Bretagne. Ein Reiselesebuch
Herausgeg. von Alois Weimer

Buchbesprechung: Bretagne. Ein Reiselesebuch


Ellert & Richter Verlag, Hamburg
160 Seiten, Format 10,5, x 18,5 cm
Hardcover mit Schutzumschlag
Preis 12,95 €

Internet: www.ellert-richter.de


Besprechung

Inhaltsverzeichnis
BESPRECHUNG (23.04.08)

Noch rechtzeitig für die Urlaubssaison 2008 veröffentlicht der Hamburger Verlag Ellert & Richter das Reiselesebuch Bretagne in einem praktischen Format, sozusagen als luxuriöses Reisetaschenbuch, das einen bei der nächsten Bretagnefahrt im kommenden Sommer begleiten kann.

Der Herausgeber Alois Weimer, der auch als freier Mitarbeiter für das Reiseblatt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, hat einen bunten und abwechslungsreichen Mix an Themen und Beiträgen zusammengestellt.

In dem knapp 160 Seiten starken Buch finden sich Texte bekannter historischer Autoren de Chateaubriand, Gustave Flaubert oder Ernest Renan sowie jüngere Beiträge bretonischer Autoren wie Youenn Gwernig und Pierre-Jakez Hélias.
Vom Herausgeber Alois Weimer, seiner Frau (?) Britta Weimer und einigen weiteren Autoren  (Wolfgang J. Fuchs, Klaus Simon, Michael Bengel,…) wurden darüber hinaus etliche Originalbeiträge eingebracht.

Inhaltlich bieten die Texte vorwiegend ein Bild der historischen Bretagne und spiegeln selbst in den Texten, die sich mit der jüngeren Geschichte der Bretagne befassen eine vorwiegend touristisch orientierte Sicht. Und decken damit einen Themenkanon ab, wie er von ähnlichen Reise(lese)büchern auch in der Vergangenheit bereits dargestellt wurde.
Damit bietet  das vorliegende Buch durchaus eine unterhaltsame und informative Reiselektüre, die viele wesentliche Aspekte der Bretagne beleuchtet und diese kurzweilig sowie sehr gut lesbar beschreibt.

Während der einschlägig belesene Bretagneliebhaber die älteren Texte wie den von Robert Held: Im bretonischen Heckenland oder den von Margret Mellert: Argoat – Pforten zum Jenseits unter Umständen eventuell bereits kennt, reizen doch die vielen Originalbeiträge zum Schmökern.

Britta Weimer schreibt über die Versandung des Mont Saint-Michel, Alois Weimer beschreibt die Calvaires (Kalvarienberge) als ein Widerstandsprogramm aus Stein oder auch die Rolle des legendären König Artus als bretonische Heldenfigur. Weitere Artikel haben die Thalassotherapie, die Geschichte der Bretagne, das bretonische Intermezzo von Paul Gauguin in Pont Aven oder auch die Geschichte der ehemaligen bretonischen Hauptstadt Nantes zum Thema.
Besonders erwähnenswert erscheint mir persönlich, dass Texte von Pierre-Jakez Hélias, dem Schöpfer des großen bretonischen Romans „le Chaval d’orgeuil“ sowie von Youenn Gwernig enthalten sind. Letzterer, ein Freund und Zeitgenosse des bretonisch-stämmigen Schriftstellers Jack Kerouac, der erst vor kurzem in der Bretagne verstorben ist.
So weit so gut – was mir jedoch fehlt sind die Bezüge auf das wahre Leben in der Bretagne, die spätestens seit dem Ende der bewegten 60er Jahre eine der kulturell lebendigsten Regionen in Frankreich darstellt. Dort finden sich viele Aspekte und Vertreter einer lebendigen Regionalkultur, die Musik, Theater, Literatur, Sprache und vieles andere mehr umfasst und wenn man sich in der Bretagne mit offenen Augen und Ohren auf den Weg macht, dann kann man dort viel mehr erleben als Naturschauspiele und Architekturdenkmäler.
Was Wolfram Weimer in seinem Beitrag “Von Asterix zum Alkohol – die Geschichte der Bretagne“ stark verkürzt und plakativ als „muffigen Lokalpatriotismus“  und „touristisches Klischee“ beschreibt, also das Ringen um die Bewahrung der eigenen Identität, dieser kulturpolitische Kampf ist noch lange nicht im Alkoholismus untergegangen.

Aus diesem Grund empfehle ich allen Bretagnereisenden, die des französischen mächtig sind, neben der Lektüre dieses durchaus empfehlenswerten Reiselesebuches, ihre Kenntnisse bei Interesse mit Hilfe einer der vielen fachkundigen und gegenwartsbezogenen Zeitschriften vor Ort zu vertiefen. Empfehlen würde ich insbesondere ArMen, BREIZHmag, Bretagne, Bretagne[s] oder auch Bretons.

Inhaltsangabe

Vorwort
Britta Weimer: Die Bretagne - mehr als Wind und zerklüftete Felsen
Robert Held: Im bretonischen Heckenland
Britta Weimer: Briefe aus Les Rochers
Madame de Sevigne: Ein Brief an ihre Tochter
Francis Rene de Chateaubriand: René
Britta Weimer: Mont Saint-Michel - Das Meer ist zahm geworden
Carl Oskar Jatho: Die Fischer und Bauern von Cancale
Der goldene Ball - ein keltisches Märchen
Ernest Renan: Lacht nicht über uns Kelten!
Carl Oskar Jatho: Das Grab des heiligen Yves
Antony Lheritier: Die Wallfahrt von Diben
Louis Le Cunff: Wie die Bewohner von Plougastel-Daoulas dem Teufel widerstanden
Alois Weimer: Ein kulturpolitisches Widerstandsprogramm aus Stein - die Kalvarienberge
Wolfgang J. Fuchs: Becassine - die Unschuld aus der Bretagne
Margret Meliert: Armor - das Reich des gewalttätigen Riesen
Klaus Simon: Heilende Kräfte als touristische Attraktion
Wolfram Weimer: Von Asterix zum Alkohol - die Geschichte der Bretagne
Pierre-Jakez Helias: Die beiden Schlauberger
Koulizh Kedez: Die bretonische Sprache hat eine eigene Semantik
Koulizh Kedez: „in den letzten zügen des meeres" und „rochen"'
Michael Bengel: Bonjour, Monsieur Gauguin
Gustave Flaubert: Das Feld von Carnac
Youenn Gwernig: Der Stein
Margret Meliert: Argoat - Pforten zum Jenseits
Heloi'sa – Abaelard: Briefwechsel
Alois Weimer: König Artus - Held, Heiliger und Herrscher der Bretonen
Gerard Le Gouic: Der Regen
Klaus Simon: Nantes, einst Hauptstadt der Bretagne
Ernest Renan: Eine Nation ist eine Seele
Die bretonische Nationalhymne
Quellennachweis

 

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