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Gwenaël Henry/An Naer Produksion
Gwenaël Henry
Gwenaël Henry/An Naer Produksion Gwenaël Henry
An Naer Produksion, das Team An Naer-Team

Dibenn

DIBENN

Hastañ
HASTAN
Leoned Fall
LOENED FALL

Michel Aumont
M. AUMONT

Jean-Michel Veillon & Yvon Riou VEILLON/RIOU
Spontus
SPONTUS
Bugel Koar
BUGEL KOAR
Kornog IV - die Reedition
KORNOG
AN NAER PRODUKSION
Interview mit Gwenaël Henry
www.an-naer.com/
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Hervorragende Aufnahmequalität, kunstvolle CD-Hüllen in originärem Format und als Interpreten die Crême der Musiker aus dem Trégor im Norden der Bretagne. Das sind die Markenzeichen von AN NAER PRODUKSION, deren Firmensitz im ländlichen Lézardrieu gar nicht so einfach zu finden ist (...beim Friedhof dann links die kleine Straße entlang...).
Der Abend mit Gwenaël (Gwen) Henry gestaltete sich wie immer sehr gemütlich und informativ - très sympa. Gwen ist außerdem noch Schatzmeister der UDB (Union Démocratique Bretonne) und hat gemeinsam mit Freunden vor zwei Jahren eine Firma ins Leben gerufen, die interaktive Segeltouren entlang der Küste des Trégor auf CD-ROM entwickelt und vertreibt ("Croisières Côtières", bislang drei Ausgaben).
Hier das Interview:


Zur Geschichte, zu den Wurzeln von An Naer?

1995 fing alles an. Wir waren beim Fest-Noz in Châteauneuf-du-Faou - da gibt es eine große bretonische Fête am Osterwochenende - und nach dieser durchgefeierten Nacht sind wir vormittags aufgewacht und wir Freunde haben uns gesagt..., gut, laßt uns eine Platte produzieren.

"Alle von uns im An Naer-Team haben damals schon Fest-Noz organisiert, wir waren alle schon seit einigen Jahren als Amateure im Musikbereich tätig. Die Produktion von Platten, das ergab sich in unseren Biografien dann ganz von alleine."

Es gab ein Frühstück, da haben wir diese Idee ins Leben gerufen und wir brauchten dann so etwa ein Jahr, um die Gesellschaft zu gründen. Im folgenden Jahr haben wir dann in Châteauneuf-du-Faou die Gründungsdokumente unterzeichnet und 1996 begannen wir mit der eigentlichen Produktion.

Alle von uns im An Naer-Team haben damals schon Fest-Noz organisiert, wir waren alle schon seit einigen Jahren als Amateure im Musikbereich tätig. Die Produktion von Platten, das ergab sich in unseren Biografien dann ganz von alleine.

Euer Team, da sind auch MusikerInnen mit dabei?

Ja, das heißt, als wir anfingen haben wir zuerst die Gruppe Pellgomz kontaktiert, aber die Gruppe hatte sich aufgelöst, trat nicht mehr auf seit 1995 und so mußten wir unsere Idee ändern. Wir machten den Musikern der Gruppe Dibenn den Vorschlag, ihre erste CD zu produzieren.
Da wir keine Mittel hatten, um sie zu bezahlen, haben wir ihnen vorgeschlagen, daß jeder von ihnen Teilhaber der Gesellschaft An Naer, die wir gerade ins Leben riefen, werden soll.

Also sind die Musiker, die heute Gesellschafter von An Naer sind, auch die ersten, mit denen wir eine CD aufgenommen haben. Es ging darum, sie für ihre Arbeit zu bezahlen, ihnen zu danken für das, was sie geleistet hatten.

Die CD von Dibenn begründete wohl auch den Beginn der Karriere von Annie Ebrel?

Annie Ebrel singt natürlich auch so bei den festoù-noz, aber sicherlich hat sie eine ganz besondere Leistung für Dibenn erbracht. Vielleicht hat ihr die Mitarbeit bei Dibenn auch andere musikalische Möglichkeiten aufgezeigt, als nur bei den festoù-noz zu singen.
Vielleicht hat ihr das die Augen für ihre Karriere geöffnet und es war tatsächlich ihre erste CD, die richtiggehend durchkonzipiert war, ihre erste große ausgearbeitete CD.

Das Team von An Naer, wer ist das eigentlich?

Gut, das sind eben die, die was tun. Es gibt 17 Teilhaber, fünf davon sind Musiker, die anderen 12 sind keine Musiker. Allerdings hat jeder doch irgendwie mit Musik zu tun. Wir sind keine Fachleute in der Musikproduktion.
Unter diesen 12 sind Bauern, ein Buchhalter, ein Steuerberater. Es sind tatsächlich alle möglichen Leute, Ingenieure etc... und alle taten sich zu Beginn zusammen, um eine CD zu produzieren. Alle haben dabei etwas gelernt und so, im Laufe der Zeit - wir wußten erst mal gar nicht, wie das alles funktioniert - ja, so fing das an.

Unsere einzige Gemeinsamkeit besteht darin, daß wir alle seit zehn, zwanzig Jahren diese Musik kennen und die meisten haben schon für verschiedene Organisationen festoù-noz organisiert, für die Diwan-Schulen, für Amnesty International, für die UDB (Union Démocratique Bretonne). Alle waren Organisatoren und so kennen wir die Musiker. Wir sind Akteure der bretonischen Kultur, aber wir haben niemals vorher Platten aufgenommen.

Ist das heute auch noch so oder gibt es mittlerweile Spezialisten?

17 Personen sind für eine aktive Organisation auf der einen Seite nicht viel, andererseits jedoch sind es zu viele, um in der Gruppe zu arbeiten. Um so viele Leute zusammenzubringen, dafür braucht man die Räumlichkeiten, viel Zeit zum Austausch, viele Ideen - das bedeutet aber tatsächlich auch wenig Effizienz.
Also, zwangsläufig - aufgrund der verschiedenen Berufe und unserer unterschiedlichen Motivation beschränkt sich die eigentliche Arbeitsgruppe auf fünf bis sieben Leute. Davon wiederum arbeiten etwa vier wirklich regelmäßig an den Projekten.

Gibt es eine Vision, die die Musik auszeichnet, die ihr für eine CD auswählt?

Das ist schwierig zu beantworten. Wie soll ich sagen, die Grundidee ist, gerade weil auch Musiker zu den Teilhabern von An Naer gehören, die Auswahl komplett den Musikern zu überlassen. Das heißt, die Struktur An Naer verlangt keine bestimmten technischen Kriterien. Es ist wirklich die jeweilige Musikgruppe , die sich entscheidet, ihre CD mit uns zu produzieren.

Sie haben dabei völlige Freiheit, was den Aufnahmeort angeht, ebenso wie die Methode, die Techniker und die Künstler, die das Layout gestalten.

"Die große idee ist die, daß die Künstler ihre CD so machen können, wie sie sich das vorstellen. Es gibt keine Vorgabe außer dem Format der CD-Hülle."

Die Rolle von An Naer besteht darin, die Mittel aufzutreiben, um das zu verwirklichen und eventuell auch darin, die richtigen Kontakte herzustellen, wenn die Musiker in einem bestimmten Punkt noch keine genaue Vorstellung haben.

Die große idee ist die, daß die Künstler ihre CD so machen können, wie sie sich das vorstellen. Es gibt keine Vorgabe außer dem Format der CD-Hülle. Die Künstler, die zu An Naer kommen, müssen trotz allem das Format von An Naer übernehmen. Das ist unsere einzige Bedingung.

Welche Kriterien gibt es die Auswahl der Musiker oder Musikgruppen, die von euch produziert werden?

Das ist unterschiedlich. Dibenn beispielsweise waren von anfang an dabei als Teilhaber. Einige kannten die Gruppe und so wurde das ganze Projekt mit Dibenn geboren, weil man eine CD von ihnen produzieren wollte. Die Musiker kamen, weil sie wußten, daß sie alles verlangen konnten, was sie wollten und wir stellten ihnen alles zur Verfügung, was sie benötigten.

Danach, bei den folgenden Gruppen, zum Beispiel bei Leoned Fall, da waren wir von An Naer vielleicht die ersten, die die Gruppe zu schätzen wußten, weil wir die festoù-noz kennen. Wir sind in der Region sehr viel unterwegs, und wir schätzten schon seit langem die musikalischen Qualitäten von Leoned Fall. So waren es eben wir von An Naer, die Leoned Fall fragten, ob sie eine CD aufnehmen wollen. Sie selber waren bisher noch gar nicht auf diese Idee gekommen. Sie überlegten sich die Sache und sie haben zugestimmt. Voilà!

Mittlerweile gehen bei An Naer die Vorschläge ein, die Musiker schreiben uns, schicken uns ihre Demo-Bänder, die wir uns immer wieder anhören, bis wir beschließen, eine CD mit einer bestimmten Gruppe aufzunehmen.

"Eines der Kriterien, das ist die Reife der Gruppe, das heißt, es gibt zwar sehr gute Gruppen junger Musiker in der Bretagne, aber wir sind der Meinung - auch wenn sie sehr gute Fest-Noz-Performer sind, daß sie noch nicht reif sind für eine CD."

Das ist inzwischen echt schwierig geworden, da wir nur eine kleine Gesellschaft mit beschränkten Mitteln sind. Wir können nicht mehr als vier CDs pro Jahr produzieren und es sind zu viele, die sich an uns wenden. Das übersteigt unsere Kapazitäten.
Wir müssen also eine Auswahl treffen, das ist nicht einfach, aber es ist nun mal so. Wir müssen uns entscheiden. Wir können nicht alle produzieren.

Wovon hängt dann die Auswahl ab? Von der Qualität einer Musikgruppe?

Eines der Kriterien, das ist die Reife der Gruppe, das heißt, es gibt zwar sehr gute Gruppen junger Musiker in der Bretagne, aber wir sind der Meinung - auch wenn sie sehr gute Fest-Noz-Performer sind, daß sie noch nicht reif sind für eine CD.
Die Leute, die wir produzieren, halten wir für reif und wir glauben, daß der Moment für sie gekommen ist, eine CD zu veröffentlichen. Das, was sie präsentieren, verdient es auf CD veröffentlicht zu werden.

Andere Gruppen spielen sehr gut, aber sie sind als Musikgruppe noch zu jung. Ihre Musik hat noch nicht die erforderliche Reife. Sie sind noch im Kommen und sie sind noch nicht auf der Höhe ihres Könnens. Von ihnen kann man dann später mal eine CD veröffentlichen.

Wie ist es um die wirtschftliche Situation von An Naer bestellt?

Das Format unserer Hüllen kostet viel, das kostet viel mehr Geld als das herkömmliche Format. Wir haben von Anfang an eine Mindestauflage von 3.000 CDs vorgegeben. Das ist nicht zwangsläufig bei allen Gruppen der Fall, aber um den Preis zur Herstellung der Hülle niedrig zu halten, müssen wir von einer Mindestauflage ausgehen.
3.000 Exemplare, das ist auch unser tatsächliches Verkaufsziel, und wir wissen so im Großen und Ganzen, daß ein Projekt sich schließlich amortisiert, wenn wir in diesem Rahmen bleiben, wenn wir nicht ein Budget von 200.000 Francs überschreiten, aber 3.000 CDs verkaufen. Das sind so die Schlüsselzahlen von An Naer.

An Naer konnte mittlerweile auch eine Reihe von Sponsoren gewinnen?

Ja, das heißt, nach einigen Jahren haben wir entdeckt, daß alle professionellen Produzenten im Musikgewerbe den entsprechenden Dachorganisationen angehören. Diese Verbände sammeln Geld - das sind Gebühren, die die Radiosender für die Senderechte zahlen oder auch Abgaben vom Handel - und diese Gelder werden umverteilt in Form von Subventionen für die Produktion von CDs.

"Ja, ich glaube, daß man in der Region inzwischen begriffen hat, daß die Musik eine Visitenkarte ist, daß die Beteiligung an der Finanzierung einer CD bedeutet, eine Visitenkarte zu finanzieren, die natürlich in der Bretagne vertrieben wird, aber auch zu einem gewissen Anteil außerhalb."

Schließlich haben wir dann auch gelernt, die entsprechenden Anträge vorzulegen und Gelder aus diesen Töpfen anzufordern, um Subventionen für unsere CDs zu erhalten. So ist es uns möglich, CDs zu veröffentlichen, die mehr kosten als die üblichen CDs, ... das heißt diese Unterstützung trägt dazu bei, unsere Unkosten auszugleichen.

Viele bretonische CDs tragen die Logos der verschiedenen Sponsoren, vom Conseil Culturel, Ouest-France etc. das scheint eine bretonische Besonderheit zu sein, daß sie von offizieller Seite und von der Wirtschaft gesponsort wird?

Ja, ich glaube, daß man in der Region inzwischen begriffen hat, daß die Musik eine Visitenkarte ist, daß die Beteiligung an der Finanzierung einer CD bedeutet, eine Visitenkarte zu finanzieren, die natürlich in der Bretagne vertrieben wird, aber auch zu einem gewissen Anteil außerhalb. Und die Tatsache, daß die Logos der Region auf den Hüllen zu sehen sind, das ist Teil der Kommunikationspolitik der offiziellen Institutionen. Sie haben das verstanden. Den Musikern und den Plattenfirmen hilft das ziemlich.
Das ist ein Austausch von Dienstleistungen. Sie helfen und finanziell und wir machen Werbung für die Region, für die Départements und für die Lokalradios, die uns beim Vertrieb helfen. Wir übernehmen also die Logos, zum Beispiel vom Institut Culturel, das uns sehr oft unterstützt, von der Gewerkschaft der Produzenten und so weiter.
Das wechselt mit den Gruppen, mit den CDs. Voilà!

Welches sind eure nächsten Projekte?

Die nächsten Projekte von An Naer... also im Laufe des Oktober werden wir voraussichtlich zwei CDs herausbringen. Einmal die CD der Gruppe Bugel Koar, was soviel heißt wie "Das Wachskind" (so Voodoo-mäßig), das heißt, eine Puppe zum verhexen.
Bugel Koar, das sind Marthe Vassallo als Sängerin und Philippe Olivier (Dibenn) an diversen accordéons diatoniques plus Gastmusiker auf einigen der Titel. Das ist keine Tanzmusik, es ist ein "spectacle", das es auch als Theateraufführung gibt (die öffentliche Premiere fand im Februar im Trégor statt). Eine Tournee ist im Anschluß an die Veröffentlichung des Albums angesetzt. Einige Termine in der Bretagne stehen bereits fest. Das ist die eine CD.

Und zum ersten Mal werden wir eine Wiederveröffentlichung herausbringen. Die Gruppe Kornog ist dabei, sich neu zu formieren, nach einer Pause von mehr als zehn Jahren, und wir werden ihre vierte Platte als CD neu aufnehmen und abmischen. Diese Platte gibt es bisher nur auf Vinyl, sie ist noch nie als CD in den Handel gekommen. Voilà! Das ist für An Naer eine Premiere.

Danach gibt es noch ein längerfristiges Projekt. Das ist eine CD von Bernez Tangi. Bernez Tangi ist ein Dichter, der in der Bretagne sehr bekannt ist. Er lebt im Zenrum der Bretagne. Vor etwa 20 Jahren war er Mitglied der Gruppe Storlock, einer Rockgruppe mit bretonischen Texten und er hat in den letzten Jahren einige Texte geschrieben - neue Texte. Das hat nichts traditionelles. Das ist etwas ganz neues, zeitgemäßes und er ist einer von wenigen, die das in der Bretagne machen.
Die Texte sind bereits alle fertig und jetzt ist er dabei, die Texte zu vertonen. Das ist ein Projekt, dessen Realisierung länger dauern wird. Die CD wird 2001 erscheinen, wahrscheinlich im Herbst, eben sobald sie fertig ist. Voilà!


(Interview und Übersetzung: Willi Rodrian, 2000)

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