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Didier Bécam/éditions Bro Dreger
Bro Dreger 1: Kanerien ha Sonerien
Didier Bécam/éditions Bro Dreger
Bro Dreger 2: Mélodies chantées en Trégor
Bro Dreger 3: Dañs Plinn / binioù-bombarde
Didier Bécam/éditions Bro Dreger
Bro Dreger 5: Accor´eon Diatonique en Trégor
Bro Dreger 6: Koñskried - Complaintes de Soldats
Bro Dreger 7: Dañs Kernev - Gavotte
Bro Dreger 9: Fest-Noz en Trégor
Bro Dreger 10: Kannaouennoù Skañv
Bro Dreger 11: E-Barzh an Dañs
Bro Dreger 12: Daou ha Daou

Éditions Bro Dreger
Kreizenn Sevenadurel Lannuon/Centre Culturel de Lannion

Interview mit Didier und Laurence Bécam



Anläßlich meines letzten Bretagne-Aufenthaltes im August/September 2000 war es mir möglich, ein Interview mit Didier Bécam, den "Macher im Hintergrund" der éditions Bro Dreger, und seiner Frau, Laurence aufzunehmen.
Die beiden sind engagiertete Aktivisten der nicht-professionellen bretonischen Musikszene (von Beruf Ingenieur und Lehrerin) und geben seit 1984 die éditions Bro Dreger heraus, eine hervorragende Dokumentation der regionalen bretonischen Musikszene im Trégor. Beide konnten 1999 ihre Dissertationen zum Thema "Das bretonische Liedgut" erfolgreich abschließen.



Didier, ein paar Worte zur Geschichte des Centre Culturel de Lannion?

Das Centre Culturel de Lannion existiert seit mittlerweile mehr als 20 Jahren. Es existierte bereits, als wir, Laurence und ich, nach Lannion zogen. Zuerst wurden dort vor allem Vorträge veranstaltet. Im Centre Culturel de Lannion trafen sich die Intellektuellen und diskutierten über die bretonische Kultur.
Später ging dann alles sehr schnell. Es kamen viele neue dazu und nach intensiven Überlegungen begannen wir damit, Bretonisch-Kurse anzubieten. Eine ganze Menge Leute besuchte diese Kurse und nach und nach veranstalteten wir auch Kurse für Bombarde und Binioù ... später auch Kurse für andere Instrumente: Querflöte, Akkordeon usw.

"1984 schließlich sagten wir uns, daß es interessant wäre, eine Cassette mit den Musikern aus der Region aufzunehmen. Mit den Musikern von damals, die heute gar nicht mehr auftreten. Das war der Anfang."

Man kann also sagen, es entwickelte sich eine äußerst intensive Kursarbeit... Kurse für Erwachsene und für Kinder/Jugendliche, Musik- und Sprachkurse... auch Tanzkurse, ebenfalls für Erwachsenen und für Kinder.
1988 schließlich sagten wir uns, daß es interessant wäre, eine Cassette mit den Musikern aus der Region aufzunehmen. Mit den Musikern von damals, die heute gar nicht mehr auftreten. Das war der Anfang, ... also die Idee, eine Cassette aufzunehmen.

Anfangs ging es nur darum, eine einzige Cassette zu veröffentlichen um die Spuren dieser Musiker zu dokumentieren. Danach - 12 Jahre später sind wir jetzt bei der Nummer 12 unserer Edition angelangt, Cassetten und CDs.

Wie entwickelt ihr das Thema einer CD?

Das hängt ein wenig vom Zeitpunkt ab. Wie man sehen konnte, präsentierte die erste Cassette etwas von allem, da gab es kein spezielles Thema. Zu Beginn standen unsere gemeinsamen Treffen ... Leute, die sich zusammensetzten und darüber sprachen, was man machen könnte.

Dann - klar, es war oft auch sehr schwierig. Die Sache mit der Demokratie, das funktioniert nicht so einfach. Aber gut, später gab es dann ein System (so etwas wie ein erleuchteter Despotismus... ), das heißt, man trifft sich informell, in der Bar, beim Fest-Noz, und wenn ich dann eine Idee für ein bestimmtes Thema habe, dann versuche ich herauszufinden, ob es den anderen gefällt. Dann besprechen wir gemeinsam, ob sie jemanden kennen, der ein Lied über ein bestimmtes Thema beherrscht, diesen oder jenen Titel.

Gut, das findet heute alles viel informeller statt. Oft schlage ich Themen vor und dann sehe ich recht schnell, ob ein Thema auf Interesse stößt oder nicht.
Wenn ein Thema interessant ist, dann gibt es eine Reihe von Leuten, die bereit sind, daran mitzuarbeiten. In diesem Fall kenne ich immer zehn, zwölf Leute, die ich zusammenbringen kann, um das Thema auf unterschiedliche Weise zu bearbeiten.

Du schlägst also die Themen vor?

Ja, oft bin ich es, der einige Titel zu Beginn eines Projektes vorschlägt, gleichgültig, ob es sich um Gesang oder Instrumente handelt.

Sind die Themen auch von allgemeinen Trends beeinflußt?

Sagen wir mal so, es hängt ein bißchen von der aktuellen Situation ab.Klar, zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise war das Akkordeon sehr populär im Trégor und so erschien es dann auch sehr interessant, ein Album mit dieser Musik aufzunehmen, weil es gerade damals auch sehr viele Akkordeonisten gab.

Einige Jahre später war es dann die Querflöte, die sehr verbreitet war. Es gibt dann auch entsprechend viele, die das Instrument recht gut spielen und so ergibt sich die Gelegenheit... Fünf Jahre früher wäre eine CD mit Flöten überhaupt nicht möglich gewesen. Da gab es noch nicht genug Musiker, die dieses Instrument gut genug beherrschten, um eine CD aufzunehmen.
So ist das oft mit bestimmten Instrumenten. Zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt es dann genug Musiker. Anders sieht das beim Gesang aus oder bei den Musikern, die Bombarde und Binioù spielen. Diese Genres sind zeitloser, das gibt es schon lange.

Wie wird die Auswahl der Titel einer CD getroffen?Wer schlägt die einzelnen Titel vor?

Nun, normalerweise treffen die Leute, die bei den Aufnahmen mitwirken, die Auswahl. Jeder hat ein Mitspracherecht und man einigt sich im Laufe der Zeit auf die Titel. Jeder kann vorschlagen, was er will, solange es nur zum Thema der CD paßt.

"Also, jeder kann vorschlagen, was ihm gefällt und bei einigen CDs muß jeder zwei Titel vorschlagen. Dann gibt es einen Abend, an dem alle Stücke vorgetragen werden und danach beschließen alle zusammen, welches die interessantesten Stücke sind."


Klar hängt das davon ab, wie gut die Mitwirkenden sich kennen. Sie sprechen sich ab, damit nicht alle das gleiche machen - auf der Tanz-CD (Bro Dreger III: Dañses Plinn - Binioù/Bombarde) gab es keine zwei Musiker, die den gleichen Tanz spielten - das muß alles erst mal so aufgeteilt werden.
Also, jeder kann vorschlagen, was ihm gefällt und bei einigen CDs muß jeder zwei Titel vorschlagen. Dann gibt es einen Abend, an dem alle Stücke vorgetragen werden und danach beschließen alle zusammen, welches die interessantesten Stücke sind.

Das haben wir so gehandhabt bei dem Album "Danses Plinn - Binioù/Bombarde"... im Prinzip bei allen CDs außer bei den letzten, da wäre es schwierig gewesen zwei Stücke von den Musikern bei den Hörproben vorstellen zu lassen. Aber sie brachten ein Demoband mit jeweils zwei Stücken und dann haben alle gemeinsam entschieden, welches das bessere Stück ist.... so ungefähr läuft das ab.

Sagen wir mal, manchmal gebe ich das Thema vor und manchmal sind die Mitwirkenden völlig frei in dem, was sie tun wollen. Ich bin nicht der künstlerische Leiter, sie sind wirklich absolut frei zu machen, was ihnen vorschwebt. Ich habe mich noch nie in die Auswahl der Titel eingemischt, auch nicht in die künstlerische Gestaltung der einzelnen Titel.
Didier und Laurence Bécam, Willi Rodrian beim Interview
Du bist also eher der technische Direktor?

Meine Aufgabe ist es, die Projekte zu realisieren, das heißt, ich bringe alle Mitwirkenden zusammen, ich sorge dafür, daß alle pünktlich vor Ort sind, ich belege das Aufnahmestudio, ich organisiere das Abmischen, gemeinsam mit Laurence entwerfe ich das Layout, mit Jamie McMenemy setzen wir uns dann wegen der grafischen Gestaltung zusammen (er hat von Anfang an alle CD-Hüllen entworfen).
Ich kümmere mich um das Pressen der CDs, um den Kontakt mit Coop Breizh, wo die CDs vertrieben werden, ich erledige den gesamten Verwaltungsaufwand ... bei den Aufnahmen bin ich auch dabei und ich entscheide auch, welche der Aufnahmen schließlich verwendet werden...

Der Vertrieb erfolgt durch Coop Breizh?

Ja, seit kurzem, etwa zu 50%. Die Hälfte der CDs vertreiben wir selber, im Direktverkauf. Die andere Hälfte wird von Coop Breizh übernommen, die eine kommerzielle Vertriebsstruktur haben.

Das große Problem mit dem kommerziellen Vertriebsnetz besteht darin, daß die Abnehmer, die Händler selber entscheiden, welche CDs aus dem Katalog von Coop Breizh sie in ihr Angebot übernehmen wollen. Da wir keine sehr bekannten Musiker in unserer Edition haben, ist das immer ein wenig problematisch.

"Die Gewinne eines Albums werden gleich wieder komplett in die Finanzierung des nächsten Albums gesteckt und seit einiger Zeit - etwa seit der dritten CD - sind wir völlig unabhängig, das heißt, wenn wir beschließen, eine neue CD aufzunehmen, dann haben wir die Mittel bereits gesichert."

Wir haben auch keinen Werbeetat. Aber was die CDs angeht, da sind die Verkäufe bei Coop Breizh o.k. und es läuft gut. Ich denke, die Edition ist mittlerweile ziemlich bekannt - immer angesichts der Tatsache, daß die Auflage pro CD zwischen 500 und 1.000 Exemplaren liegt - das sind sind eben kleine Auflagen. Wenn eine CD sich gut verkauft, dann wird nachgepreßt, aber bisher waren es noch nie mehr als 1.000 Exemplare.

Was geschieht mit den Einnahmen, wie stellt sich die wirtschaftliche Seite dar?

Das erste Album (Bro Dreger I: Chanteurs/Sonneurs en Trégor, wird derzeit vorbereitet als CD-Wiederveröffentlichung) wurde gemeinsam mit der Organisation Dastum herausgegeben. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich auch die Finanzierung. Die Gewinne eines Albums werden gleich wieder komplett in die Finanzierung des nächsten Albums gesteckt und seit einiger Zeit - etwa seit der dritten CD - sind wir völlig unabhängig, das heißt, wenn wir beschließen, eine neue CD aufzunehmen, dann haben wir die Mittel bereits gesichert.

Natürlich, unsere Arbeit ist ehrenamtlich und alle Mitwirkenden, die Musiker beteiligen sich ohne Gage. Unsere einzigen Ausgaben bestehen also in den Aufnahme- und den Herstellungskosten.
Wenn eine CD fertiggestellt ist, haben wir zwar kein Geld mehr (das kommt ja erst durch den Verkauf wieder herein), aber wir haben auch keine Schulden!

Bis heute klappt das sehr gut. Das funktioniert deshalb so gut, weil wir selber viel investieren und vor allem, weil keine Prozente für den Vertrieb und für die Plattenläden weggehen. Wenn wir nur in den Läden verkaufen würden, dann wäre die ganze Sache kaum zu finanzieren.

Die Grundidee der Edition ist die Dokumentation traditioneller Musik im Trégor?

Klar, das ist ist immer noch der Leitgedanke. Darüber hinaus geht natürlich auch darum, musikalischen Amateuren die Gelegenheit zu bieten, unter proffessionellen Bedingungen arbeiten zu können, aufnehmen zu können und auch darum, bestimmte Titel in guter Qualität aufzunnehmen, damit sie den Platz erhalten, der ihnen zusteht.

Der Beleg dafür, daß das gut funktioniert, besteht darin, daß eine ganze Reihe Profimusiker umsonst bei uns mitmachen wollen. Ich denke da zum Beispiel an Jean-Michel Veillon, Jean-Luc Thomas,... die heute von ihrer Musik leben können, aber gerne bereit sind, zu denselben Bedingungen wie die Amateure mitzuwirken.
Aber die Grundidee bleibt wie gesagt, zu dokumentieren, auf welche Weise die regionale Musik sich zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt.

Ich glaube beispielsweise, daß die Aufnahmen der CD "Dañses Plinn..." von vor ca. zehn Jahren heute ganz anders klingen würde. Dieselben Musiker würden heute nicht mehr dieselbe CD aufnehmen. Sie haben sich weiterentwickelt, sie spielen haute anders, einige finden es heute sogar peinlich, etwas (wieder)zu veröffentlichen, das sie vor zehn Jahren aufgenommen haben, weil sie finden, daß sie inzwischen ganz anders spielen.

"Klar, es gibt Musiker, die nicht mehr leben oder die nicht mehr auftreten und spielen. Von ihnen bleibt sonst nichts zurück, außer dem, was wir machen."

Auf der anderen Seite stellen diese Aufnahmen Zeugnisse eines bestimmten Momentes dar, eben der Musiker und wie sie damals eben anders gespielt haben.

Gut - ich glaube ganauso, was die CD "Flûte traversière en Trégor" angeht, die wir vor kurzem aufgenommen haben - in zehn Jahren wird sie als musikalisches Dokument hoch geschätzt werden.
Klar, es gibt Musiker, die nicht mehr leben oder die nicht mehr auftreten und spielen. Von ihnen bleibt sonst nichts zurück, außer dem, was wir machen.

Seit den Anfängen haben mittlerweile insgesamt 110 Personen an den Aufnahmen mitgewirkt, 110 verschiedene Personen aus einer kleinen Region wie dem Trégor. Das zeigt auch die Bedeutung und die Vitalität der Musik in der Region.

Warum gibt es noch keine homepage der "éditons Bro Dreger", wo doch nahezu alle bretonischen Labels online vertreten sind?

Das liegt einfach daran, daß es noch niemanden gibt, der das machen will. Wenn sich jemand bei mir melden würde, der das übernehmen will.. ich fände das super.
Nachdem ich nicht alles machen kann... Aber gut, die CDs werden auf der homepage von Dastum vorgestellt, auch bei Al Levrig und einige bei FNAC, das ist einer größten Vertriebe.

Auch bei Coop Breizh gibt es einige sounddateien, die man dort auf der homepage anhören kann, aber das stammt nicht von mir.

Könntet ihr die CDs nicht beispielsweise exclusiv bei Dastum präsentieren?

Also, nein - wenn wir ins Internet gehen würden, dann wäre es mit einer umfassenden eigenen Präsentation: über das Centre Culturel, über die Kurse, für Leute, dieallgemeinere Information suchen. Man muß darüber nachdenken, aber eigentlich fehlt uns die Zeit dafür. Wir sind ein Verein, der keine Angestellten hat. Die Leute, die die Kurse anbieten, sind mit der Verwaltung ausgelastet.

Ich glaube auch, daß unsere "collection" zu speziell ist, um dafür so viel Aufwand zu betreiben. Das sollte eher in einen größeren Rahmen eingebunden sein. Wir nehmen ja nur eine CD im Jahr auf, also gibt es einfach nicht genug Material für eine eigene homepage für die Edition.

Gibt es bereits Ideen für die CD Nunmmer 13?

Also im Moment gibt es eine kleine Pause, ich brauche mal eine Auszeit. Zur Zeit sind keine Projekte in Planung.
Unser einziges Projekt besteht momentan in der Wiederveröffentlichung der allerersten Cassette ("Chanteurs/Sonneurs en Trégor"), das ist die einzige Cassette, die noch nicht als CD herausgegeben wurde.

"Es ist ja so, daß es zur Zeit viele junge Musiker gibt, so viele Jugendliche tauchen in der Szene auf und es wäre gerade jetzt interessant, diesen Generationenwechsel zu dokumentieren. Aber sie müßten auch selber aktiv werden und sich rühren."

Sie wird im kommenden Jahr herauskommen, aber ansonsten gibt es keine aktuellen Projekte. Was ich mir jetzt wünsche, das ist, daß jetzt auch mal Vorschläge von den anderen kommen. Bisher kamen die meisten Vorschläge von mir und ich sage jetzt: wenn ihr eine Idee habt, kommt zu mir, laßt uns darüber reden und dann werden wir sehen, was man daraus machen kann.

Es ist ja so, daß es zur Zeit viele junge Musiker gibt, so viele Jugendliche tauchen in der Szene auf und es wäre gerade jetzt interessant, diesen Generationenwechsel zu dokumentieren. Aber sie müßten auch selber aktiv werden und sich rühren.

Bleibt aber die Auseinandersetzung dieser jungen Musiker mit der traditionellen Musik nicht etwas oberflächlich? Kopieren sie nicht nur die großen, erfolgreichen Vorbilder? Wo bleibt die Suche nach einem eigenen Stil?

Da stimme ich dir zu. Es gibt viele Musiker, die zweifellos eine gute technische Grundlage haben, aber sie spielen vor allem die Stücke von irgendwelchen CDs nach und dann gründen sie eine Gruppe, sehr bald schon. Sie haben nicht die Geduld, ihre Fähigkeiten langsam in der Szene zu entwickeln, bis sie wirklich ausgereift sind.

So sind einige überhaupt nicht in der Lage, die Leute als Solo-Musiker zum Tanzen zu bringen. Ich denke da zum Beispiel an die Akkordeonisten. Sie beherrschen den Stil nicht, sie wissen gar nicht, wie das geht. Also, wenn sie sich dann zu zweit zusammentun, dann findet man da noch weniger Stil. Es ist wahr, sie beschäftigen sich nicht mit der Recherche, mit der Qualität von Musik und Stils. Sie verfeinern ihren Stil nicht und auf diese Weise übernehmen sie nur die vorgegebenen Muster, die Klisches und die Arrangements der Leute, die bereits seit 30 Jahren und mehr Musik machen.

"Die Fest-Noz-Musik, das ist irgendwo immer das gleiche. Lediglich die Instrumentierung wurde mit der Zeit ein bißchen variantenreicher, mit Saxophon und so. Heutzutage mischt man ein bißchen was von Skolvan mit einer Portion Ar Re Yaouank, c'est ça ... und schon hat man eine neue Gruppe."


Das sind dann zwangsläufig nur Kopien - sie suchen nicht nach neuen Melodien. Da hört man immer das gleiche. Auf der anderen Seite gibt es zum Beispiel bei Dastum tausende von gesammelten Melodien. Da sollten sie sich mal auf die Suche machen - auf geht's.

Die Fest-Noz-Musik, das ist irgendwo immer das gleiche. Lediglich die Instrumentierung wurde mit der Zeit ein bißchen variantenreicher, mit Saxophon und so. Heutzutage mischt man ein bißchen was von Skolvan mit einer Portion Ar Re Yaouank, c'est ça ... und schon hat man eine neue Gruppe.
Skolvan, Ar Re Yaouank, das sind zwei starke Einflüsse, die fast alle nachahmen. Deshalb findet man auch wenige "sonneurs en couple". Die Bombarde-Binioù-Musiker tun sich sofort mit einer Gruppe zusammen. Sie versuchen es gar nicht - außer einige wenige vielleicht, wie zum Beispiel Julien Cornic aus Lannion, der weiterhin mit seinem Bruder als "couple" zusammenspielt. Viele versuchen es gar nicht erst. Die jungen Akkordeonisten spielen so gut wie gar nicht alleine. Das ist ein Manko. Es ist schon schwierig, alleine oder zu zweit einen Stil zu entwickeln, zu zehnt ist es unmöglich!

Laurence und Didier Bécam beim Championnat de Bretagne de Musique Traditionnelle in Gourin, 2000


Das hat aber auch noch einen anderen Grund - und das ist eine grundsätzliche Kritik, die die Bretagne betrifft: in allen europäischen Ländern gibt es Archiv-CDs, die das musikalische Erbe dokumentieren. In der Bretagne gibt es da so gut wie nichts! Außer vielleicht der Reihe bei ArMen kenne ich keine Archivaufnahmen alter bretonischer Musik. Dastum hat sein Musikarchiv, das aber erst in den frühen 70er Jahren einsetzt und ich bedauere dieses Fehlen alter Aufnahmen in der Bretagne. Keiner hat das gesammelt - ich verstehe nicht warum.

Bei Dastum soll eigentlich eine CD mit Liedern erscheinen, die F.M.Luzel gesammelt hat - die Melodien, die Ifig Troadeg gesammelt hat. Ich hab's noch nicht gehört, aber das ist eine gute Idee. (A.d.V.: diese CD ist mittlerweile erschienen: Gwerzioù ha sonioù Bro Dreger)

Hat das nicht auch wirtschaftliche Gründe? Eine CD mit so alten Aufnahmen verkauft sich sicherlich nicht so gut?

Klar, aber das sind ja Organisationen, die keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen. Es ist schade, daß das keiner macht, denn einerseits ergäben sich da sicher keine hohen Auflagen, aber andererseits trägt sich die Veröffentlichung solcher dokumentarischer Archive problemlos selber.

Das würde die jungen Musiker doch motivieren, sich die alten Sachen anzuhören? Und es wäre auch einfacher als das Durchstöbern der Archive.

Sicher, es ist schwierig die Archive zu konsultieren. Da braucht man viel Zeit. Oft sind die Sammlungen auch schlecht geordnet.

Und die Leute suchen derartige Aufnahmen. Einmal zum Beispiel wurde eine Platte mit Akkordeonaufnahmen von (Jean) Coatéval, einem alten Musiker, veröffentlicht, Musik aus den Bergen. Noch im selben Jahr spielten alle Bagadoùs bei den Wettbewerben seine Melodien. Das zeigt doch, daß die Leute solche Referenzen suchen. Ich glaube also, die Leute lassen sich schon von den älteren Melodien inspirieren. Aber leider sind diese Quellen nur in beschränktem Maß zugänglich.

(Interview und Übersetzung: Wilhelm Rodrian)


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