RENDEZ-VOUS

April 2006

Dom Duff la Bretagne dylanesque ! (in: TRAD Magazine N° 106, von Dominique Le Guichaoua)

Mit Worten, scharf wie ein Korallenriff tauchte Dom Duff eines Tages in der Szene auf. Er sang solo, er sang bretonisch und niemand hatte ihn so recht erwartet. Während die Bretagne gerade im Umbruch war, geißelte er jeglichen Konsens, indem sich bei ihm gerade mal eine Strophe auf 10 seiner Spottverse reimte, was Bände sprach über seine Hartnäckigkeit und seine Respektlosigkeit. Als würdiger Nachfahre der Beat-Poeten, macht dieser Wilde vor allem das, was ihm gefällt.
"Lagan", sein neues Album, das wie schon die vorherige CD, in Pascal Lamours BNC-Studio aufgenommen wurde, präsentiert nun ganz offensichtlich einen Stilwandel.


Dom Duff wurde in eine Familie von Bauern und Algensammlern geboren und wuchs mit Bretonisch , das sowohl sein Vater wie auch sein Großvater sprachen, als Muttersprache auf. Beide waren Laienschauspieler in einem zweisprachigen Theater und sangen bei den abendlichen soirées (veillées bretonnes) alles, was man auf keinen Fall im Kirchenchor singen durfte.

Seine musikalischen Anfänge gehen auf das Jahr 1974 zurück. Auf die erste Gitarre folgten bald die ersten dilettantischen Auftritte bei den festoù-noz mit einer kleinen Gruppe, bevor es zu einem kurzen Intermezzo bei der Gruppe Klaskerien kam.
Diwall, die Gruppe, die er 1995 gründet, bot ihm die Gelegenheit für professionelle Bühnenauftritte und er konnte bretonische Tanzmusik spielen während er sich nebenbei immer noch genug Zeit freihielt, um Folk, Blues und Rock zu spielen.
"Ich fing mit Bob Dylan an, spielte viel Country und Bluegrass, ich verehrte Neil Young und hörte schottische Musiker wie Dougie Mac Lean, Rory Mac Leod und Michael Chapman, bei dem es reichlich interessante Dinge auf der Gitarre zu entdecken gab. Nach und nach probierte ich verschiedene Stimmungen aus. Zum Beispiel DADGAD, aber vor allem Stimmungen aus dem Bluegrass oder solche, die auf den Notensystemen von Dudelsäcken beruhten."

Von der Gruppe zum Solisten

Seit jeher bezog Dom Duff seine Inspirationen aus dem aktuellen Zeitgeschehen und er hatte immer mehr Melodien und Texte angesammelt, um damit in Folkclubs und in der Kleinkunstszene aufzutreten.
"Das ist eine ganz andere Welt als die der festoù-noz, wo es sehr schwierig ist, die eigene Kreativität anders als über den Tanz auszudrücken."

Gemeinsam mit walisischen und irischen Kollegen, die bei den Gruppen "Boys from the Hills" oder "Kila" spielten, begannen alle zusammen neue, eigene Titel zu komponieren.

"Wir regten uns gegenseitig an und stellten ein gemeinsames Projekt auf die Beine, mit drei Gitarren auf der Bühne auf bretonisch, walisisch und gälisch."
Als gefragte Musiker in den Ländern, wo ihre jeweiligen Sprachen kaum bekannt waren, entdeckten sie, dass diese ihre "Exotik" in Europa gut ankam.
"Sich in einer anderen Sprache auszudrücken, das erschreckt die Leute in Frankreich. Wenn man bretonisch singt, dann ist das eher ein Vorteil für Gruppen, die Grunge Punk spielen als im Folkgenre, das mittlerweile gesellschaftlich anerkannt ist. Ich weiß zwar nicht, ob das stimmt, aber ich habe das Gefühl, dass es eventuell günstiger ist sich erst woanders einen Namen zu machen, bevor man dann hier akzeptiert wird. Ich bin gerne bei sogenannten "aktuellen" Events dabei, bei denen es opportun ist, unorthodox zu sein, so wie bei dem Harley-Davidson-Treffen, bei dem ich vor kurzem war. Ich stelle vor allem fest, dass man dort ziemlich unorthodox auftreten muss, um eine gute Figur zu machen (Lachen). Die Veranstalter müssen den künstlerischen Aspekt in der Regel wohl oder übel der Rentabilität unterwerfen."

Mit Lamour

Ohne sich in der Vergangenheit großartig um irgendeinen Support oder eine Plattenproduktion zu kümmern, hat Dom Duff eines Tages Pascal Lamour kennen gelernt, der ihm spontan vorschlug, sein erstes Album zu produzieren.
"Nachdem ich umgezogen war, wurden wir ganz zufällig Nachbarn und wir waren uns schnell sympathisch. Wir sind beide sehr ungeduldig und so kamen wir schnell zum Wesentlichen. Er hat eine ganz eigene Vorgehensweise und wir waren uns über die Produktion sofort einig. Als wir dann an der zweiten Platte arbeiteten, da kommunizierten wir perfekt. Ich selber komme mit dem PC nicht besonders gut klar, aber ich teile seine Neigung für einen etwas unreinen Klang, so die angelsächsische Variante. Pascal mischt sich immer wieder ein und macht mir Vorschläge für die Instrumentierung. Ich gestehe, dass ich einiges davon abgelehnt habe."

Nur auf bretonisch

Dom Duff erklärt sehr offenherzig, dass bretonisch zu singen für ihn nicht anderes ist, als "auf bretonisch zu singen!", auch wenn ein bestimmter Teil des Publikums darin gerne einen politischen Aspekt sehen würde. Es liegt einfach in seinem Blut und er liebt den Klang der Sprache.
"Erst einmal singe ich irgendwas, lalala, und dann füge ich die bretonischen Texte hinzu. Die wirkliche Herausforderung besteht darin, auf den Klang der Worte zu achten, um damit Texte rüberzubringen, die genauso poetisch, angemessen und unterhaltsam sind wie in jeder anderen Sprache. Ich verwende in erster Linie den bretonischen Dialekt der Region Léon, ich vermische es aber auch mit Wendungen aus anderen Dialekten. Ich hatte diese Klänge schon immer im Ohr, ich habe aber erst in meiner Jugend entdeckt, wie nützlich das sein kann. Zwischen der Sprache und der Musik besteht eine ganz bestimmte Beziehung. Wenn man einen gesungenen Text hört, dann versteht man oft den Grund für einen bestimmten Rhythmus dieses Liedes viel besser, weil es die Silben und ihre Anzahl sind, die ausschlaggebend sind. Auf der einen Seite gehört es in der Bretagne zum guten Ton, Instrumentalmusik zu spielen, was jedoch das Verfassen von Texten angeht, dafür gibt es dort keine große Begeisterung, wenn man einmal von Ausnahmen wie Nolwenn Korbell, Louis-Jacques Suignard oder Gwenyn Louarn absieht, die ihre eigenen Texte schreiben. Für mich ist das ein Zeichen von Reife."

Da drückt sich die Herkunft aus !

In Bretonisch ebenso wie in Französisch oder Englisch - einen Sänger interessiert alles, was mit der Geschichte zusammenhängt. Was die Bretagne angeht, so fügen sich Fañch Helies (auch "Abeozen" genannt), Denez Abernot oder Bernez Tanguy gut in die entsprechende Literatur ein und auch die irische Literatur, die afrikanische. Auf eine ganz generalistische Weise finden sie eigentlich alle dort ihre Referenzen. Aber unser Dialekt aus dem Léon ("notre léonard"), das starke Bezüge zum angelsächsischen Kino hat, vor allem hinsichtlich der sehr sozialen Aspekte und des Humors, zitiert nicht selten Cohen (den Liedermacher) oder Ronan Doyle. (...) Was also sollte die sprachliche Quelle für die Themen sein, die Dom Duff gerne in seinen Liedern wollte. Mit aktuellen Bezügen auf die mehr oder weniger traurige Gegenwart oder auf die alten Geschichten, die er manchmal sehr phantasievoll behandelt.
"Unter dem Deckmantel des Pluralismus verbirgt sich heutzutage eine große Angst, und zwar die, dass unsere Ursprünge wieder zum Vorschein kommen. Ich finde die Musik von heute ebenso wie ihr Publikum ziemlich angepasst. Ich persönlich bekenne mich ebenso zur Gehässigkeit des Punk wie zur Einfachheit der traditionellen Musik. Wenn ich dann vor einem Publikum in Occitanien, in Wales oder im Baskenland spiele, kommt diese Botschaft sofort an. In diesem Sinn ist mein Ansatz ein politischer. Ich würde einem Musiker, der irische Musik spielt, gerne sagen, dass er doch erst einmal die Message dessen, was er singt, verstehen soll, bevor es es falsch interpretiert. Als erstes man muss das Volk respektieren, von dem man etwas übernimmt, bevor man sich seine Lieder aneignet."

Ein Publikum in der Bretagne ?

"Das musikalische Milieu von heute ist hat sich in einer ganz bestimmten Weise entwickelt. Das heißt, es ist mittlerweile so kompliziert, dass ich immer noch Probleme habe, mit einer Rock- oder Bluesgruppe zu überleben. Aber mir ist nicht klar, ob die künstlerische Nachfrage mehr mit diesem Kontext oder mit der aktuellen Musik an sich zusammenhängt."
Obwohl es ihn immer noch erstaunt, dass er insgesamt gut ankommt, vor allem im Bereich der zeitgenössischen Musik (auch das schnelle und positive Feedback auf sein erstes Album, das von der Presse gefeiert wurde und immer noch gefeiert wird, hat ihn bestätigt) hat Dom Duff mittlerweile seinen Platz gefunden.
Als intuitiver Schöpfer eines Sounds, den er eher als Schönheitsfehler bezeichnen würde, meint er, dass das Ergebnis als ganzes ebenso wichtig ist wie alles andere.
Und dann, während er sich wieder einmal bei zeitgenössischen Sängern wie David E. Ewars, Seth Lakeman oder Martin Stephenson einen Zwischenstopp einlegt, bewundert er deren sehr rauen Ton und ihre Aussagen, die er sich gerne zu eigen macht.
"Was schert mich die Vergangenheit, wenn nichts von ihr bleibt als die Nostalgie!".

Discographie:
2003 "Straed an amann" (BNC-Prod. / Coop Breizh)
2006 "Lagan" (BNC-Prod. / Coop Breizh)

Live Solo:
Dom Duff: Gesang, Gitarre
oder als Trio mit:
Pascal Lamour: Keyboard, Gaita, Bombarde, Saxophon
Herri Loquet: Cajon, Schlagzeug, Percussion

Kontakt:
www.domduff.com

in Deutschland:
TraDuTrad / Willi Rodrian, Tulbeckstr. 48 Sgb., D-80339 München
www.tradutrad.de, info@tradutrad.de,
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Übersetzung: W. Rodrian