Das Duo Guerbigny & Thébaut: Interview am 25.März 2002, Pasinger Fabrik

Benoît Guerbigny und Robert Thébaut haben mit ihrem Debutalbum "Le pieds sur la Braise" etliche Auszeichnungen eingeheimst ("fff" Télérama, "recommandé" Repertoire, "bravos" TradMag) und ziehen seit einiger Zeit als Botschafter der traditionellen Musik und Tänze des Poitou (im Süden der Bretagne) durch die Lande.

So verschlug es sie nun vor kurzem auch nach München (23. und 24.März 2002), wo sie auf Einladung des Bal Folk e.V. München 2 Tage lang Workshops veranstalteten und einen Bal Folk musikalisch bestritten.

Diese Gelegenheit nahm ich natürlich wahr, um einige Photos vom Workshop am vergangenen Sonntag zu machen und die beiden zu einem kurzen Interview zu bitten.

Am 24.März in der Pasinger Fabrik: Akkordeon-Workshop mit Benoît Guerbigny (ganz rechts oben) und Robert Thébaut. Veranstaltet vom Bal Folk München e.V. Ihr seid beide gebürtige Pariser. Wie kam es dazu, dass ihr jetzt die Musik aus dem Poitou spielt ?

Robert Thébaut (R.T.): Nun ja, das sind zwei verschiedene Geschichtenů

Benoît Guerbigny (B.G.): Wir spielen seit Januar als Duo zusammen. Bei mir war das so, dass ich in den Ferien als Straßenmusiker unterwegs war und dabei einen anderen Straßenmuiker getroffen habe, der auch Akkordeon spielte. Den fragte ich dann, was er spielt, weil es mir gut gefiel.
"Das ist eine Maraîchine" sagte er, "und ich spiele auch den Avant-Deux..." "Wo spielt man das ?" fragte ich. "Im Poitou" war die Antwort und ich musste erste inmal nachfragen, wo das überhaupt ist, das Poitou. Er lud mich dann zu sich nachhause ein nach Poitier in der Nähe von Parthenay... und so bin ich dann dorthin gekommen und geblieben.

Robert Thébaut und eine Workshop-Teilnehmerin Die traditionelle Musik habe ich schon vorher für mich entdeckt, ich spielte auf den Bal Folk-Veranstaltungen in der gegend von Paris, in den Pays de la Loire - überall ein bisschen - und dann habe ich herausgefunden, was im Poitou anders ist: wenn man dort einen Scottish spielt, oder einen Avant-Deux, dann gibt es da immer eine Geschichte, die mit der Musik verbunden ist. Da steckt eine ganze Kultur dahinter.

Ich treffe da einen Musiker, der spielt eine Melodie, das ist ein "Avant-Deux à Bregeon", der zum Beispiel aus Bregeon stammt. Der Musiker kam auch von dort und bei einem Café erzählt er dann die Geschichte, die mit diesem Stück und anderen Stücken aus der gegend verbunden ist. Das hat einen ganzen Samstag gedauert.

Das hatte einen ganz bestimmten Charakter, ganz eigene Feinheiten. Wieder ganz anders wie die Avant-Deux im nächsten Dorf. Und das war etwas ganz besonderes, auch die Art zu tanzen - das ist so die Geschichte.
Benoît Guerbigny beim Akkordeon-Workshop R.Thébaut (R.T.): Ich bin dorthin gekommen, weil die Familie ins Poitou gezogen ist und es war mein Bruder, der mich mit der Tradition des Poitou bekannt gemacht hat. Er ist sehr bald in einen Verein eingetreten, die sich der Erforschung der regionalen Kultur befasste, Tanz, Kultur und Musik im Poitou. Ich habe bei diesem Verein dann auch für einige Jahre mitgemacht. So bin ich dann auch zur regionalen Musik gekommen.

Die CD "Les pieds sur la Braise", das ist eure erste gemeinsame CD. Wir kommt sie bei den Leuten an ?

B.G.: Ja, sehr gut. Die CD wurde ja bereits mehrmals ausgezeichnet und lobend erwähnt: "fff" télérama, "bravo" Trad Magazine und "recommandé" Répertoire". Wir haben auch einen Vertrieb, einen Manager und das macht eine Menge aus.

Der Vertrieb läuft bereits gut in Frankreich und in einigen anderen Ländern. Nach Deutschland gibt es wohl auch schon einen Kontakt, ich glaube das läuft ganz gut. Wir haben da volles Vertrauen.

München ist eure letzte Station in Deutschland ?

Benoît Guerbigny, ein exzellenter Musikpädagoge R.T.: Ja, wir haben am 2. und 3. März in Freiburg gespielt, am 9. und 10. in Fulda und jetzt sind wir hier in München. Für's erste war das dann in Deutschland. Aber wir würden sehr gerne wiederkommen. Es gefällt uns sehr gut hier und es klappt auch alles hervorragend.

Gestern abend, beim Bal Folk, da war wohl ganz schön was los hier in der Pasinger Fabrik ?

B.G.: Ja, es waren gut 100 Leute hier zum Tanzen und es hat uns echt viel Spaß gemacht.

(Interview und Photos: Willi Rodrian, 2002)

weitere Informationen zur Musik im Poitou:
Sylvie Mouroux
La Chevrochère
79200 Pompaire
Tel.: 0033-5-49 94 02 61
e-mail: mourouxsy@district-pathenay.fr