DOMINIQUE LE GUCHAOUA

Dremmwel in Schottland...

und die Schotten in der Bretagne...
 


Dominique Le Guichaoua, Musiker und Musikjournalist

Die Zusammenarbeit mit dem bretonischen Musiker und Musikjournalisten Dominique Le Guichaoua ist bereits seit vielen Jahren ein großer Gewinn für die Gestaltung unseres Online-Magazins www.breizh.de. Einige der engagierten und fundierten Artikel / Interviews, die er in der französischen Fachzeitschrift TRAD Magazine veröffentlicht hat, können Sie bei uns exklusiv in deutscher Übersetzung nachlesen (mehr dazu unter Rendez-vous).

Als wir uns im vergangenen Sommer trafen, hatte ich die Gelegenheit, ein Interview aufzunehmen, in dem er die Erlebnisse auf der Schottland-Tournee seiner Gruppe Dremmwel schilderte und mir von den Erlebnissen schottischer Musiker in der Bretagne erzählte ebenso wie von der Zusammenarbeit mit der bretoniscvhen Sängerin Louise Ebrel und Eric Savina, dem Schlagzeuger, der neu zur Gruppe hinzugekommen ist...


Die Dremmwel-Tournee in Schottland

Dremmwel auf Tournee in Schottland Wir waren vom 21.Juni bis zum 8.Juli 2002 in Schottland. Das letzte Mal waren wir vor fünf Jahren von unserem Freund Rob Gibbson eingeladen worden. Mittlerweile ist er Abgeordneter im Parlament in Edinburgh. Er ist auch der Gründer des "Highland Traditional Music Festival" in Dingwall in der Nähe von Edinburgh, das er seit 20 Jahren leitet. Das Programm besteht zum Großteil aus schottischen Teilnehmern, aber er lädt auch Musiker von außerhalb ein, aus Irland, aus den USA und aus der Bretagne. Wir sind nicht die ersten Bretonen, die an diesem Festival teilnehmen. Vor uns waren bereits Gilles Servat und die Gruppe Triskell dort und haben ihre Schottland-Tourneen ähnlich wie wir organisiert.

Das Festival steht in dem Ruf, schottische Künstler vorgestellt zu haben, die dann später internationale Stars wurden wie beispielsweise Karen Matheson. Karen war übrigens Schülerin von Rob Gibbson an der Privatschule, wo er Geschichtsunterricht gab.
Auch Capercaillie, die Gruppe von Karen Matheson kam nach Dingwall zur Feier des 20-jährigen Jubiläums. Es waren viele bekannte schottische Künstler da: Brian McNeil, die Wolfstones, Robin Laing, Jim Hunter....

Dieses Mal waren wir für das Konzert am Abschlussabend eingeladen. Da es allerdings sehr schwierig ist, eine Gruppe nur für ein einziges Konzert einzuladen, gibt sich Rob Gibbson immer sehr viel Mühe, für uns in der Folgewoche schon die Unterkünfte zu organisieren. Das hat so hervorragend geklappt, dass wir wieder einmal Schottland vom Norden bis in den Süden bereisen konnten. Wir hatten die Gelegenheit, an so bezaubernden Plätzen aufzutreten, wie dem "Ceilidh Place" in Ullapool an der Westküste. Das ist ein Pub, in dem oft Konzerte mit schottischen Musikern stattfinden. Danach sind wir wieder Richtung Glasgow zurückgefahren mit einem Aufenthalt auf der Insel Aran. Das ist wirklich ein sehr außergewöhnlicher Ort, der uns immer Glück gebracht hat. Viele verbringen dort ihre Ferien. Die Mischung der Leute dort macht es, dass unsere Konzerte auf Aran immer sehr erfolgreich waren und das liegt mit Sicherheit daran, dass es dort viele Leute gibt, die sich über die Musik freuen und die gerne danach noch weiter feiern.

Dremmwel en concert en Ecosse... In Glasgow hatten wir einen Auftritt an einem ganz erstaunlichen Ort, dem "Saint Andrews in square". Der erste Stock einer alten Kirche ist dort als Veranstaltungssaal umgebaut worden. Im Erdgeschoss gibt es ein sehr modernes Restaurant mit viel Beton überall, Stühle aus Eisen und eine futuristische Beleuchtung. An den Wänden hängen überall sehr große schwarz-weiß-Photos von schottischen Künstlern.

Unser Repertoire, das wir dort oben gespielt haben, das besteht aus den Stücken, die wir immer spielen, wenn wir außerhalb der Bretagne auftreten: eine Mischung aus bretonischen Balladen und Melodien, die wir teilweise selber komponiert haben, das ist vorwiegend Tanzmusik. Es gibt da auch Stücke, die wir bei uns zuhause nicht oft spielen können, weil man dort, auf den festoù-noz von uns vor allem Tanzmusik erwartet.

Meistens steht am Beginn solch einer Tournee eine Freundschaft. Zwischen Schottland und der Bretagne gab es einen formlosen Austausch und in diesem Rahmen haben wir den Aufenthalt schottischer Musiker bei und ganz ähnlich organisiert, wie wir wiederum von ihnen aufgenommen wurden. So war das beispielsweise mit Jim Hunter (Celtic Blues), der eine Woche lang solo in der Bretagne getourt ist.
Dieses Jahr haben wir den Aufenthalt der Kiltern Fiddlers organisiert. Das ist eine Gruppe junger Geiger aus den Highlands, die zum Festival de Cornouaille nach Quimper kommen wollten.
Wir haben uns also bemüht, die Unterkunft und Auftritte für sie zu organisieren. Ein paar Mal haben sie auch als Vorgruppe von Dremmwel gespielt. Das Geld, was dabei hereinkam entsprach ungefähr dem, was ihre Eltern letztendlich auch hätten ausgeben müssen, um diese Reise zu bezahlen. Und angesichts der Entfernung und der unterschiedlichen Verkehrsmittel, die sie benutzen mussten (Bus, Zug, Schiff), war die Organisation kompliziert genug.

Die ganze Geschichte ging ziemlich gut über die Bühne, sie kamen überall sehr gut an, wo sie auftraten.
bretonische Tänze in Schottland Alle diese Jugendlichen beginnen mit einem Geigenkurs, der in einem Dorf namens Eventon etwa 20 km im Norden von Inverness eingerichtet wurde. Die ältesten und besten unter ihnen haben dann die Möglichkeit, in dieser Gruppe, den Kiltern Fiddlers zu spielen. Auf der Tournee in der Bretagne wurden sie von ihrem Lehrer Alpha Munro geleitet und begleitet wurden sie von einem Percussionisten, einem Gitarristen und einer Harfenspielerin. Sie hatten vorher schon die Gelegenheit auf bestimmten schottischen Festivals aufzutreten, insbesondere als Begleitgruppe des Akkordeonisten Phil Cunningham. Sie kamen nach Quimper, um in der Bretagne junge Musiker zu treffen, die wie sie traditionelle Musik lernen.

Wir haben den Kontakt mit der Gruppe "An Avel" hergestellt, einem Streicherensemble, das von Eric Lavarec geleitet wird. Für eine Gruppe wie uns ist es sehr interessant, unsere Erfahrung einzubringen, um das Interesse am musikalischen Austausch zu fördern, wann immer das möglich ist.

Gibt es Unterschiede zwischen der Musikszene in Schottland und in der Bretagne ?

Es ist sehr interessant, die Kultur zu beobachten und vor allem das, was man in der Bretagne als "interceltique" bezeichnet, ganz besonders in Lorient. Auf dem Markt besteht die Tendenz, all diese Musikstiele zu vermischen. Bretonisch, irisch, schottisch - alles wird in einen Sack gesteckt, um ein nettes Etikett zu produzieren, das aber eigentlich überhaupt nichts aussagt. Machen ir uns doch einfach mal den Spaß und versuchen wir, keltische Musik zu definieren... wir werden bald feststellen, dass das kaum möglich ist. Die Bretonen neigen dazu, ihre keltischen Cousins überall zu sehen. Wenn man dann dort ist, dann sieht das wieder ganz anders aus. Es gibt wirtschaftliche Konkurrenz, die Feindseligkeit schafft, wie beispielsweise den Rassiusmus in Irland.

Die jungen Schotten, die wir in der Bretagne empfangen haben waren vom Festival de Cornouaille sehr überrascht, vor allem als sie sahen, dass auf den festoù-noz alle Generationen zusammen bis spät in die Nacht zusammen tanzen. Es hat sie verblüfft zu sehen, dass bekannte Gruppen für so viele Tänzer gleichzeitig spielen. Sie fanden, dass es in diesem Beeich bei ihnen viel strenger zugeht und dass die Tänze viel formeller ablaufen.

Die aktuelle Situation bei Dremmwel ?

Dremmwel in Schottland Seit der Veröffentlichung unserer neue Platte haben wir beschlossen, die Gruppe um einen Schlagzeuger zu erweitern. In dieser Formation spielen wir jetzt seit etwa einem Jahr zusammen. Anfangs wollte er, dass wir einfach weiterspielen wie zuvor, und er wollte sich in das vorhandene Repertoire einfügen. Als das dann klappte, konnte er sich gleichberechtigt an der Vorbereitung neuer Stücke und Arrangements beteiligen und seine eigenen Ideen einbringen.

So hat es mit der Gruppe schon immer ganz gut funktioniert. Es ist schwierig, sofort alles auf einen neu hinzugekommen Musiker abzustimmen ohne das dies zu heftigen Veränderungen bei einem wichtigen Teil der Musiker führt. Man muss das eher so gestalten, dass die neuen Vorschläge sich nach und nach einfügen und wenn man nicht total verschlossen ist, dann kann das auch recht flott gehen. Es ist nicht so einfach, zu einer alten Gruppe hinzuzukommen, deren Repertoire bereits seit langem feststeht. Man muss sehr viel auf einmal lernen und das stellt eine große Aufgabe dar.

Wie ist das mit Louise Ebrel ?

Mit Louise war das so, dass es ein Stück namens "Novezh ifern" (nuit d'enfer: Höllennacht) gab, das wir für die Platte aufgenommen hatten und das oft im Radio gespielt wurde. Wir hatten Lust, mit ihr weiterhin zusammenzuspielen weil wir die seriöse Art und Weise schätzen, mit der sie an die Sachen herangeht. Natürlich hat uns auch ihre Stimme interessiert. Wir haben uns sehr oft auf den festoù-noz getroffen und so entstand nach und nach eine sehr gute Bekanntschaft. So ergab es sich dann, dass wir das was wir mit ihr und Iffig Flatrès, ihrem "compère" bereits im Studio erlebt hatten, fortführen konnten. Auch sie hatte bereits seit längerem Lust, mit uns zusammenzuspielen. Da uns allen die Idee gut gefiel, haben wir für diesen Sommer (2002) ein kleines Programm einstudiert, um zu sehen, wie das beim Publikum ankommt. Und es ist sehr gut angekommen.

Louise Ebrel im Studio bei den Aufnahmen zur letzten Dremmwel-CD 'Glazik' Deshalb haben wir beschlossen, das ganze auf ein komplettes Konzertprogramm auszuweiten. Das wird ein sehr vielfältiges Programm sein. Louise und Iffig werden à capella singen und sowohl von allen und auch nur von einem Teil der Gruppe begleitet werden. Dieses Konzept gibt uns auch die Möglichkeit, Instrumentalstücke zu spielen, die wir in der Bretagne ansonsten nur sehr selten präsentieren können. Hier erwartet man von uns vor allem, dass wir Tanzmusik spielen.

Kann man das dann auch irgendwann einmal auf CD hören ?

Bis jetzt gibt es da noch keine Pläne, das Konzertprogramm befindet sich ja auch erst in der Vorbereitungsphase. Aber man weiß ja nie. Manchmal kommt ja alles ganz anders...

Wie steht es um deine persönlichen Musikprojekte ?

Zur Zeit arbeite ich an ein, zwei traditionelle Stücken, die später die Grundlage bilden werden für eine Gruppe, die Seemannslieder spielen wird. Das kostet Zeit, die Ideen kommen natürlich nicht eben mal so in fünf Minuten. Ich werde bei der Auswahl immer anspruchsvoller und Sachen, die mir sehr schnell nicht mehr gefallen, verwerfe ich dann oft.

Was die Gruppe angeht, wir erneuern einen Teil unseres Repertoire jedes Jahr. An den Winterabenden haben wir oft mehr Zeit für Auftritte und deshalb üben wir für diese Gelegenheiten dann Tänze ein, die nicht so oft gespielt werde und die eher etwas für die Spezialisten in der Szene sind. Im Sommer hingegen, wenn wir auf den großem Bühnen spielen oder bei wichtigeren Abendveranstaltungen, auf den Festivals gemeinsam mit vielen anderen Gruppen, da ist dann die Zeit sehr begrenzt. Da sind wir dann gezwungen, unsere "Hits" zu spielen, auch wenn das bedeutet, dass wir einen ganzen Teil unseres Repertoires nicht spielen können.

Da es unsere Aufgabe ist, jeweils ein ganz bestimmtes Ambiente zu bedienen wäre es ein großer Fehler, den Leuten nur eine ganz bestimmte Art sehr spezieller Tänze vor die Nase zu knallen. Das fest-noz muss immer eine große Fete sein.


(Interview und Übersetzung: Willi Rodrian, 2002/2003)

Lesen Sie über Dremmwel auch den die deutsche Übersetzung des Artikels von Pierre-Yves Pétillon: DREMMWEL: Das Repertoire "glazig". Ein Portrait von Louise Ebrel, das D. Le Guichaoua im TRAD Magazine veröffentlicht hat, können sie hier nachlesen...