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CD Arz Nevez: Pevar en avel
Arz Nevez
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Arz Nevez
Arz Nevez bei einem Konzert in Montréal (Québec), das von der 'association des bretons du Canada' veranstaltet wurde
Arz Nevez bei einem Konzert in Montréal (Québec), das von der 'association des bretons du Canada' veranstaltet wurde

Arz Nevez

von Dominique Le Guichaoua
(in: Trad Magazine N° 73: 22/23)

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Bereits lange bevor Yves Ribis als Gitarrist bei Alan Stivell und Hubert Félix Thiéphaine spielte und bevor er die Gruppe Glaz gründete, kannte er die Tourneeatmosphäre genauso gut wie das ständige unterwegs sein. Eines Tages traf er auf Yves Duteil, der in einem Streichensemble spielte, gemeinsam mit dem Gitarristen Joel Favreau und dem Geiger Michel Ripoche. Das Quartett Arz Nevez, das 1998 aus diesem Ensemble hervorging, schlägt jetzt seinem ihrem jugendlichen Elan einen Weg ein, der sowohl originell als auch friedlich die traditionelle bretonische Musik, die klassische Sprache und übernommene zeitgenössische Elemente vereint. Es öffnen sich neue Türen...

Woher stammt die Idee zu diesem Streichquartett?

Das begann vor 10 Jahren. Als meine Zusammenarbeit mit Alan Stivell 1991 zu Ende ging, habe ich einiges an Erinnerungen mitgenommen. Ich setzte mich oft ans Klavier um unter anderem Enez Eussa wieder zu spielen und versuchte dabei Harmonien und neue Arrangements zu schreiben... ich dachte mir, daß dies gut zu einem Streichquartett passen würde. Ich schrieb ein erstes klassisches Arrangement von Enez Eussa, indem ich das Thema und die Harmonie notierte, um alle Nuancen wirklich gut zu hören. Ich hatte nun also zwei Möglichkeiten: ich konnte die Partituren mit einem echten Quartett spielen oder, wie es dann auch der Fall war, sie in den Computer. Ich machte weiter damit und schrieb einige kleine Stücke, aber das blieb lange "in der Schublade".
Als ich die Gruppe Glaz verließ, waren da zwei Projekte: die Wiegenlieder (auf der CD Kalon eur Vamm) und natürlich das Quartett. Schließlich gründete ich vor zweieinhalb Jahren ein Quartett. Das Quartett war das erste Mal bei zwei Stücken auf der Wiegenlieder-CD in Erscheinung getreten, weil ich die Idee interessant fand, die Stimme von Sophie le Hunsec mit dem Quartett. Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, ein Album zu veröffentlichen.

Wie wurden diese Musiker zusammengebracht?

Nach einem ersten Versuch gruppierte sich das Ensemble erst einmal um Hélène le Flécher-Kalonneg, die normalerweise im Orchester FIL (Festival Interceltique de Lorient ) spielt und die in der Schule von Guidel unterrichtet. Youenn Lorec lernte ich bei FIDIL, dem Violinensemble von Lorient kennen. Er ist sowohl in der traditionellen wie auch der klassischen Schule zuhause und das ist das entscheidende Element, das mich interessiert. Kristina Omnès in ihrer Eigenschaft als Cellistin kennt auch das bretonische Umfeld sehr gut. Was Eric Lavarec betrifft so stammt er aus Quimper und tritt regelmäßig mit dem Cercle Celtic Eostiged ar Stangala auf, für das er einige musikalische Arrangements geschrieben hat.

Und die Komposition, die Auswahl der Themen?

Ich bin vor allem ein Bluesgitarrist und danach kommt dann der Rock. Ich habe schon so einiges an Musik gehört, unter anderem John Mc Laughlin mit dem Mahavishnu Orchestra und Shakti. Das hat mich wirklich beeindruckt. Zur gleichen Zeit studierte ich einige Jahre, und in dieser Zeit entdeckte ich die Klassik, Autoren und ihren Ansatz.

"Die Leute ordnen die traditionelle Musik der Vergangenheit zu, was für meine Begriffe ein Irrtum ist, den man nicht einfach so stehen lassen kann. In der bretonischen Musik muß man vor allem die zeitgenössische Seite zeigen."

Das hat mich außerordentlich weitergebracht. Über einen Freund in Lorient entdeckte ich Arvo Pärt und seine zeitgenössischen, leicht verdaulichen Werke, die mich ungeheuer beeindruckt haben. Die Leute ordnen die traditionelle Musik der Vergangenheit zu, was für meine Begriffe ein Irrtum ist, den man nicht einfach so stehen lassen kann. In der bretonischen Musik muß man vor allem die zeitgenössische Seite zeigen. Wie auf dem Album Kren an Noz, das vor kurzem von Jean-Michel Veillon komponiert wurde. Darüber hinaus habe ich eine besondere Vorliebe für das wunderschöne Stück Itron Varia Rostren. Das war auch das erste Stück, bei dem ich Dan ar Braz gehört habe (Stivell hat daraus Spered Holvedel gemacht, das auf der Platte Live at Dublin zu hören ist). Die Gitarre hat mich sofort gepackt. Ich habe einen Weg gesucht, diesem Choral ("cantique") eine Art mystische Dimension zu verleihen.... Ich bat Jean-Michel Veillon auf verschiedenen Themen zu improvisieren und machte daraus eine Montage.

Warum habt ihr dem Quartett eine Stimme und einen Instrumentalisten hinzugefügt?

Dafür gibt es viele Gründe. Viele Leute, die ausschließlich Klassik hören, sind manchmal von der Schönheit der Melodien berührt. Das Biniou Koz und die Bombarde stoßen sie eher ab, weil sie schwieriger zum Anhören sind. Wenn nun also ein "hochheiliges" Quartett diese Melodien spielt und ein bißchen was hinzufügt, dann ist die Chance größer, das Publikum zu fesseln. Ich habe nicht den Anspruch, wie die klassischen Komponisten zu schreiben.

"Dennoch sollte Arz Nevez eine Musik machen, die populär ist und das Quartett aus seiner "Unberührbarkeit" herausholt, so daß es dem Quartett möglich ist, überall zu spielen..."

Ich will den klassischen Musikern, die sich darüber mokieren, daß die bretonische Musik bei uns nicht so sehr im Vordergrund steht, wie es auf den ersten Blick scheint, zeigen, daß da einiges an echter Arbeit über Intervalle, Ornamentik und Rhythmik drinsteckt, die auch in einem gewissen zeitgenössischen Rahmen eingebettet ist. Wir stehen da noch ganz am Anfang!

Dieses Einsetzen der bretonischen Musik in einem klassischen Kontext ist nicht neu. Gab es da noch andere Versuche in der Vergangenheit?

Der "Cercle Celtique von Rennes" hat einen Versuch gemacht, indem er Arrangements für Streichquartette schrieb.Darüber hinaus hörte ich bei Jean-Marie Airault (ich arbeite mit ihm für Mouzhiou Paotred Breizh, den bretonischen Männerchor) Werke von Pierre-Yves Moigne und ich habe die Partitur eines ungeheuer schönen Stückes gesehen, daß eine perfekte Harmonie besitzt. Die Tradition der bretonischen Musik gründet sich nicht wirklich auf dem Akkord, es ist vielmehr die Melodie, im Vordergrund steht.
Dennoch sollte Arz Nevez eine Musik machen, die populär ist und das Quartett aus seiner "Unberührbarkeit" herausholt, so daß es dem Quartett möglich ist, überall zu spielen und natürlich geht es vor allem darum, daß Arz Nevez weiter danach strebt, eine Musik zu machen, die sich allen erschließt.

Wohin wird das Quartett sich weiterentwickeln?

Zuerst geht es natürlich darum so viele Auftritte wie nur möglich zu absolvieren. Dann wollen wir Alben produzieren mit Gästen wie zum Beispiel Iron Horse, meinen irischen Freunden. In einer anderen Richtung würde ich auch gerne mit synthetischen Klängen arbeiten, experimentieren, um etwas zu finden, das kraftvoll genug ist. Ich möchte vor allem das Vorurteil widerlegen, daß diese Musik ein bißchen langweilig, einschläfernd ist. Deswegen lege ich großen Wert auf tanzbare Musik. Ich möchte gerne, daß Arz Nevez weiterhin traditionelle oder besser gesagt bretonische Musik macht.
Das erste Album bildet lediglich einen Anfang. Man spricht darüber, als sei es klassische Musik, vermutlich weil die Instrumentierung diesen Schluß nahelegt. Aber ich habe Lust, die Gruppe mit vielen unterschiedlichen Techniken arbeiten zu lassen. Heute zum Beispiel improvisieren wir mit Youenn (Le Bihan). Wir beginnen damit, die Gitarre und die Geige bis zu einem gewissen Punkt aufeinander abzustimmen. Diese Dinge will ich möglichst bald mit allen Mitgliedern weiterentwickeln. Im Zusammenspiel zwischen Biniou und Bombarde gibt es spontane Entwicklungen in der Melodie. Es wäre toll, all diese "Pirouetten" hinzufügen zu können, die ein Bombarde-Spieler oder ein Biniou-Spieler ausführen können.
Die Konzerte mit dem Quartett (1) eröffne ich mit drei Stücken auf der Akkustikgitarre, dann kommen die Streichern dazu und ich denke darüber nach, eventuell auch die Melodie Itron Varia Rostren auf der Elektrogitarre einzubauen. Zu meiner großen Überraschung finde ich daß das sehr gur zusammenpaßt. Außerdem fände ich es toll, wenn das Quartett offen genug wäre, um mit Musikern anderer Gruppen zusammenarbeiten können oder auch, daß wir uns bei bereits eingespielten Gruppen einklinken können.

(1) Yves Ribis wird ebenso mit Fidil, einem traditionellen Violinensemble aus Lorient, mit Sophie le Hunsec und mit Gilles Thoraval, der Kinderlieder singt, auf der Bühne zu sehen sein.

(Übersetzung: Petra Rodrian)

Kontakt Arz Nevez:
Gabriel Aubert/Molène Musiques
BP 90205
F-35102 RENNES Cedex 3
Tel.: 0033-2-99 79 28 28
Fax: 0033-2-99 79 22 11


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