DREMMWEL: Das Repertoire "glazig"

(von Pierre-Yves Pétillon, in:
Musique Bretonne N° 176, Januar/Februar 2003)



Seit mehr als 15 Jahren ist Dremmwel mittlerweile ein fester Bestandteil der festoù-noz in- und außerhalb der Bretagne. Hier nun die Geschichte einer Gruppe, die mit ihrem letzten Album (Glazik, 2001) ein zunehmendes Interesse an der Musik der Region "glazig" geweckt hat.

Begonnen hat alles im Jahr 1986. Im Anschluß an eine Reise nach Wales beschlossen René Marchand und Dominique Le Guichaoua, die bereits als "sonneurs de couple" (also als traditionelle Musiker) zusammen spielten, eine Gruppe zu gründen. Mit dabei war Hervé Villieu, der erst vor kurzem in die Bretagne gezogen war. In dieser Kombination gelangte die Gruppe sehr bald an ihre Grenzen und es kam ein weiteres Mitglied zur Gruppe, der Drehleierspieler Michel Le Corre.

Nach mehreren Versuchen, die mehr oder weniger erfolgreich waren, kam es zur Bildung eines neuen Quartets. Diesmal gesellten sich Jean-Marc Lessieur (bouzouki) und Jacques Portal (Gitarre) zu den beiden Gründungsmusikern. Die beiden neuen Mitglieder spielten bereits bei der Gruppe "Tonnerre de Brest". Durch die neuen Instrumente änderte sich die musikalische Ausrichtung. Die Gruppe stimmte die Instrumente immer mehr aufeinander ab und man benutzte zusätzlich auch elektronische Geräte (sampler).
Zu Beginn der 90er Jahre schließlich ersetzten Marin L'Hopiteau und Daniel Cadiou die beiden zuletzt hinzugekommenen Musiker.

Dremmwel im Sommer 2002 bei einem Konzert in der Altstadt von Concarneau Dremmwel hat sich während all dieser Jahre niemals auf die Auftritte bei den festoù-noz beschränkt. Es gab immer auch die sogenannten "Vortragskonzerte" ("concerts-conférences") in deren Verlauf die Musiker dann ihre Instrumente vorstellten. Dank dieser Auftritte konnten die Musiker ihre Kenntnis der traditionellen Musik vertiefen ebenso wie die der alten Aufzeichnungen und Dokumente. Wie beispielsweise die Manuskripte des Chorherren Mahé, mit die sie sich auch heute noch beziehen.



Unterschiedliche musikalische Ursprünge

Dominique Le Guichaoua begann seine musikalische Karriere gemeinsam mit seinem Vater im "cercle celtique" in Plomelin. Nachdem er den schottischen Dudelsack ausprobiert hatte, gab er sich schließlich mit dem "binioù kozh", dem bretonischen Dudelsack zufrieden, da er der Meinung war, das dieser für die bretonische Musik geeigneter sei: "Das kam ehr aus der eigenen Erfahrung. Wir kannten keine älteren Musiker, die uns da anleiten konnten. Ich habe meinen Entschluß gefasst, als ich Jos Landrein bei einem Pardon in la Lorette beobachtet habe. Die Musiktheorie und die harmonielehre habe ich mir ganz alleine beigebracht und erst viel später habe dann Jazzkurse besucht."

Marin L'Hopiteau, Harfinist der Gruppe und Harfenbauer in Quimper Marin L'Hopiteau kam zusammen mit Daniel Cadiou zur Dremmwel.Sie kannten sich bereits seit einigen Jahren und sie hatten auch schon gemeinsam in anderen Gruppen gespielt.
"Ich habe mit der Geige angefangen, ganz alleine, nur nach dem Gehör habe ich mir das beigebracht. Danach habe ich mich dann auf die Harfe verlegt, ich spiele Harfe und ich bauen Harfen. Da habe ich auch Stunden genommen. Ich spiele auch die Harfe viel nach Gehör, die Notenschreibung, das kommt erst später."

Eric Savina, der jüngste Musiker der Gruppe am Schlagzeug Auch René Marchand hat alles vor Ort gelernt, vor allem bei Hervé Irvoas (dem Vater).

Er beherrscht mehrere Instrumente wie die Bombarde und die veuze (kleiner bretonischer Dudelsack). Daniel Cadiou, der Gitarrist, hat mit Rockmusik angefangen, danach kam dann die Folkmusik und dazwischen gab es noch eine Episode mit dem "chanson réaliste".

Eric Savina, der jüngste der Musiker, mit seinem Schlagzeug immer eher im hintergrund, kommt ebenfalls aus der Rockmusik und es war reiner Zufall, dass er schließlich bei der bretonischen Musik landete. Er war der Schlagzeuglehrer von Marins Sohn. Genau zu dieser Zeit war man bei Dremmwel daran interessiert, die musikalische Palette der Gruppe zu erweitern und so war er ganz schnell mit von der Partie.

Inspirationsquelle traditionelle Musik
Dominique Le Guichaoua, Gründungsmitglied und Komponist der Gruppe
Neben den Anregungen, die die Musiker von Dremmwel aus den Manuskripten des Chorherren Mahé und aus den "Tonioù Breizh-Izel" von Polig Montjarret beziehen, beziehen sie sich auch auf alte Archivaufnahmen.

Dominique Le Guichaoua erzählt "...das was wirklich interessant ist, das ist die Entdeckung der Stücke. Danach handelt es sich vor allem darum, die Stücke zu arrangieren, um sagen zu können, was zueinander passt. Das schafft man nicht eben mal schnell eine Stunde vor dem Auftritt, dafür braucht es Zeit, damit die Arbeit und das Ergebnis sich entwickeln können."
Die Komposition selber, die Notenschreibung, das geschieht dann später am Computer. "Aber das ist lediglich ein Gerüst, das sind Orientierungspunkte, wir vereinfachen da vieles. Das wäre sonst nicht zum tanzen geeignet. Das gibt uns Anhaltspunkte", erklärt Marin. "So erhält man einen guten ersten Eindruck vom Verlauf des Stückes, später dann vergessen wir den Computer wieder" ergänzt Dominique.

Dremmwel will sich nicht an dem orientieren, was die anderen fest-noz-Gruppen machen. Marin bedauert es ein wenig, dass die jungen Musiker, die eigentlich die Instrumente sehr gut beherrschen, immer wieder die Themen aufgreifen, die schon bekannt sind und die gut ankommen.
Dabei vernachlässigen sie den Reichtum des vorhandenen Repertoires. "Man muß die Wurzeln der bretonischen Musik kennen und ihre Geschichte, das ist wichtig, um auf dem laufenden zu sein" erinnert Dominique.

Die Freude an der Begegnung

René Marchand gründete Dremmwel gemeinsam mit Dominique Le Guichaoua vor 6 Jahren Trotz des langen Bestehens hat Dremmwel erst zwei Platten herausgebracht. "Das erste Album war für uns sehr wichtig. Unser Zusammenspiel begann zu funktionieren und um weiterzukommen, mussten wir die CD aufnehmen" erklärt Dominique. Die zweite Scheibe entstand in der Folge einer Aufführung in Quimper, die den Fluß, "Livioù an dour" (die Farben des Wassers) zum Thema hatte. Es war eine Auftragsarbeit für das bretonische Kulturzentrum "Ti Ar Vor" in Quimper, bei dem die Gruppe Mitglied ist. Die Gruppe hat auch weiterhin vor, sich künstlerisch mit der Stadt Kemper (wie Quimper auf bretonisch heißt) zu beschäftigen, diesmal soll es allerdings um eine jüngere historische Epoche gehen. Diesmal wollen sie sich mit der Zeit der Komponisten zwischen 1940 und 1950 befassen. Das war eine Periode, in der Komponisten wie beispielsweise Fouille in Quimper lebten und arbeiteten:
Daniel Cadiou, der Gitarrist der Gruppe "Damals gab es in Locmaria eine Gruppe, die in Theatern und in Cafés auftrat. Die Sängerin, man nannte sie "Nénette de Locmaria", hatte ein Repertoire, dass eigens für sie geschrieben worden war. Themen waren die ‚faianceries' (die Porzelanmanufakturen von Quimper), die Umsegelung von Cap Horn oder die Zeit der Landstreicher."

Dremmwel hat bei beiden Alben auch mit Gastmusikern zusammengearbeitet. Auf der Bühne, bei Auftritten, sind diese allerdings kaum mehr beteiligt, abgesehen von (link) Louise Ebrel. Mit ihr spielt sich die Gruppe regelmäßig immer wieder zusammen bei den festoù-noz.
"Die Auswahl unserer Gastmusiker macht durchaus Sinn: es handelt sich dabei vorwiegend um Leute, die noch nie oder nur selten etwas aufgenommen haben wie zum Beispiel der Chor "les Kanerien Langazel", die wir anlässlich des Wettbewerbs "Kann al Loar" kennen gelernt haben. Wir haben uns bereits mehrere Male gegenseitig eingeladen und so war es für uns ganz selbstverständlich, sie auch darum zu bitten, auf unserem Album zu singen" erinnert sich Dominique. "Vielleicht war das auch der Grund für ihrer Entscheidung, sich als Chor zu etablieren" fügt Marin an.

Die Vorkämpfer der "gavotte glazig"

Das letzte Album der Gruppe trägt den Titel "Glazik" und steht damit für die Absicht von Dremmwel, den thematischen Schwerpunkt auf die eigene Heimatregion zu legen. Vor allem ging es darum, die "gavotte glazig" wiederzubeleben, die kaum mehr getanzt wurde. Momentan sind die Musiker damit beschäftigt, eine "suite de gavottes", also eine Abfolge von Tänzen zusammenzustellen anlässlich der "Nuit Glazig", die am 1.März in Brieg stattfinden wird. Sie verstehen sich selbst so ein bisschen als die Vorkämpfer der gavotte in der Art ihrer Region, à la glazig, aber ihr Engagement für die Erneuerung dieses Tanzes bedeutet keinesfalls, dass sie sich damit nur an die Spezialisten wenden.

Die Gavotte glazig von Dremmwel sorgt für viel Begeisterung beim Publikum Die "Nuit Glazig" wird bereits mit einem Glazig-Tag, einer "journée glazig" beginnen, an dem eine eigene Einführung in die Art und Weise dieses Tanzes angeboten wird. Verantwortlich dafür ist die Organisation "War'l Leur Penn Ar Bed" (also die regionale Abteilung von "War'l Leur" im Département Finisterre, eines Vereins zur Pflege und Förderung der traditionellen Tänze), mit einer Einführung speziell über das "pays glazig", die in Landrévarzec veranstaltet wird. Im Laufe dieses nachmittags wird sich auch René Merdy zu Wort melden, ein "sonneur" (traditioneller Musiker) und Musiksammler aus den Regionen "rouzig" und "glazig". Das fest-noz findet danach im salle Arthémuse in Brieg statt, wo eine ganze Reihe von MusikerInnen und SängerInnen auftreten werden - und natürlich auch Dremmwel.

(Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und Photos: W. Rodrian, 2003)

Infos:

Dominique Le Guichaoua
Tel./Fax: 0033-2-98 95 82 47
e-mail: Daniel.Cadiou3@wanadoo.fr
Internet: perso.wanadoo.fr/hanternoz/dremmwel

Discographie:

1996: Heol-loar/clair de lune
2001: Glazik

Demnächst erfahren Sie bei www.breizh.de mehr über Dremmwel in einem Interview mit Dominique Le Guichaoua, in einem Portrait über Marin L'Hopiteau als Harfenbauer und in einem Bericht über das Konzert von Dremmwel in Concarneau.