Gweltaz AR FUR
"Die keltische Welt in Quimper"

(Quimper, am 25. Mai 2001)










Gweltaz Ar Fur in seinem Laden AR BED KELTIEK in Quimper

Wie steht es mittlerweile um die Website und den Online-Vertrieb bei Ar Bed Keltiek ?

Die Idee, eine Website zu schaffen, hatten wir 1997 und im Juni wurde die Seite dann von Bernez Boulc'h eröffnet.

Seit 1999 hat mein Sohn Keven die Pflege der Homepage übernommen und er hat insbesondere ein Suchmaschine implementiert, die sämtliche Bücher und Platten erfasst. Zur gleichen Zeit haben wir auch einen Shop eingerichtet, der es den Besuchern der Website erlaubt, direkt dort auch einzukaufen.

Vorher ging das per e-mail oder per Post. Seit 1999, Anfang 2000 ist die Website also so richtig eingeführt und entwickelt und wir arbeiten weiterhin viel daran, mein Sohn Keven ist quasi Vollzeit damit beschäftigt. Da steckt viel Arbeit drin, mit der Suchmaschine und vielen anderen Dingen. Das ist viel Arbeit, aber gerade jetzt im Mai 2001 können wir sagen, dass der Umsatz über die Website gut die Hälfte des gesamten Geschäfts ausmacht. Also das ist doch ein sehr interessantes Ergebnis.

Da wir beschlossen haben, das alles selber zu bewerkstelligen, ist es eine recht langwierige Arbeit, aber das Ergebnis ist doch ermutigend.

Was verkauft sich besser ? Die Bücher oder die Platten ? Und wie kann man den Erfolg der Website messen ?

Gweltaz Ar Fur, ehemaliger Liedermacher und Weggenosse von Gilles Servat, Alan Stivell und anderen... Bücher verkaufen sich im Internet nicht schlecht, aber es gibt da natürlich immer das Problem der Sprache. Ganz offensichtlich lesen nicht alle französisch und außerhalb der Bretagne lesen noch weniger Leute bretonisch. Darüber hinaus führen wir auch noch eine ganze Menge englische Bücher , aber keine in anderen Sprachen. Wir verkaufen zwar Bücher im Internet, aber die Platten verkaufen sich viel besser.
Die Musik, das ist eine universelle Sprache und deshalb auch viel attraktiver. Die Sprachen muß man ja erst lernen, wenn man sie nicht beherrscht.

Wir haben uns insbesondere mit der internationalen Nachfrage von Leuten beschäftigt, die die keltische Musik schon kennen, für die die keltische Musik aber in den vergangenen Jahrzehnten vor allem immer durch die irische und manchmal auch durch die schottische Musik verkörpert wurde. Mittlerweile interessieren sich diese Leute auch für die bretonische Musik als eine keltische Musik, die halt ein bisschen anders klingt.

Es sind vor allem die Kunden aus Nordamerika oder aus Neuseeland, alle die eben, die sich an ihre irischen oder schottischen Wurzeln erinnern - diese Leute schreiben uns oft und sie bestellen auch oft bretonische Platten. Wir haben eben auch unsere eigene bretonische Musiktradition, die auf sehr authentische Weise von Generation zu Generation überliefert wurde.

In der musikalischen Überlieferung gab es keine Brüche zwischen den Generationen und in technischer Hinsicht hat sich hier eine Menge getan - vor allem was die Öffnung der Musik für andere Einflüsse aus aller Welt, insbesondere aus den anderen keltischen Ländern angeht.

Wie steht es heute um die bretonische Musik ? Es gibt so viele junge Musiker und viele neue Gruppen...?

In der Bretagne gibt es viele Musiker, für die die bretonische Musik der Bezugspunkt ist. Es gibt das Bagad - das Bagad ist ein traditionelles Orchester und diese Formation gibt es bereits seit 50 Jahren ausschließlich in der Bretagne. Diese Formation besteht aus "binioùs", also aus Dudelsäcken, "bombardes" und einem Ensemble unterschiedlicher Trommler, aus der Schlagzeugsektion. Und diese Bagad (breton. "bagadoù") sind die musikalische Schule für enorm viele MusikerInnen in der Bretagne.

Für bekannten MusikerInnen ebenso wie für die sehr jungen, aber die "bagadoù", das sind echte Musikschulen in ihrer Umgebung, in ihrem Dorf, in ihrer Stadt. Und diese jungen MusikerInnen, welche die bretonische Musik auf diese Weise kennen und spielen lernen, können sich dann entweder in diesem oder einem anderen Bagad integrieren oder sie suchen andere Wege um sich musikalisch zu verwirklichen.

Gweltaz Ar Fur mit seinem Sohn Keven vor dem Laden 'Ar Bed Keltiek' in Quimper Darüber hinaus gibt es die bretonischen Tänze und die dazugehörige Musik. Diese Musik wird von den Fest Noz-Gruppen gespielt und die sind so seit ungefähr 20 Jahren sehr verbreitet. Sie benutzen vor allem Saiten- oder Blasinstrumente, aber auch das diatonische Akkordeon hat mittlerweile ein starke Verbreitung in der Bretagne gefunden.

Jean-Michel Veillon hat die hölzerne Querflöte als erster in der bretonischen Musik verwendet und er hat ihre Spielweise weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es viele, die seinen Spuren folgen. Es gibt spezielle Spielweisen auf der Gitarre, die in der bretonischen Musik von Musikern wie Soig Sibéril, Yvon Riou und Jacques Pellen eingeführt wurden.

Es gibt viele interessante MusikerInnen. Das betrifft alles den Bereich der traditionellen Musik. Da gibt es auch noch den unbegleiteten Gesang, a capella - das sind die Gwerz-Lieder oder der Kann Ha Diskan (Tanzlieder).
Es gibt viele Namen, die sehr interessant sind.

Die Instrumente werden auch noch auf die traditionelle, authentische Weise gespielt, der kleine Dudelsack, das "binioù koz" und die Bombarde. Vor allem in der Tanzmusik sieht man das noch.

Darüber hinaus findet eine starke Öffnung nach außen statt - Erik Marchand zum Beispiel singt mit rumänischen Musikern, mit dem Taraf de Caransebes. Einige Bagad-Orchester haben afrikanische Musiker oder auch Jazzmusiker für ihre Produktionen und Auftritte eingeladen.

Oder auch das Duo Ebrel - Ricardo Del Frau, eine Sängerin wie sie zusammen mit einem Kontrabassisten wie Del Frau. Das ist absolut bemerkenswert!

Ich selber bin sehr optimistisch in Bezug auf die Zukunft der bretonischen Musik. es gibt da dermaßen viele junge Leute, die sich dafür interessieren. Sie wird sich auch weiterentwickeln und uns mit Sicherheit auch noch einige Überraschungen präsentieren.

Die bretonische Musik ist mittlerweile also ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Bretagne geworden ?

Gweltaz und Keven Ar Fur Aber natürlich, genauso ist es ! Da muß man nur mal auf ein Fest Noz gehen um zu beobachten, wie sich die Generationen dort vermischen. Die ganz kleinen, die Heranwachsenden, die Großeltern - alle zusammen. Hier kommen alle zusammen, Leute aus allen Schichten und Verhältnissen, auch die Intellektuellen, nicht selten Universitätsprofessoren - alle Welt findet sich dort ein. Das ist etwas sehr seltenes, dieses grenzenlose Miteinander. Heutzutage distanzieren sich die Menschen nur allzu oft voneinander, vor allem in den Städten.

Was hältst du als ehemaliger Präsident von Diwan von der aktuellen Situation der bretonischsprachigen Schulen und der bretonischen Sprache ?

Also, ich persönlich glaube, dass wir sehr lange darauf hingearbeitet haben. Wir haben die Diwan-Schulen 1970 gegründet. Wie du gesagt hast, war ich Präsident von Diwan. Damals waren wir nur ein paar Familien im westen der Bretagne und heute stehen wir kurz vor der öffentlichen Anerkennung der von uns aufgebauten Schulen.
Wenn der Staat das Interesse am einsprachigen bretonischen unterricht endlich anerkennt, dann heißt das, das der Staat mittlerweile unter dem Zwang steht, zu akzeptieren, dass das eine interessante Sache ist.

Es gibt inzwischen auch messbare Ergebnisse - seit kurzem. De Ergebnisse der verschiedenen Gymnasien im Finistère wurde jetzt veröffentlicht. Das betrifft den Bildungsstand der verschiedenen Gymnasien bis zum Abitur und das Diwan-Gymnasium steht dabei an 2. Stelle. Das ist hervorragend ! Das zweitbeste Gymnasium im Finistère.

Der Unterricht findet ausschließlich in bretonischer Sprache statt und nun gibt es keinen Zweifel mehr, dass diese Methode die richtige ist. Aber es gibt bisher nur ein bretonischsprachiges Gymnasium - bisher ! Aber dank der Überlegungen des Ministeriums und dank der gegenwärtigen Entwicklungen kann sich das nun auf sehr intelligente Weise entwickeln.

Wird Jack Lang mit seinen Ideen Erfolg haben ? Es gibt ja auch Stimmen, die gegen diese Pläne sind.

Das französische System ist sehr zentralistisch und die Verwaltung ist schon sehr alt und zeichnet sich vor allem durch ihre Untätigkeit und ihre Trägheit aus.

Ich glaube, daß wir als Eltern oder Unterstützer von Diwan sehr aufmerksam und wachsam bleiben müssen, um darauf zu achten, daß Diwan seine Interessen und vor allem seine Seele bewahrt.

Die Generalversammlung von Diwan hat sich mittlerweile für die Öffnung nach außen entschieden, aber es gibt ein Komitee, das die weitere Entwicklung überwachen soll.

(Interview und Übersetzung: Willi Rodrian, 2001)