BRETONISCHE MUSIK

Yann-Fanch Kemener & Aldo Ripoche: An Dorn

Anspieltips: 1, 3, 11

YANN-FAÑCH KEMENER & ALDO RIPOCHE
"AN DORN"


www.kemener.com






 

Buda Musique /
Universal, 2004

MUSIKER

Yann-Fañch Kemener: chant, poèmes, récits - Aldo Ripoche: violoncelles, viole de gambe

TITEL

1. Fisel - Ar veileien 3:27 - 2. An dorn 2:11 - 3. An dro - Ker-Pondi 3:29 - 4. Kimiad ar Zoudard yaouank 4:57 - 5. Gres mat Pier 2:11 - 6. - 8. SUITE DE DANSE PLINN: ton kentañ 2:02 - ton bal 1:30 - ton diwezhan 3:08 - 9. Gwerz Zantez Henori 4:05 - 10. Noir comme la mer 0:47 - 11. Me 'zo ganet e kreiz ar mor 3:23 - 12. An davarijen 3:12 - 13. Defixio 6:25 - 14. Hanter dro - Kanet berjelennig ! 4:11 - 15. Gwerz Dom Yann Derrian 5:07

(total: 53:58)

Dieses Album können Sie bei www.bretagne-musik.de online bestellen
Dieses Album können Sie bei www.bretagne-musik.de online bestellen.


Diese CD von Yann-Fañch Kemener und Aldo Ripoche gehört mit Sicherheit zu den absoluten Top Ten der aktuellen bretonischen Veröffentlichungen. Die CD erschien bereits im Herbst 2004 bei Buda Musik und ist nun exklusiv seit Mai 2005 auch im Internet-Shop www.bretagne-musik.de erhältlich.

Yann-Fañch Kemener gehört zu den großen Stimmen der Bretagne. Bereits in den 90er Jahren hat er mit der (damals) innovativen Kombination seinen Gesanges mit einem Soloinstrument experimentiert und enorme Erfolge gefeiert. Das jazzlastige Klavier von Didier Squiban sorgte einige Jahre und etliche CDs lang dafür, den sensiblen Gesang von Kemener romantisch zu untermalen. Vor allem das erste Album Enez Eusa brachte beiden Künstlern große Popularität und erhielt Kultstatus.

Allerdings war dies nicht der kreative Endpunkt in der Entwicklung von Kemener und Squiban. Während der Pianist Squiban immer noch von dieser Epoche und Popularität profitiert, indem er immer und immer wieder die einstmals erfolgreichen Phrasen auf seinen Tasten wiederholt und sich als "bretonischer Keith Jarrett" verkauft, ist Kemener nicht müde geworden, das ideale instrumentelle Pendant für seine Stimme, für seinen Gesang zu suchen.

Und das hat er - zumindest bis auf weiteres - im sensibel gespielten Cello von Aldo Ripoche nun gefunden. Soweit die Geschichte in groben Zügen. Yann-Fañch Kemener hat sich zu seinem musikalischen Werdegang vor kurzem in einem Interview im französischen Trad Magazine geäußert. Die deusche Übersetzung dieses Textes können Sie bei uns nachlesen.

Im Vergleich mit der früheren Kombination Gesang-Piano erscheinen die gemeinsamen Kompositionen, Arrangements und Aufnahmen mit Aldo Ripoche stimmiger, geschlossener. Die Einheit scheint erreicht. Wo beim Duo Kemener & Squiban noch Piano und Gesang nebeneinander standen, teilweise konkurrierten, da verschmelzen Stimme und Hand ("An Dorn", der Titel des Albums heißt auf bretonisch: "die Hand") nun in einem gemeinsamen Fluß. Das war beim CD-Erstling des neuen Duos "An Eur Glaz" von 2001, einer CD mit gerade mal 5 Titeln noch nicht so eindeutig abzusehen. Hier war die beiden Protagonisten noch auf der Suche. Teilweise klang das wie der Versuch, das Piano durch ein Cello zu ersetzen, teilweise zeichneten sich aber auch schon die neuen, möglichen Dimensionen der Kooperaton mit Aldo Ripoche ab.

Und angesichts des ersten richtigen Debutalbums "An Dorn", das bereits im vergangenen Herbst in Frankreich veröffentlicht wurde, kann ich nur sagen: Mission erfüllt!
An Dorn präsentiert pure Poesie, musikalisch wie stimmlich. Hier spürt man die intensive Verbundenheit von Kemener und Ripoche, die vollkommene musikalische Übereinstimmung in Ausdruck und Spiel bzw. Gesang. Instrument und Stimme unterliegen keiner Hierarchie, der Gesang wird nicht begleitet. Vielmehr werden hier von Stimme und dem variationsreichen Cellospiel in der Hand von Ripoche gemeinsam musikalische Räume und Klangteppiche von enormer Tiefe geschaffen.

Mal rhythmisch und von bretonischen Tanzschritten bestimmt. So beispielsweise die Titel "Fisel - Ar veleien", "Gres mat Pier", oder die faszinierende Suite Plinn. Und dann kommt wieder die Melancholie bretonischer Lieder ("gwerzioù") zum Tragen und man hört ein Lied wie ein getragenes Gedicht, das zeitlos dahinschwebt. Der Titelsong der CD "An Dorn" ist ein gutes Beispiel dafür.

Aber auch zwei ganz andere Varianten enthält das Album. Ein Lied, das Kemener solo vorträgt: "Gwerz Zantez Henori", das seine Stimme mit all ihrer Sensibilität präsentiert und ein kurzes Gedicht, auf französisch vorgetragen: "Noir comme la mer" (von Louis Guillame, 1947), das eindringlich belegt, was Kemener in seinem Interview mit "Musik der Sprache" meint.

Darauf folgt eine neue Variante des Liedes, das dem Duo Kemener-Squiban zum Durchbruch verhalf: "Me 'zo ganet e kreiz ar mor". Und hier, im Vergleich, hört man wahrscheinlich am besten die Veränderungen und die Entwiclkung heraus. Mit dieser Fassung des Liedes bieten Kemener und Ripoche eine Interpretation, die ungleich viel tiefer reicht als die Version von 1995.

Nahezu jedes Stück auf diesem Album gleicht einer Perle, auch wenn die CD - vor allem bei den weniger rhythmischen und eingängigen Titeln - mit Sicherheit erst beim zweiten oder dritten Anhören die ganze Fälle ihres Reichtums entfaltet.