Julien Cornic im Büro von Dastum Bro Dreger, Lannion

Julien Cornic

Ein Drahtzieher in der Kulturszene des Trégor
Musiker, Organisator und Präsident
(von Christophe Ganne, in: Musique Bretonne N 147, Januar/Februar 1998)


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Er ist Präsident von Dastum Bro Dreger, er spielt biniou bei der Gruppe Skirienn, er war die treibende Kraft beider Gründung des "concours interlycée de musique traditionnelle". Er organisiert die "veillées" für Dastum im Trégor und, und, und...

Obwohl gerade erst einmal 19 Jahre alt, ist Julien Cornic bereits seit einigen Jahren einer derjenigen, die dafür sorgen, daß die bretonische Kultur neue Erfolge feiert. und mit ihm erlebt eine ganze Generation Jugendlicher im Trégor diese aktuelle Begeisterung für die traditionelle Kultur.

"Ich liebe es, Projekte ins Leben zu rufen. Um die Dinge voranzutreiben, muß man erst einmal etwas dafür tun."

"Im Trégor leisten er und einige andere wirklich erstaunliches für die bretonische Kultur, und das oftmals auf sehr originelle Weise. "

Julien Cornic macht gerne direkte und einfache Aussagen. Der Musiker und Organisator mit dem kleinen Pferdeschwanz und dem unerschöpflichen Lächeln ist trotz seiner Jugend kein unbekannter in der derzeit ungeheuer lebendigen Kulturszene. Gerne realisiert er Projekte, ohne sich selbst dabei allzu wichtig zu nehmen und er zieht den langen Diskussionen das Handeln vor. Dabei kann er sich durchaus begeistert auslassen, wenn man ihn auf das Thema "bretonische Identität" anspricht.

Im Trégor leisten er und einige andere wirklich erstaunliches für die bretonische Kultur, und das oftmals auf sehr originelle Weise.
"Die bretonische Kultur muß sich immer wieder von neuem beweisen. Um möglichst viele Leute anzusprechen, müssen wir sie möglichst differenziert präsentieren und dürfen dabei nie die Qualität des Angebots vernachlässigen."

Die Gruppe Skirienn

"Ich bin schon als Kind zum fest-noz gegangen. Später nahm ich dann Bombarde-Unterricht."
Und damit hatte er sich infiziert Seinen Eltern ist dieses Phänomen beileibe nicht fremd. Auf dem Land zwischen Tonquédec und Lannion führen sie ein Lebensmittelgeschäft und ein Bücherantiquariat. Es ist sehr schön dort und einladend.
Im Verlauf ihrer gemeinsamen Übungsstunden gründeten er und sein Schulfreund Pascal Creac'h (Flöte) ein Duo, das später mit Jaouen Le Goïc (Akkordeon) zum Trio erweitert wurde. Das war damals, bereits im ersten Schuljahr, am staatlichen Gymnasium in Lannion. Dort hatte auch die Gruppe Skirienn, die heute ein fester Bestandteil der fest-noz-Szene im Trégor ist, ihren Ursprung.
"Die Gruppe hat sich nach und nach zusammengefunden. Wir drei haben uns gut verstanden, zu Beginn ging es mehr um die Freundschaft. Wir wollten uns solide musikalische Grundlagen schaffen, um dann eine solide Gruppe zu bilden."
Und so gehört Skirienn bereits seit einiger Zeit zum festen Inventar des kulturellen Lebens im Trégor mit ihrer Musik, die Elemente aus allen Regionen der Bretagne vereint.
"Musikalisch ist das mit dem Trio ganz ähnlich wie mit dem Duo. Es ist viel anstrengender als bei einer Gruppe zu fünft oder zu sechst zu spielen. Jeder einzelne ist sehr wichtig und an diesem Zusammenspiel muß man viel arbeiten.
Manchmal scheint es, als würde das die Möglichkeiten der Arrangements einengen, gleichzeitig eröffnet es aber auch ein ganz anderes Spektrum an Möglichkeiten."

Der "concours interlycées"

"...entwickelten die Freunde die Idee, einen Wettbewerb zu veranstalten, der alle traditionellen Musikgruppen zusammenbringen sollte, die mittlerweile an den bretonischen Gymnasien gegründet worden waren."

Während der Jahre am Gymnasium beschränkte das Trio seinen Horizont nicht auf diesen Rahmen. Während zur gleichen Zeit dank der Initiative anderer Jugendlicher Tanzkurse ins Leben gerufen wurden, entwickelten die Freunde die Idee, einen Wettbewerb zu veranstalten, der alle traditionellen Musikgruppen zusammenbringen sollte, die mittlerweile an den bretonischen Gymnasien gegründet worden waren.
Mit der Unterstützung einer begeisterten Gruppe von Erziehern fand dieser erste Wettbewerb im Frühjahr 1996 statt. Julien engagierte sich bis zum Umfallen für dieses Projekt. Dan Ar Braz kam nach Lannion, um in der Jury gemeinsam mit einer Reihe anderer bekannter Musiker die Patenschaft für diese Veranstaltung zu übernehmen. Der Erfolg dieses Tages übertraf bei weitem die Erwartungen. Die Veranstaltung wurde im folgenden Jahr wiederholt und für 1998 wird dann ein anderes bretonisches Gymnasium die organisatorische Verantwortung übernehmen.

Der Erfolg der veillées von Dastum

Im Frühjahr 1997 hatte sich ein Team um Julien gebildet, das bereit war die Verantwortung bei Dastum Bro Dreger zu übernehmen. Zur größten Zufriedenheit von Bernard Lasbleiz (des bisherigen Präsidenten von Dastum Bro Dreger) und anderen, die im Rahmen dieser Organisation bereits viel für die traditionelle Kultur des Trégor und der Bretagne geleistet hatten, die aber auch nie die Zeit gefunden hatten, sich so richtig für die Sache einzusetzen.
Bereits im September entschloß sich das Team, die "veillées bretonnes" von Dastum wieder aufleben zu lassen und sie organisierten einen monatlichen Veranstaltungskalender, der events überall im Trégor berücksichtigte. Der Erfolg übertraf auch dieses Mal ihre Erwartungen, er veränderte aber auch den eigentlich eher intimen Charakter dieser "veillées".
Die letzte dieser Veranstaltungen in Pléstin les Grèves hat über 500 Besucher angezogen und präsentierte auf der Bühne alle lokalen Talente. Und es ist noch lange nicht vorüber, der "Tro Tregor" (Analogie zum "Tro Breizh", einer traditionellen religiösen Veranstaltung in der Bretagne. Gemeint ist hier eine kulturelle "Tour de Trégor") von Dastum endet erst im Mai.
"Bei der Planung dieser Abendveranstaltungen versuchen wir Erzählungen, Gesang und Musik zusammenzubringen. Wir hoffen, daß die bretonische Kultur nicht elitär ist. Bei diesen Gelegenheiten geht es darum, Qualität und Popularität miteinander zu vereinen. Wir wollen bei der Bevölkerung vor Ort ein Bewußtsein dafür schaffen, daß ihre bretonische Kultur wertvoll ist. Denn indem wir die Kultur fördern, werden sie entdecken, daß ihre Kultur wichtig ist und sie werden damit beginnen, sich für diese Kultur einzusetzen."

"Wir gehören einer neuen Generation an. Wir befinden uns nicht in irgendeinem ideologischen oder parteilichen Konflikt. Das ist der große Unterschied und das macht uns die Sache viel leichter."

Das sind simple Weisheiten, die Julien gerne auch den Vertretern der älteren Generationen erzählt, den Leuten, die sich bisher mehr auf der politischen Ebene engagiert haben:
"Wir gehören einer neuen Generation an. Wir befinden uns nicht in irgendeinem ideologischen oder parteilichen Konflikt. Das ist der große Unterschied und das macht uns die Sache viel leichter."
Und der Zusammenhalt ist stark. Auch das Publikum ist da. Julien Cornic und alle anderen, die ihm helfen, an langen und erschöpfenden Wochenenden all die Aufgaben zu bewältigen, die er sich vorgenommen hat - sie sind lebendiger Ausdruck davon, mit welcher Begeisterung die bretonische Kultur im Trégor ihren alltäglichen Wiederhall findet.

(Übersetzung: Willi Rodrian, 2001)

Kontakt:
Julien Cornic
Dastum Bro-Dreger
9, rue Haras
F-22300 LANNION
Tel.: 0033-2-96 46 59 11
e-mail: bro-dreger@dastum.asso.fr