Das ist der Cobbler vom Cobbler's




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Für die Münchner Szene ist das Cobbler's Irish Pub bislang noch eher ein Geheimtip. Auch ich selber bin erst vor kurzem durch einen Zufall auf diese Oase keltischer Musik draußen vor den Toren Münchens aufmerksam geworden: als die bretonische Gruppe Bleizi Ruz im vergangenen Herbst in der Pasinger Fabrik in München zum Tanz aufspielte, interviewte ich den Sänger der Gruppe, Eric Liorzou.
Dabei erzählte er mir, dass die Gruppe eine Woche später auch einen Auftritt im Cobbler's in Germering hatte. Klar, daß ich mir das nicht entgehen ließ - und so entdeckte ich das Cobbler's.

Im Keller des bekannten Schusterhäusls (Biergartenbetrieb im Sommer) kann man zum einen das "beste Guinness jenseits von Irland" trinken, zum anderen organisieren die Betreiber des Cobbler's jedes Jahr von September bis April "The Celtic Concerts". Ein- bis zweimal im Monat kann man dann größtenteils herausragende MusikerInnen oder Gruppen der lokalen irischen Musikszene besuchen.
Und in der aktuellen Konzertsaison 2001/2002 wagten die Macher zum ersten Mal sogar den Sprung in die internationale Szene und verausgabten sich finanziell, indem sie Gruppen und MusikerInnen aus Irland, Schottland und der Bretagne buchten.


Am Anfang der Irland-Begeisterung meiner beiden Gesprächspartner Peter Brigel und Martin Kern-Emden stand die Begeisterung für die irische Musik ebenso wie die Faszination, die die "grüne Insel" als solche mit ihrer keltischen Kultur auf sie ausübte, damals Ende der 70er Jahre.

Wie viele andere Jugendliche auch waren die beiden stark beeindruckt vom damaligen Revival der keltischen Kultur(en). Folk lag im Trend, Weltmusik gab es noch nicht und die Iren, die Schotten (und manchmal auch die Bretonen, man denke nur an Stivells Celtic Rock) waren voll im Aufwind.

Die Tannahill Weavers, Planxty, Ossian, die McCalmans und nicht zuletzt das Irish Folk Festival inspirierten mit ihren archaischen Instrumenten und Klängen die Folkszene jenseits des Kanals bis hinunter in den bayerischen Süden.

Martin Kern-Emden: schenkt das beste Guinness westlich von Irland aus! "Das wichtigste für mich, das waren die McCalmans, deshalb war mir das auch wichtig, dass wir die jetzt wieder da haben, aber auch Ossian war damals sehr wichtig, Planxty, Boxty Band - die Bands, die eigentlich für mich heute immer noch der Inbegriff des Folk-Revivals sind." (Martin K.-E.)

1982 unternahmen die Freunde dann eine erste Radltour durch Schottland und sie wurden in ihrer Begeisterung und Faszination vor Ort vor allem durch die große kulturelle Vielfalt dieser Regionen bestärkt. Es folgten weitere (Radl-)Touren, später dann auch nach Irland. "Die Begegnung mit der irischen und keltischen Musik fand dann allerdings eher in Deutschland statt" so Martin K.-E..

In Irland besuchten und suchten sie natürlich die Pubszene und schauten den lokalen Musikern ganz genau auf die Finger.

Die Begeisterung kannte kaum Grenzen und während der eine die Geschichte der britischen Inseln zu studieren begann, landete der andere im Münchner Musikgeschäft - die Fäden liefen dann wieder zusammen beim gemeinsamen Musizieren. Dabei fing eigentlich alles mit einer ganz und gar unkeltischen Gruppe "Querformat" in der damaligen Germeringer "Neue Welle-Szene" an. Diese Art von Musik wurde allerdings bald langweilig und bald erschien die Folkmusik interessanter.

Peter Brigel, verantwortlich für die PR Das Ergebnis war unter anderem eine Gruppe namens "Fairytale", von der es sogar Plattenaufnahmen gibt und mit der Martin als Tontechniker auch etliche Auftritte hatte.
Damit einher ging auch das Interesse an dieser "alten", traditionellen Musik und an den dafür typischen Instrumenten wie Dudelsack und Drehleier. Der alte Dudelsack, den Martin damals selber gebaut hat ("leider hat er nicht wirklich zum Erlernen des Instruments getaugt..."), hat noch heute seinen Ehrenplatz im Pub.

"Das war mal so eine Zeit, wo mich vor allem die mittelalterliche Musik interessiert hat - dann die alte Alpenländische Musik, wo ich versucht habe zu erforschen, was es denn an Bordunmusik so gab/gibt im alpenländischen Raum, aber da war irgendwie nix, da waren keine vernünftigen Quellen aufzutreiben." (Peter B.)

Peter spielte in dieser Zeit vor allem Gitarre, Baß und Keyboard. Nachdem er jedoch viel beruflich unterwegs war, nahmen die musikalischen Aktivitäten ein Ende.

Zum Darten treffen sich die Freunde von damals immer noch im 'Keller' Lediglich zum "darten" traf man sich weiterhin regelmäßig und pflegte so ein wenig die irischen Traditionen. Als Raum dienten die alten Kellerräume im Waldgasthof Schusterhäusl, der von den Geschwistern Zerle geführt wurde. Mit deren Kindern hatte man die Schulbank gemeinsam gedrückt und der ehemalige Kartoffel- und Kohlenkeller war irgendwann einmal in den 60er Jahren vom Allinger Fußballverein notdürftig als vorübergehendes Vereinsheim eingerichtet worden - solange, bis es ein richtiges Vereinsheim gab. Aber zum "darten" einmal die Woche war das gerade recht.

1995 schließlich stand für Peter und Martin eine beruflich Neuorientierung an, sie waren arbeitslos und überlegten, wie man die Zukunft gestalten könnte. Und die Idee, eine Wirtschaft aufzumachen schien durchaus realistisch. Der Irland-Hintergrund ließ es auch ganz logisch erscheinen, es mit einem Pub zu versuchen und gemeinsam mit drei weiteren Freunden nahm dieser Gedanke schnell feste Formen an.

"Wir haben uns gedacht, wenn wir das wirklich im Keller vom Schusterhäusl machen, dann muß es aber was anderes sein als eine bayerische Wirtschaft - und von was habe ich ein bisserl eine Ahnung, von Irland, von Schottland." (Martin K.-E.)

Im Frühjahr 1996 fiel die Entscheidung, man war sich sicher, dass es zu schaffen sei und die konkreten Vorbereitungen begannen. Abgesehen von den handwerklichen und technischen Arbeiten, die zu bewältigen waren, mussten natürlich auch die behördlichen Hürden genommen werde.

Stolz auf ihren Pub: Martin Kern-Emden und Peter Brigel Aber mit viel persönlichem Einsatz, eigenem Arbeitseinsatz und der Hilfe von Freunden ging es gut voran und im Januar 1997 wurde das Cobbler's Irish Pub im Schusterhäusl zu Germering eröffnet.

Das Pub kam schon im ersten Jahr sehr gut an und der traditionelle Dartabend am Mittwoch wurde beibehalten. Am Anfang war das Cobbler's immer von Freitag bis Sonntag geöffnet und sinnigerweise legte man von Anfang an eine Sommerpause ein (Mai bis August), da in der Open-Air-Saison die meisten Leute oben im Biergarten "hängen bleiben".

Zwischendurch wechselten auch mal die "Gesellschafter", mit dabei waren und sind aber von Anbeginn meine beiden Gesprächspartner Peter und Martin. Während Martin derjenige ist, der das Pub tatsächlich hauptberuflich betreibt, davon lebt und "das beste Guinness jenseits von Irland" ausschenkt, kümmert sich Peter hauptsächlich um die Öffentlichkeitsarbeit, das Sponsoring und um die professionell gemachte Website des Pub. Während sich Peter und Martin gemeinsam für die Auswahl der Musik und die Organisation der Konzerte verantwortlich zeichnen, ist Birgit für die Buchhaltung zuständig.

Herzlich willkommen im Cobbler's "Das mit den Konzerten ist letztendlich vor allem eine Liebhaberei - davon kann man wirklich nicht leben" - so Peter Brigel. Die Konzerte machen mit allem drum und dran wahrscheinlich 1/3 der Arbeit aus, auf der anderen Seite aber nur 20% des Umsatzes und lediglich 10% des Gewinnes.

Die Konzerte haben sie aus Liebhaberei angefangen und angesichts dieser Zahlen ist es auch nur so verständlich, dass die beiden weiterhin so viel Arbeit und Energie dafür aufbringen, Ihrem Publikum jedes Jahr auf's neue ein exquisites Veranstaltungsprogramm anzubieten.

Um so erwähnenswerter, dass man in der Saison 2001/2002 erstmals das Wagnis unternommen hat, ein internationales Veranstaltungsprogramm auf die Beine zu stellen mit für München durchaus herausragenden Acts wie den Tannahill Weavers, Bleizi Ruz, den McCalmans, M. Nì Chathasaigh & Chris Newman und vielen anderen.

Der Aufwand war entsprechend groß und auch der persönliche und wirtschaftliche Einsatz und eigentlich hatte man überlegt, in der kommenden Saison eine finanzielle "Schonpause" einzulegen und mehr auf inländische Interpreten zurückzugreifen.

"Aber" so Peter Brigel, "die Konzerte der nächsten Saison sind jetzt doch viel internationaler geworden, als geplant. Naja, 'two drums beating in one heart'..., da kämpft der kaufmännsche Verstand mit der keltischen Seele."

Ich wünsche dem Cobbler's auf jeden Fall viel Erfolg für die "Celtic Concerts" 2002/2003, gerade angesichts dieses unerschütterlichen Mutes.

Hier die Konzerte in der Saison 2002/2003:

28.09.2002 Blue Stone (Deutschland)
19.10.2002 Andy Irvine (Irland)
19.11.2002 Karan Casey & Friends (Irland)
18.01.2003 Burning Bisquit Band (Deutschland)
22.02.2003 Pipeline (Scotland/BRD)
15.03.2003 Tannahill Weavers (Scotland)
12.04.2003 Ben Sands & Brendan Monaghan (Irland)
03.05.2003 Pete Morton
17.05.2003 The McCalmans

(Interview und Photos: Willi Rodrian, 2002)