BRETONISCHE MUSIK

CD-Cover Tri Yann: Portraits
Anspieltip: 1, 3, 6

TRI YANN
"PORTRAITS"













 

 

 

Déclic Communications, 1995

MUSIKER

Jean Chocun: vocals - Jean-Paul Corbineau: vocals - Jean-Louis Jossic: vocals, bombarde, chalémie, psaltérion, cromorne ténor - Gérard Goron: vocaux, batterie, percussions, mandoloncelle - Louis-Marie Seveno: vocaux, basses, violon, rebec, dulcimer électrique, mandoline, low whistle - Jean-Luc Chevalier: guitare acoustique et électrique - Christophe Le Helley: vocaux, veuze, flûtes médiévales, flûte à bec, tin whistle, cromorne soprano, coutraud, harpe celtique, chifonie, claviers
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GÄSTE


Bernard Baudriller: vocaux - Max Junior: berimbao, cajon, tablas, didjeridu - Etienne Grandjean: accordéon diatonique - Denis Seznec/Claudine Hunault: voix dans "L'Adieu"

TITEL

Marie-Camille Lehuédé - 2. Madeleine Bernard - 3. Gerry Adams - 4. Arthur Plantagenest - 5. Goulven Salaün - 6. Olivier Herry - 7. Brian Boru - 8. Aloïda - 9. Anne de Bretagne - Guillaume Seznec: 10. Le voyage - 11. Le prcès - 12. L'Adieu - 13. Le bagne - 14. La délivrance - 15. Seznec est innocent

(total: 64:55)

Mit "Portraits" ist Tri Yann 1995 sicher eines ihrer besten und wichtigsten Alben gelungen. Eine Zeitreise durch die Geschichte der Bretagne und der keltischen Identität bis in die jüngste Gegenwart. In musikalischen "Portraits" lassen Tri Yann zentrale bretonische und irische Themen und/oder Persönlichkeiten Revue passieren.

Den Beginn macht der wohl bekannteste An-Dro, den Tri Yann jemals eingespielt haben: "Marie-Camille Lehuédé" (une penn-sardin), der an die Frauen von Douarnenez erinnert, die Anfang des Jahrhunderts in 14/15-Stunden-Schichten in den Sardinenfabriken arbeiteten.
"Gerry Adams" wird als Held des nordirischen Freiheitskampfes besungen und mit dem chanson pour "Olivier Herry" wird an den Widerstand gegen das erste und einzige in der Bretagne errichtete Kernkraftwerk in Brennilis erinnert. O.Herry hat während seiner Amtszeit als Bürgermeister von Brennilis bis zu seinem Rücktritt 1994 für die Entsorgung dieses 1985 stillgelegten Atomeilers gekämpft.

Mit "Brian Boru" wird der auch von Alan Stivell besungene irische Freiheitsheld aus dem 11.Jahrhundert besungen und nach "Anne de Bretagne", der bretonischen Nationalsheldin widmeten sich Tri Yann in einem ausführlichen, 6 Titel umfassenden Werk dem Schicksal von Guillaume Seznec. Seznec wurde aufgrund von Indizienbeweisen 1923 eines Mordes beschuldigt und zu lebenslanger Haft in den Sträflingslagern ("bagnes") auf französisch Guyana verurteilt, obwohl er immer seine Unschuld beteuerte.
Da die Verurteilung unter äußerst dubiosen Umständen zustande kam, wurde er 1946 von de Gaulle begnadigt. 1953 wurde er das Opfer eines Unfalles mit Fahrerflucht, an dessen Folgen er 3 Monate später starb. Sein Enkel Denis nahm Jahre später den Kampf gegen die juristischen Mühlen auf und verlangte die Wiederaufnahme des Falles und die Rehabilitation von G.Seznec.
Für die Bretonen steht der Name Seznec bis heute symbolisch für die ungerechte Rechtssprechung des nationalen Frankreich gegen bretonische Bürger und Interessen. Und erst vor kurzem, in einem von TV-Breizh ausgestrahlten Interview der französischen Justizministerin Marylise Lebranchu, hat diese für eine Neuaufnahme des Falles Seznec ausgesprochen.

Die Musik deckt alle Bereiche von dynamisch-tanzbar bis melancholisch-erzählend ab und Tri Yann haben jedem der Stücke ihren unverkennbaren Sound mitgegeben. Ein Konzeptalbum wie man es sich nur wünschen kann, zum Anhören, zum Mithören und zum Aufhorchen - auch heute, 2001, noch genauso aktuell wie vor 6 Jahren und es weckt das Interesse, sich mit den Gegebenheiten und Personen, die hier beschrieben werden, näher zu befassen.