategorie "Mickey Mouse Tunes" fällt.
Die allermeisten Tunes sind altbewährte Traditionals (Old Copperplate, Casey's, Heathery Breeze, ...), oder Kompositionen von Veteranen wie Ed Reavy oder Charlie Lennon. Nur ein einziger Reel, Garrison Road stammt von einem Danú Musiker: Oisin McAuley.
Die Sets sind zwar schön aber nicht unbedingt originell arrangiert. Sie starten meist gemächlich und werden dann nach und nach im Tempo gesteigert. Wenn man dann das Gefühl hat jetzt geht's so richtig ab, ist das Set meistens schon zuende.

Das ist jedoch schon so etwas wie ein Markenzeichen bei Danú. Getreu dem Motto "Tamed Wildness" ("Gezähmte Wildheit" - Flötenspieler Tom Doorley in einem Interview) werden ausufernde Tempi und vertrackte Rhythmen vermieden. Viele werden dies bedauern, aber andererseits kann man dadurch Danú CDs auch in ruhigeren Momenten hören und genießen, nicht nur in Partylaune.
Der einzige Moment in dem die "Handbremse" kurzzeitig gelöst wird ist am Ende von Gerry's Set, dem Gastauftritt von Gerry ‚Banjo' O'Connor - wahrscheinlich der Höhepunkt der CD.

Die Songs

Fünf Songs finden sich auf When All Is Said And Done, drei Traditionals (zweimal gälisch, einmal englisch) und zwei Bearbeitungen von Paul-Brady- bzw. Bob-Dylan-Songs.
Die beiden gälischen Lieder, ein Fröhliches (Ó Dheara, 'Sheanduine - "Oje, alter Mann") und ein Trauriges (An Cailín Deas Crúite na mBo - "Das hübsche Milchmädchen") sind wirklich schön. Das englischsprachige Traditional (Only Nineteen Years Old) ist flott und witzig. Muireann Nic Amhlaoibh zeigt hier, dass sie eine außergewöhnliche Sängerin ist.

Eine Textzeile des Paul Brady Songs Follow On, von seinem 1985er Album Back To The Center, lieferte Danú den CD-Titel When All Is Said And Done. Das Lied ist zwar sehr schön, doch es scheint ein wenig zu sehr auf "Radiotauglichkeit" getrimmt zu sein und schrammt gelegentlich arg nah am Kitsch entlang. Am längsten bleibt der Bob Dylan Song Farewell, Angelina im Ohr. Dylan schrieb den Text in den frühen 1960ern auf die Melodie des bekannten Walfänger-Liedes Farewell To Tarwathie. Bei diesem Lied kommt Muireann Nic Amhlaoibhs Stimme wieder besonders schön zum tragen.

Der Sound

Wie alle Danú-CDs ist auch When All Is Said And Done sehr klar, transparent und ohne Effekthaschereien abgemischt. Man kann die einzelnen Instrumente jederzeit auseinander halten, nichts verschwimmt. Gelegentlich könnte das jeweilige Hauptinstrument, also z.B. die Pipes oder das Akkordeon, etwas weiter im Vordergrund stehen. Auch die Bodhrán könnte stärker betont werden, aber das widerspricht vermutlich dem Konzept der "Tamed Wildness"... Der Sound ist auf jeden Fall sehr gut, die Feinheiten sind sicher Geschmackfrage.

Das Booklet

Trotz einiger offensichtlicher, aber unwichtiger Fehler in der Zuordnung wer welches Instrument bei welchem Track spielt, ist das Booklet sehr gut. Zu jedem Song/Tune finden sich ein paar kurze Erläuterungen. Quellen und Varianten werden genannt. Alle Texte sind abgedruckt, die gälischen Texte sind zusätzlich ins Englische übersetzt. Genau so sollte ein CD-Booklet sein. Ein zusätzliches Foto der Band und vielleicht noch ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Musikern hätten aber auch noch Platz gehabt...

Das Fazit

Insgesamt bietet When All Is Said And Done im Vergleich zur Vorgänger-CD The Road Less Traveled wenig Neues. Danú hat einen festen Stil gefunden, der ist zwar nicht unbedingt spektakulär aber grundsolide und jederzeit angenehm zu hören.
Jedem Freund traditioneller irisch/schottischer Musik, der noch keine Danú-CD hat, möchte ich When All Is Said And Done empfehle. Für Danú-Fans ist die CD sicher ein weiteres Schmuckstück in der Sammlung. Wer schon ein Danú-Album besitzt und damit nicht so richtig warm wird, kann sich When All Is Said And Done sicher sparen.

Zum Traditional Album Of The Year wird es in diesem Jahr wohl nicht reichen, dazu ist die Konkurrenz, zum Beispiel durch die neue Solas-CD, viel zu stark. Aber When All Is Said And Done zählt sicher zu den stärksten Veröffentlichungen 2005.

Besprechung: Martin Kern-Emden, 2005