LE CONCOURS INTERLYCÉES
Dreh- und Angelpunkt der bretonischen Jugend


von Julien Cornic (französische Version in: MUSIQUE BRETONNE N 166: 18 f.)

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Nach einem Intermezzo in Carhaix ist der "Concours interlycées de musique traditionnelle" im sechsten Jahr seines Bestehens wieder nach Lannion zurückgekehrt.
Die jungen MusikerInnen aus der ganzen Bretagne haben einmal mehr ihr hohes technisches Niveau ihr Wissen um das muskalische Erbe unter Beweis gestellt.


Diese Veranstaltung ist aber mehr als ein Wettbewerb. Vielmehr bildet dieses alljährliche Treffen den Rahmen für Begegnungen, Austausch und Kreativität. Zum einen, wenn die Musikgruppen eigens für diesen Wettbewerb an den verschiedenen Gymnasien gegründet werden, zum anderen dann am Tag der Veranstaltung selber. Dort versammeln sich MusikerInnen von überall aus der Bretagne, werden sich ihrer Fähigkeiten bewußt, und während sie feiern, erkennen sie die Bedeutung ihrer Kultur.
das lycée Félix Le Dantec in Lannion
Das besondere an der Ausgabe 2001 des Wettbewerbs war, daß sie in kultureller Hinsicht die unterschiedlichsten Gruppierungen zusammenführte. Ohne daß es zu irgendwelchen Konflikten politischer oder persönlicher Art kommt, schaffen sich die Jugendlichen hier ihren Platz in der Bretagne von morgen, indem sie immer wieder die Notwendigkeit von Offenheit und Wandel betonen, Eigenschaften, die ja auch wesentliche Merkmale der neuen bretonischen Musik sind.
Und so entwickelt sich der Wettbewerb zu einer echten Quelle für neue und kreative Ansätze in Bereichen, die manchmal gar nicht so direkt mit der bretonischen Musik in Beziehung stehen.

Gute Beispiele dafür:
  • die Dekoration der Bühne wurde von den Grafitti-Sprayern des Hip-Hop-Clubs des "lycée de Lannion" gestaltet.
  • dank einer Gruppe von SchülerInnen, die sich für die neuen Technologien begeistern, wurde der Wettbewerb live im Internet übertragen (webcam, Ton und Photos). Unterstützung kam dabei auch von der Fa. Alcatel, die einen Server zur Verfügung stellte. Ein weiterer Erfolg in technischer Hinsicht: die MusikerInnen konnten den Wettbewerb am Abend mit einer CD des Wettbewerbes verlassen.
  • die Rahmenveranstaltungen des Wettbewerbes: in den Nebenräumen gab es Hip-Hop-Vorführungen, djembé-Spieler, einen Chor...
  • René Glorion, ein Maler aus Lannion, schlenderte den danzen Tag herum und zeichnete MusikerInnen und SchülerInnen.
  • in den Räumlichkeiten des Gymnasiums realisierte Dastum Bro Dreger eine Ausstellung mit Photographien von Gilbert Le Gall vom 1.Wettbewerb im Jahr 1996. Auf diese Weise konnte der Verein den SchülerInnen 15 Tage lang seine Aktivitäten präsentieren.
  • Es konnte also jeder seine Fähigkeiten und sein Wissen einbringen, um so seine persönliche Zugehörigkeit zur Bretagne, einer Region mit starker kultureller Identität, zu demonstrieren. Auf die Frage von Morvan Lebesque "auf welche Weise kann man bretonisch sein" scheint es also eine ganze Reihe möglicher Antworten zu geben, und das ist gut so.

    die Jury (von links nach rechts): Daniel Le Féon, Jean-Luc Thomas, Jean-Charles Guichen, Pierrick Lemou und Roland Becker Was den Wettbewerb selber angeht, so haben die Organisatoren wieder einmal eine außergewöhnliche Jury zusammengebracht, die sowohl Qualität als auch Serosität garantierte. Für die Preisträger des Wettbewerbs ist das auf ihren weiteren Weg eine gute Empfehlung.

    Dieses Jahr gehörten der Jury an: Roland Becker, Jean-Charles Guichen, Pierrick Lemou, Daniel Le Féon und Jean-Luc Thomas.

    Alain Pennec trug als Vorsitzender des Wettbewerbes eine schwere Bürde. In der Tat gefielen die Akkordeonspieler der Gruppe "Quatre Jeans" den Organisatoren so gut, daß sie sie dieses Jahr gerne besonders geehrt hätten. Einen weiteren Höhepunkt bildete der Besuch von Dan Ar Braz, dem Schirmherren des allerersten Wettbewerbes von 1996, der von seinem Publikum sehr geschätzt wird.

    Am Ende des Tages lag es der Jury besonders am Herzen, hervorzuheben, daß das technische Niveau der jungen Teilnehmer sich von Mal zu Mal. Was allerdings die Beherrschung der traditionellen Themen angeht, in dieser Hinsicht stehen durchaus noch größere Anstrengungen an. Alain Pennec wies auf diesen Sachverhalt hin mit den Worten: "Es ist wichtig, den traditionellen Musikern ('sonneurs') und Sängern gut zuzuhören..."

    Sowohl die musikalische Instrumentierung als auch die Arrangements werden immer ausgefeilter und aus diesem Grund wird es auch immer schwieriger, etwas neues zu schaffen. Deshalb lassen sich viele Gruppen dazu verleiten, bestehende oder auch ehemalige Gruppen zu kopieren. So auch im Fall der Gruppe, die den ersten Platz machte: Spered, die trotz ihrer einzigartigen Besetzung (3 Violinen und 2 Violoncellos) und trotz der hervorragenden Beherrschung der Instrumente, hemmungslos ganze Melodienfolgen bestimmter Fest-Noz-Gruppen übernahm.
    die strahlenden Siegerinnen: die Mädchen der Gruppe SPERED aus Vannes"SPERED vom Gymnasium Charles De Gaulle in Vannes
  • Diese rein weibliche Formation kommt vom Gymnasium Charles D Gaulle in Vannes und ihre Mitglieder Dana Becker, Julie Balu, Marine de Bruym, Elise Tilly und Anne Le Bohec hatten trotz allem keine Probleme, die Herzen der Jury zu gewinnen mit ihrer Kombination klassischer und traditioneller Musik.





    der Präsident der Jury und Pate des Concours interlycées 2001: Alain Pennec
    Der Wettbewerb stellt sich immer mehr als eine echte kulturelle Zusammenkunft dar, als ein großes regionales Treffen, in dessen Verlauf eine Generation, deren Markenzeichen ihre Turnschuhe sind, die für die Gavotte ebenso geeignet sind wie für den Hip-Hop, ihrer Schaffensfreude Ausdruck verleiht.


    (Übersetzung: Willi Rodrian, 2001)

     


    Die Ergebnisse:

    1.Platz: SPERED (Lycée Charles De Gaulle, Vannes)
    2.Platz: YADAL COMBO (Lycée Lesage, Vannes)
    3.Platz: HIRVOUD (Lycée Jean Monnet, Quintin)
    4.Platz: DISTRIBILL (Lycée de Kernillien, Guingamp)
    5.Platz: BONBONS KREDANS (Lycée Benjamin Franklin, Auray) und TREDAN (Lycée Auguste
    Pavie, Guingamp)