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Dremmwel: Heol Loar
Dremmwel: Glazik
"GLAZIK" - Gestern, heute und morgen in der Musik von Dremmwel

Ein Interview mit Dominique Le Guichaoua / Dremmwel, Plomelin am 26. Mai 2001



Was ist der Unterschied zwischen der ersten CD von Dremmwel und der neuen, zweiten CD ?

Zu den Aufnahmen für "Heol Loar" haben wir uns zu einem Zeitpunkt entschlossen, als wir das Gefühl hatten, daß wir gut zusammenpassen. Außerdem brauchten wir ganz einfach einen support, um die Gruppe bekannter zu machen.
Als wir damals Yann Goasdoué bei Coop Breizh trafen, hatte er Dremmwel bereits als eine Gruppe zur Kenntnis genommen, die ihre Pläne hatte, die auf Tourneen ging und die ohne Zögern ihre Karriere verfolgt.

Zweifellos hat er uns deswegen sofort sein O.K. gegeben. Er allein war für die Produktion verantwortlich und er hat uns fünf Tage für das Studio und das Abmischen zugestanden. Das war natürlich nicht genug, aber wir haben trotzdem das erste Album aufgenommen, daß uns unter dem Strich recht gute Dienste geleistet hat.

Dominique Le Guichaoua Zwischen den beiden Alben liegen fünf Jahre. Es kam sehr oft vor, daß man uns fragte, warum wir nicht mehr CDs aufnehmen. Wir haben darauf immer geantwortet, daß man dafür einen Plan braucht, Ideen und natürlich auch die entsprechende Zeit, damit diese Ideen sich überhaupt einstellen können.
Nachdem wir beschlossen hatten, die Gruppe selber zu produzieren, haben wir lange Zeit darüber nachgedacht, wie es in technischer Hinsicht weitergehen sollte, und selbstverständlich auch darüber, was überhaupt der Inhalt der zweiten CD sein sollte. Dafür haben wir dann gut zwei Jahre gebraucht.

In der Tat begann die Geschichte von "Glazik" im Oktober 1998 im "Théâtre de Cornouaille" in Quimper, als wir eingeladen wurden, als Gäste an einer Aufführung mit dem Titel "Livioù ar vor" teilzunehmen. Diese Veranstaltung war damals der Stadt und dem Wasser gewidmet war, also Quimper und dem Fluß Odet.
Wir komponierten ein Stück mit dem Titel "A hed ar ster", das ist übrigens auch das erste Stück auf der CD.

"Darüber hinaus standen wir in Kontakt mit Polig Montjarret, der uns Einblick in seine ganz persönliche Sammlung gewährte. Wir sind auch sehr glücklich darüber, daß die Gavotte aus der Region von Quimper auf diese Weise bei den festoù noz in der Region zu neuer Popularität gelangte."

Von da an begannen wir, die Themen zusammenzustellen, die immer einen Bezug zu Quimper haben, ebenso wie mit dem "Pays Glazik", mit der Umgebung von Quimper.

Darüber hinaus standen wir in Kontakt mit Polig Montjarret, der uns Einblick in seine ganz persönliche Sammlung gewährte. Wir sind auch sehr glücklich darüber, daß die Gavotte aus der Region von Quimper auf diese Weise bei den festoù noz in der Region zu neuer Popularität gelangte.

Bevor wir damit begannen, diese Gavotte zu spielen, war sie nur einigen wenigen Tänzern bekannt. Mittlerweile wird sie immer bekannter und das ist wichtig. Wir als Musiker müssen uns bei der Auswahl unseres Repertoires auch darum bemühen, soweit wie möglich lokale und regionale Eigenheiten zu bewahren, die andernfalls verschwinden würden zugunsten einer populären Auswahl von Tänzen.
Dabei ist so eine Auswahl, allgemein bekannter Tänze hinsichtlich der Wirklichkeit und vor allem in bezug auf die Geschichte des Tanzes viel beschränkter.

Andererseits wird das Repertoire einer Gruppe auch wortwörtlich von deren ganz eigenen Wegen bestimmt. Das "Lament for Jeff Le Penven" hätten wir vielleicht niemals gehört, wenn wir nicht in die schottischen Highlands gefahren wären zum dortigen Festival traditioneller Musik in Dingwall.
Wenn man seine eigenen Ideen entwickeln und zusammenbringen will, dann ist man sicher gut beraten, wenn man sich auf die Reise begibt, um zu sehen, was woanders vor sich geht. Kurz gesagt, man muß auch mal was wagen.

Einer der wesentlichen Unterschiede, das sind meiner Meinung die Gastmusiker, die der Musik ganz neue Farben geben. Dremmwel (von links nach rechts): Dominique Le Guichaoua, René Marchand, Marin Lhopiteaun und Daniel Cadiou
Bei "Heol Loar", da haben die meisten Musiker der Gruppe zum ersten Mal ein Studio betreten. Damals befaßten wir uns noch nicht so sehr mit den Arrangements. Es gefällt uns, andere Leute miteinzubeziehen, die geeignet sind, etwas ganz eigenes zu unseren Stücken hinzuzufügen ohne daß diese dadurch großartig verändert werden.

Von den meisten unserer musikalischen Gäste gibt es bisher kaum Plattenaufnahmen und es ist gerade dieser Aspekt, der uns interessiert: etwas ganz neues zu entdecken. Jeder der Musiker hatte die Freiheit sich ganz nach Belieben einzubringen. Eine Platte bietet die Möglichkeit, Dinge zu verwirklichen, die man auf der Bühne so gut wie nie wiedergeben kann, aber wenn wir dann öffentlich auftreten, dann bemühen wir uns sehr, die Abwesenheit der Gastmusiker dadurch zu ersetzen, indem wir den "esprit" dieser Stücke wiederzugeben versuchen.

Ähnliche gemeinsame Projekte sind in Vorbereitung, insbesondere mit unserem Freund Jim Hunter, einem schottischen Rock und Blues-Sänger.

Wie verkauft sich die neue CD?

Dank Coop Breizh, die den Vertrieb der CD an die Läden übernommen hat, kommt sie unter die Leute. Wir verkaufen sie auch über unsere homepage oder bei unseres Auftritten. Als sie herauskam wurde sie von der Öffentlichkeit, von der Presse und den Radiosendern gut aufgenommen. Eines der Stücke wird unter andere in Kürze als Filmmusik verwendet werden.

Was plant Ihr für die nächsten Jahre?

Die Veröffentlichung einer Platte hat immer Anfragen zur Folge, oft auch solche, die man nicht vorhersehen kann.Wir werden natürlich in der Bretagne auftreten, aber es gibt auch schon Buchungen für Belgien, eine Schottland-Tournee, vielleicht eine weitere Reise in die USA und Anfragen aus französischen Städten, von Leuten, die uns live gesehen haben und die das, was wir machen, mögen. Uns sind auch ganz konkrete Vorschläge gemacht worde, wie beispiesweise diese Aufführung, die Zirkus und bretonische Musik miteinander verbindet. Ab Oktober 2002 wird das in einem Zirkuszelt in mehreren bretonischen Städten zu sehen sein.

Die Organisation von Konzerten in Frankreich ist sicherlich einfacher als Auftritte im Ausland?

Oft steht am anfang einer Reise, die Musiker unternehmen eine Geschichte, eine Freundschaft. In Schottland zum Beispiel, wo wir demnächst wieder spielen werden, da organisieren Freunde von uns das "Highland Traditional Music Festival". Da wir nicht für nur ein einziges Konzert so weit fahren können, haben sie gleich eine Tournee für uns organisiert. Während unserer ersten Reise in die USA, die auf ähnliche Wiese zustande kam, da haben wir mit Konzert-Managern und einem professionellen Veranstalter an der Westküste zusammengearbeitet. All das macht es notwendig, daß man die Vernetzungen gut kennt und es ist von Vorteil, wenn man gut organsiert ist. Tatsächlich ist es so, daß wir das Privileg genießen, uns die Plätze, wo wir auftreten, aussuchen zu können.

"Man muß sich auch im klaren darüber sein, daß Dremmwel sich an keiner anderen Gruppe orientiert. Wir haben unsere Inspirationen immer und vor allem aus den Wurzeln der bretonischen Musik bezogen, in dieser Hinsicht sind wir absolute Puristen."

Hast du persönlich auch musikalische Pläne?

Ein Journalist hat einmal geschrieben, daß die Musik von Dremmwel "immer wieder neue musikalische Nuancen hat" und da ist schon was Wahres daran. Vor kurzem haben wir einen neuen Schlagzeuger in die Gruppe aufgenommen (Éric Savina). Seine Beteiligung führt dazu, daß wir wieder einmal unsere Gewohnheiten und unsere Spielweise ändern. Man muß sich auch im klaren darüber sein, daß Dremmwel sich an keiner anderen Gruppe orientiert. Wir haben unsere Inspirationen immer und vor allem aus den Wurzeln der bretonischen Musik bezogen, in dieser Hinsicht sind wir absolute Puristen.

Dabei geht es uns nicht um eine nostalgische Suche nach der Vergangenheit, sondern darum, Phrasen und Arrangements zu finden, die eine Weiterentwicklung ermöglichen. Wir haben uns für einen ganz bestimmten musikalischen Ansatz entschieden, an dem wir jetzt auch festhalten.

Ich persönlich beschäftige mich so weit wie möglich mit der Recherche seltener Stücke, weil es natürlich viel interessanter ist, sich mit einem ursprünglichen und sehr persönlichen Repertoire zu beschäftigen, als sich mit Themen zufrieden zu geben, die schon tausendmal gespielt wurden.
Momentan beschäftige ich mich mit den Übereinstimmungen zwischen dem "rural blues" der 20er und 50er Jahre und der bretonischen Musik in diesem Zeitraum. Ich weiß noch nicht, wohin mich das führen wird, aber es interessiert mich genauso wie die Zigeunermusik. Seit gut zwanzig Jahren bin ich ein Fan dieser Musik, seitdem mir mein Freund Francis Alfred, ein Gitarrist, sehr viel davon erzählt hat.

Wie war die Feier zum 15-jährigen Jubiläum von Dremmwel in Quimper?

15 Jahre Dremmwel, die Feier in Quimper


Diese Feier war ein großer Erfolg. Es ging soweit, daß wir die Saaltüren aus Sicherheitsgründen abschließen und die Leute dann abweisen mußten. Wir hatten diesen Abend mit Blick auf die Region von Quimper "Nuit Glazik" getauft.

Diese Region steht auch im Mittelpunkt unseres neuen Albums. Bei diesem besonderen "fest noz" stellten wir gleichzeitig unsere neue CD offiziell vor und feierten unser 15-jähriges Bühnenjubiläum. Alle, die bei dem Album mitgewirkt hatten kamen und spielten mit uns zusammen. Darüber hinaus hatten wir auch noch andere Musiker eingeladen, die wir gut kennen und deren Musik wir gerne mögen. Mit dabei waren auch "Kanerien Langazel", die auf unserer ersten CD zu hören sind.

Es war für uns sehr wichtig, daß alle Mitwirkenden optimale Bedingungen hatten und daß die Übergänge lang genug waren. Aus diesem Grund hatten wir zwei Bühnen aufgebaut. Eine große für die Gruppen und eine kleine in der Mitte des Saales, damit die "sonneurs", die SängerInnen und die TänzerInnen, die um sie herum im Kreis tanzten, möglichst gut miteinander harmonierten.
Es gibt ein Video, das diese magischen Momente zeigt. Den ganzen Abend über gab es Musik ohne Unterbrechung und dem Publikum gefiel das ganze sehr gut. Leider konnten wir aus zeitlichen und aus finanziellen Gründen nicht alle MusikerInnen einladen, die wir persönlich gerne mögen. Dafür wären noch eine oder zwei weitere Feten notwendig.

(Interview und Übersetzung: Willi Rodrian, 2001)