MARIE-NOËLLE FOURNIER
"Nirgendwo richtig / Nulle part vraiment "

Buch-Besprechung Marie-Noelle Fournier: Nirgendwo richtig Nulle part vraiment

Verlag Kleine Schritte

(Gedichte und Kurzgeschichten, deutsch-französisch, 128 Seiten, 2002)


Verlag Ursula Dahm & Co
Medardstraße 102
D-54294 Trier

BESPRECHUNG

Marie-Noëlle Fournier lebt seit zwanzig Jahren in Deutschland. In ihren Gedichten und Kurzgeschichten schildert die aus Nantes stammende Schriftstellerein und Dichterin die Probleme, mit denen sie durch diesen Ortswechsel konfrontiert war und ist.

Die in deutsch und französisch schreibende Autorin lebt seit ihrem 22. Lebensjahr in Oldenburg und unterrichtet dort Französisch. Eine Veröffentlichung von Novellen ist in Vorbereitung und für ihre bisherigen Veröffentlichungen konnte sie bereits diverse nationale und internationale Auszeichnungen gewinnen.

Sowohl sprachlich wie auch inhaltlich stellt die vorliegende Veröffentlichung aus dem Jahr 2002 Marie-Noëlle Fourniers Suche nach der eigenen Identität zwischen ihrer französischen Herkunft und ihrer deutschen Gegenwart dar. Dies spiegelt auch die Edition dieses Buches wieder: sämtliche Gedichte sind zweisprachig abgedruckt - Seite an Seite nachzulesen und zu vergleichen.

Die Erzählungen dagegen sind nur teilweise auch in einer französischen Fassung präsent und zum Ende des Buches überwiegen die deutschen Texte, was dem Leser den Eindruck vermittelt, dass die neue, zweite Heimat in Deutschland immer wichtiger wird.

Die Texte reichen tief in das Gefühlsleben der Autorin hinein und geben ihre Zerissenheit und ihr Bedürfnis nach Geborgenheit und einem Gefühl von "zuhause" wieder. Die große Distanz zur Familie und die teils positiven, teils negativen Erlebnisse in der neuen Wahlheimat, kleine, aber intensive Beobachtungen der Menschen aus der Distanz einer "Fremden" - kulturell und sprachlich - machen den Reiz der erzählungen aus.

Wie geht es einer Fremden aus dem europäischen Ausland, die bei uns nicht aufgrund äußerlicher Merkmale zu den sogenannten Gastarbeitern in eine Schublade gesteckt wird, im Verlaufe ihrer Integration in unsere Gesellschaft. Wie groß sind die Unterschiede dieser Gesellschaften.

All dies schildert Marie-Noëlle Fournier spannend, unterhaltsam und fesselnd in ihren Kurzgeschichten, während die Gedichte mehr die emotionalen Aspekte von Fremdheit und Integrationsbedürfnis abbilden.

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