MIKAELA KERDRAON
"Xavier Grall. Une sacrée gueule de Breton"

Buch-Besprechung Mikaela Kerdraon: Xavier Grall. Une sacrée gueule de Breton

éditions An Here

(Biographie, französisch, 686 Seiten, 2001)



Preis:ca. 28,90 €

Der Verlag An Here existiert leider nicht mehr, das Buch ist jedoch im gut sortierten Fachhandel in der Bretagne vorläufig noch erhältlich.

BESPRECHUNG

Mikaela Kerdraons Biographie "Xavier Grall - une sacrée gueule de Breton" ist mit ihren fast 700 Seiten das umfangreichste Werk über Leben und Schaffen des bretonischen Dichters. Von Beruf eigentlich Französischlehrerin wollte sie sich nach ihrer Pensionierung einem großen literarischen Thema widmen, und ihr Schulfreund Per Denez empfahl ihr dringend Grall als Studienobjekt. Denn obwohl es bereits eine beträchtliche Anzahl Bücher über Grall gab, war noch viel Unbekanntes zu entdecken.
Françoise Grall öffnete ihr Xaviers Privatarchiv und Korrespondenz, eine wahre Fundgrube, nicht nur in Bezug auf Gralls Leben und Werk, sondern auch Dokumentation einer politisch turbulenten Epoche.

Frau Kerdraon geht streng chronologisch vor. Sämtliche Werke Gralls, auch die unveröffentlichten,  werden ausführlich besprochen und mit seinen Lebensumständen in Verbindung gebracht. Vom braven, eher schüchternen Journalisten in Paris, über den Soldaten im Algerienkrieg, den Kämpfer für eine selbstständige Bretagne, bis hin zum tief religiösen, seinen Tod erwartenden Kranken, der seinen Blick  auf die Schönheit der Welt und das Wunder des Lebens richtet, sind alle Facetten Gralls sorgfältig herausgearbeitet und reichhaltig dokumentiert.

Es entsteht ein Bild von einem engagierten, sensiblen und äußerst selbstkritischen Menschen, der nicht nur jede Art von  Ungerechtigkeit anprangerte, sondern stets versuchte, Geist und Besinnung in die technisierte moderne Welt, die ihm so zuwider war, zu bringen.
Dabei wird deutlich, dass Grall viel mehr war als nur ein Regionaldichter oder Provinzschriftsteller für die Bretagne. Sein Denken und seine  Gefühlswelt waren zutiefst keltisch: Träumer, rastloser Wanderer, Verehrer der Naturgewalten und Elemente.

Zwischen Euphorie und Verzweiflung oszillierend, vom Wunsch, in andere Welten vorzudringen bestimmt, was für die Tatsache, dass er als schwer Lungenkranker trotzdem stark rauchen musste,  bedeutsam war.

Seine Themen drehen sich um die Bretagne.
Seine Botschaft ist universell - die einer menschlicheren Welt.

Holger Naujokat

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