BRETONISCHE MUSIK

Gwendal: War-Raog

GWENDAL
"WAR-RAOG"



www.gwendal.eu











Sony Music, 2005

MUSIKER

Youenn Le Berre: flûte, bombarde, cornemuse - Jean-Claude Philippe: violon - Ludo Mesnil: guitares acoustique et électrique - Jérôme Gueguen: claviers - Pascal Sarton: basse - David Rusaouen: batterie

TITEL


1. Joke 3:17 - 2. Gave hot 3:53 - 3. Gigue O'low 4:41 - 4. La Nina del Norte 3:34 - 5. Stone Eire 3:06 - 6. Stone Jig 3:40 - 7. Stone Reel 5:57 - 8. Stand all 3:22 - 9. Barz Gwen 1:23 - 10. Barz Dal 2:00 - 11. Barz Du 4:33 - 12. SUITE D'ARRÉE: Brennilis 2:10 - Nestavel 1:16 - Trédudon + Trévezel 3:00 - Arrée 2:52 - 13. Arane 2:18 - 14. War-Roag 6:43

(total: 57:50)

Gwendal, das waren doch die aus den 70ern, oder? Gibt es die wieder? Waren die schon mal ganz weg. Ja, was denn nun.

Nun mal der Reihe nach:

Gwendal sind eine der bekanntesten, kreativsten und aktivsten Band aus dem keltischen Spektrum. Der Bretagne zugerechnet, veröffentlichten sie 1974 ihre erste Scheibe mit dem Titel „Irish Jig“ die eher im traditionellen folkig, irischen Rahmen gehalten war. Gegründet von Youenn le Berre (Flute) und dem Gitarristen Jean-Marie Renard kam später mit Robert le Gall ein weiterer kreativer Kopf hinzu.

Mit den folgenden Scheiben wurden sie neben Alan Stivell, Dan Ar Braz, Tri Yann usw. zu den führenden Köpfen des Celtic-Rocks, allerdings ergänzt um eine deutlich jazzige Note. Dabei feierten sie Erfolge im gesamten keltischen Raum, vor allem in Spanien. Hoch geschätzt sind sie nach wie vor in Galizien. „San Sebastian Night Fever“ ist der Höhepunkt ihrer 1981 in Madrid aufgenommenen LP „En Concert“. Mitte der 80er wurde es ruhiger um die Gruppe.

Erst 1989 gab es wieder ein Lebenszeichen. „Glen River“ war ein Studioprojekt der beiden Kreativlinge Youenn le Berre und Robert le Gall. Außer ein paar Spuren von „Invites“ spielten die beiden sämtliche Instrumente selbst ein. Heraus kam eine hervorragende Produktion auf Höhe der damaligen Studiotechnik, leider mit einem penetranten Rythmuscomputer garniert, der wahrlich schlecht programmiert ist. Die Songs selbst werden Gwendal absolut gerecht. Sie strotzten vor Kreativität und originellem Songwriting. Versucht mal den Rythmus auf Glaz Noz (Nr. 3) mitzuklatschen – Viel Spaß dabei. Der Lohn für soviel Kreativität: Der „Grand Prix de l'Académie Charles Cros“ für „Glen River“.

„Pan Ha Diskan“ knüpfte 1995 nahtlos an „Glen River“ an. Gott sei Dank mit etwas weniger „programmation“. Afrikanische Rythmen ergänzen wie schon auf der vorherigen Platte den Sound.

Danach erscheinen Gwendal-Kompilationen wie Sand am Meer: Destination Irlande avec Gwedal, „Les Plus Belles Chansons de Gwendal“ „Adventures Celtique“ sind nur einige Beispiele. Außerdem wurden die alten LP´s als CD neu aufgelegt und Gwendal auf unzähligen Bretagne-Samplern verewigt.

Robert le Gall spielte mit Alan Stivell, nahm Platten mit Pascal Bournet auf, gründete zwischendurch die Gruppe „Igwan“ und arrangierte das Musical "Georgian Legend".

Youenn le Berre entwickelte „Mugar“, eine Formation die keltisch-nordafrikanische Elemente zusammenfließen ließ.

Und jetzt „War Raoag“:

Youenn le Berre ist inzwischen der einzige Gwendal, der übrig ist. Alle weitern Musiker sond neue Mitstreiter. Robert le Gall ist inzwischen nur „Invite“. Das allerdings in illustrer Gesellschaft.

Die Songs sind so wie man es von „Gwendal „ nach wie vor erwarten kann.

Jazzy Rythmen, eine swingende Querflöte, die sich mit der Violine perfekt ergänzt, ein ganzens Sammeslurium an traditionellen Instrumenten von Mandoline, über Uileann Pipe bis hin zu Cello duelliert sich mit schneidenden E-Gitarren.

Technisch perfekt aufgenommen und arrangiert ist das Ganze sowieso.

Titel 1 ( Joke) ist noch eine Reminiszens an die erste Platte (Irish Jig), akustisch gehalten.

Nr. 2 (Have Got) lässt allerdings keinen Zweifel aufkommen, um was es sich bei der vorliegenden Scheibe handelt – eine echte Gwendal-Platte. Eine gedoppelte Bombarde liefert sich ein Frage und Antwort Spiel mit einer singenden, verzerrten E-Gitarre mit warmen Sustain, unterlegt von Keyboard- und Heavy-Guitar-Teppich. Ein Song im Breitwandsound mit einer fantastischen Dynamik, die sich bis zur Explosion steigert.

„Gige O´Low“ (Nr. 3) lässt die Flute von Youenn le Berre zu Hochform auflaufen. Ein schön vertrackter Rhythmus unterlegt das teils 3- stimmige (Querflöte, Gitarre, Geige) Thema.

La niña del norte (Nr. 4) ist ein erster Glanzpunkt – das einzige Stück, dass gesungen wird – in spanisch(!). Getragen von Flute und spanischer Gitarre erinnert es schon ein wenig an „hijo de la luna“ - macht aber nix.

Nach einigen Jig& Reels landet man beim Höhepunkt der Scheibe. Die Nummern 9, 10 und 11 gehören zusammen. Sie werden vom gleichen Thema getragen. Während „Barz Gwen“ zum Thema hinführt und dabei von einer klagenden Uileann Pipe (gespielt von Ronan Le Bars) durchdrungen wird, kristallisiert sich das Thema in „Barz Dal“ flüssig heraus um in „Barz Du“ zu explodieren. Am Schluss hält es einen nicht mehr auf dem Sitz – gut so.

Es folgt die eher traditionelle 9-Minuten Suite d´Areé, bei der erst im letzten Teil deutlich wird, dass hier Gwendal am Werk ist.

Arane (Nr. 13) ist ein ehrwürdiges Andenken an den 2002 verstorbenen Gitarristen und Ex-Gwendal Mitglied François Ovide, der hier noch einmal zu hören ist.

Den Abschluss macht der Titelsong. Hymnisch konzipiert, vom Binou getragen, (vielleicht in Anklängen etwas an Dan Ar Braz´ „Greenlands“ ereinnernd) könnte er der Höhepunkt sein, hätte man da nicht wieder Robert le Gall an die „programmation“ herangelassen. Im Zeitalter der Sample-Lops ist es doch wirklich nicht mehr nötig, dass Computer nach Computer klingen. Frag nach bei Pascal Lamour und Denez Prigent. Wie die mit Sampleloops umgehen ist offensichtlich doch noch außergewöhnlich.

Insgesamt bleibt jedoch ein absolut positives Fazit zu ziehen. Auch die Tatsache, dass es sich jetzt um eine „echte“ Band und um kein reines Studioprojekt handelt, nährt die Hoffnung auf künftige Tourneen. Mit www.gwendal.eu verfügt Gwendal jetzt auch über eine eigene Internetpräsenz.

Besprechung: Detlef Menzke