Michel BESCONDMichel Bescond, der neue Direktor von Coop Breizh in Spézet


"Der neue Direktor bei Coop Breizh"
(Spézet, den 25.Mai 2001)














Michel BESCOND, Jahrgang 1951, übernahm im Februar 2001 die Leitung von Coop Breizh in Spézet. Er steht damit in der Nachfolge von Yann Goasdoué und Jean Louis Le Vallégant und ist für die Produktion und den Vetrieb bretonische Musik und Literatur des größten bretonischen "Produzenten" verantwortlich.

Wie sieht er sei zukünftigen Aufgaben bei Coop Breizh ?


Worin besteht Ihre neue Tätigkeit bei Coop Breizh ?
Coop Breizh in Spézet, von hier stammen gut 2/3 der bretonischen Produktion an CDs und Büchern
Seit Mitte Februar bin ich bei Coop Breizh. Davor war ich einer der Mitbegründer von Le Chasse Marée, einem Verlagshaus, das in Douarnenez Zeitschriften herausgibt (Anm. d. Verf.: die beiden Zeitschriften "Le Chasse Marée" und "ArMen"). Begonnen habe ich ursprünglich als Journalist. Dann wurde ich Herausgeber und bei Coop Breizh bin ich nun für die Produktion und der Vetrieb von Musikträgern und Büchern zuständig. Das ist so ganz generell das, was wir hier in Spézet tun. Wir sind 30 Mitarbeiter in Spézet und unser Unternehmen existiert jetzt seit über 40 Jahren.

Wie sieht es denn so mit der Planung für dieses Jahr und die nähere Zukunft aus, welche Projekte stehen an ?

Seit einigen Jahren, auf Betreiben von Jean-Louis Le Vallégant und vorher von Yann Goasdoué, hat sich die Plattenproduktion vor allem auf die der sogenannten traditionellen Musik spezialisiert. Ich bezeichne das gerne als (pur et dûr) "pur und hart" (so im Sinne der Tradition "binioù & bombarde"), beziehungsweise in einem sehr traditionellen Sinn des Wortes. Man kann das auch als neue Tradition ("novelle tradition") bezeichnen.
Das sind dann MusikerInnen, die eine Musik machen, die in sich weiterentwickelt, die die verschiedenen Genres miteinander mischt, Leute wie Patrick Molard und Erik Marchand.

Gibt es momentan aktuelle Projekte bei Coop Breizh ?

Ja, zum Beispiel werden wir mit Marcel Gouillou ein sehr traditionelles Album aufnehmen. M.Gouillou ist seit vielen Jahren der "compère" von Yann-Fanch Kemener und als Gäste werden an dieser CD auch Annie Ebrel und Erik Marchand beteiligt sein.
Michel Bescond, Jahrgang 1951, übernahm im Februar die Leitung des größten bretonischen Produktionshauses
Das wird vor allem eine hommage an Marcel Gouillou werden. Dann werden wir auch eine neue CD mit Soig Sibéril aufnehmen (Anm.D.Verf.: die CD "GITAR" ist bereits im Handel). Wie Sie wissen ist S.Sibéril ist ein großer Gitarrist. Voilà, das sind unsere beiden wichtigsten Projekte für die kommenden Monate, aber es gibt dann auch noch etwas bescheidenere Projekte: wir halten es für genauso wichtig, Alben weniger bekannter MusikerInnen aufzunehmen, und es ihnen so bei uns zu ermöglichen, ihre erste oder zweite CD aufzunehmen.

Wie verkaufen sich die CDs der weniger bekannten MusikerInnen ?

Nicht immer sehr gut, aber das verschafft ihnen doch eine gewisse Anerkennung, auch wenn diese lediglich auf die Region beschränkt ist, aber sie fühlen sich anerkannt. Das ist nicht das große Geschäft, das bringt nicht viel Geld ein, aber letzten Endes ist es für die Leute doch eine große Chance, sich weiterzuentwickeln und mit der Musik weiterzumachen, für die sie sich entschieden haben.

Bei dieser Gelegenheit muß man daran erinnern, dass die Bretagne die französische Region mit dem größten Anteil an "musique vivante" ist. Überall in der Bretagne finden jede Woche mehrere Konzerte statt an tausenden von Orten, das ist unglaublich.

Wie steht es mit der Promotion für die bretonische Musik außerhalb der Bretagne ?

Nicht so gut. Bislang interessieren sich für die bretonische Musik, was auch immer darüber gesagt wird, vorwiegend die Leute in der Bretagne, oder die "Emigranten", die in Paris leben. Eben diejenigen, die nicht mehr hier leben, die aber starke Bindungen an die Bretagne bewahrt haben. Die bretonischje Musik hat es bis heute noch nicht geschafft, die Grenzen der Bretagne zu überschreiten.

Und wie steht es mit dem Projekt einer website von Coop Breizh, wird weiter daran gearbeitet ?

Das werden wir machen, ja. Die Seite wird es im Laufe der kommenden Monate geben. Ich glaube zwar nicht, das wir uns davon große Gewinne erwarten können, aber der Profit wird zweifellos ein kultureller sein. Ich persönlich glaube, dass wir unsere Informationen auch außerhalb der Bretagne verbreiten müssen und das Web ist dafür ein sehr guter Bereich. Die Leute, die Platten bestellen, befinden sich überall in der Welt, wir können sie über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden halten und man kann sich auch kurze Stücke anhören, die ihnen Lust machen, mehr darüber zu erfahren.

Vielen Dank für das Interview !

(Interview und Übersetzung: Willi Rodrian, 2001)