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Kej, das erste Album. Erschienen 2001 bei An Naer Produsion
Die CD des Monats - April 2002
KEJ...

Ein Portrait der Gruppe

(von Dominique Le Guichaoua, in TRAD Magazine, N 79)

www.musictrad.org/thomas/thomas.html








Die Ursprünge dieser Gruppe liegen teilweise im Jazz (Pierrick Tardivel, Kontrabass und Philippe Gloaguen, Gitarre), teilweise in der traditionellen Musik (Jean-Luc Thomas, Flöte). Die traditionelle Musik gab auch den Anstoß zur Gründung des Trios.
Einem Trio, das auf der Suche nach musikalischer Ursprünglichkeit die Annäherung zwischen der bretonischen Tradition und anderen Kulturen sucht.
So zum Beispiel beim Volk der Peuls in Bali oder bei brasilianischen Musikern in Sao Paulo. Anläßlich der Veröffentlichung ihres ersten Albums, das im Oktober 2001 bei An Naer Produksion erschien, nun dieser Bericht über die ungewöhnlichen Orte, die sie sich mit Vorliebe für ihre Auftritte aussuchen und über die Reisen, die ihre Musik beseelen...


Kej (von links nach rechts): Philippe Gloaguen: Gitarre, Pierrick Tardivel: Bass und Jean-Luc Thomas: QuerflöteFür Pierrick und Jean-Luc steht Kej in der Nachfolge der Gruppe Dibenn. Von der Gruppe zum Duo, das ist alles eine ganz simple Geschichte. Als Jean-Michel Veillon für das Festival de Cornouaille 1997 das Programm für Querflöten koordinierte, lud er auch ein paar bretonische Musiker ein, und bat sie im Duo auftraten.

"Da uns dieses Projekt großen Spaß machte, machten wir gemeinsam weiter. Dabei wussten wir oft gar, was sich daraus entwickeln würde."
Es gab diverse Versuche und Entwürfe hie und da, manchmal trat auch Leerlauf ein und als sie dann um einen Beitrag für die "collection" von Bro Dreger erhielten, saß das Duo schließlich wieder fest im Sattel.

Jean-Luc Thomas erinnert sich: "Für die CD "Daou ha daou" hatte Didier Becam vorgeschlagen, dass alle eine Suite für zwei Instrumente einbringen sollten. Ein bißchen so in der Art wie das, was die "sonneurs du Trophée Matilin an Dall" beim Festival von Lorient machen. Das ließ uns einigermaßen viel Freiheit bei der Gestaltung und dabei kamen dann unterschiedliche Versionen von "Benom kozh" heraus, die wir gemeinsam entwickelt haben."

Mit dem Flötenkonzert in Vieux Marché (22) anläßlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Organisation Dastum entwickelte das Duo eine etwas andere Dynamik.
Diesmal standen die beiden Instrumente, Flöte und Gitarre, gleichberechtigt nebeneinander.

"Es gab immer wieder Gespräche über den Stoff, aus dem wir unsere Musik zusammenstrickten, den "niederbretonischer Nährboden". Und tatsächlich ergaben sich dann immer wieder Anlässe, in dieser Formation zusammenzuspielen.
Aber wir hatten das Gefühl, daß das noch nicht alles war: die Ideen sind da, aber irgendetwas fehlte noch beim Sound. Pierrick hat daraufhin vorgeschlagen, Philippe Gloaguen mit einzubeziehen und so entstand damals das Programm für einen Abend im Schloß von Tonquédec. Musikalisch ergab sich bei dieser Gelegenheit vieles, was wir zu zweit überhaupt nicht ausdrücken konnten."


Auf dem Weg zu unbekannten Ufern...

Kej (von links nach rechts): Philippe Gloaguen: Gitarre, Pierrick Tardivel: Bass und Jean-Luc Thomas: Querflöte Der Kontrabass ist das Instrument, das in der traditionellen Musik als letztes Fuß gefaßt hat. Viele Bassisten haben den E-Bass gegen den guten alten Kontrabass eingetauscht und nicht selten haben sie ihre Ursprünge im Jazz. Für Pierrick Tardivel ist es kein Ding der Unmöglichkeit, die beiden Stile zusammenzubringen.

"Jazz, das ist eine sehr durchdachte Musik. Für den Jazz braucht es die Kenntnis der Harmonielehre. Es ist also wesentlich einfacher, sich von dort aus der traditionellen Musik anzunähern als umgekehrt. Aber mit ein wenig Zurückhaltung ist es durchaus möglich, die Dinge zusammenzubringen.

Pierrick und ich, wir spielen auch Jazz miteinander und was die musikalischen Systeme angeht, da stoßen wir im Rahmen dieses Trios immer wieder auf Themen, die wir bereits seit langer Zeit kennen und die im Jazz bereits seit langem ausgiebig ausprobiert werden. Allerdings bleibt ein Trio wohl immer auch ein Experiment.

Rund um unser traditionelles Repertoire versuchen wir auch, in unbekannte Gebiete vorzudringen. Bei den Proben stzen wir uns keine Grenzen. Selbst wenn es einmal schwer verständlich oder sogar unerhört sein sollte, ein interessanter Klang verdient es auf jeden Fall, daß man sämtliche seiner Facetten erforscht."


Die Musik von Kej ist Konzertmusik. Ausgehend von den Tänzen, Melodien, Märschen und einigen Kompositionen entwickelt sie auch Arrangements, die originell sein sollen. Sie spielen beispielsweise mit der Auflösung der Strukturen oder sie halten nicht unbedingt das übliche Tempo ein.

Jenseits der gewohnten Bühnen spielt auch die Örtlichkeit eine wesentliche Rolle, denn das Trio spielt in Kirchen, Ruinen, Kathedralen oder an anderen Plätzen, die nicht gerade für ein Konzert üblich sind. So wie beispielsweise das Konzert in der Abbaye du Relecq in Plounéour-Menez (29). Dort war es eine Zusammenstellung von Stücken, die einen direkten Bezug zu dem Gebäude haben, in dem sie gespielt werden. Das ist einzigartig.

"Wir nutzen die natürlichen Gegebenheiten - es ist diese Freiheit, die wir uns bewahren wollen, im Einklang mit dem Ort zu sein, ohne das außer acht zu lassen, was das Trios an sich ausmacht."

Abseits der Fest noz-Szene...

Jean-Luc Thomas über die Beziehung zur Fest-Noz-Szene:
"Sicher, unsere unterschiedliche Herkunft von der Tanzmusik zum einen oder von der konzertanten Musik andererseits sind nicht unvereinbar, zumal unser Abenteuer mit Kej bereits begonnen hatte, als ich noch Mitglied bei der Gruppe Hastañ war. Es macht mir von Zeit zu Zeit Spaß auch noch Tanzmusik zu spielen, im Duett mit Jamie Mc Menemy. Jean-Luc Thomas und Jamie Mc Menemy

Das Problem der Fest-noz-Gruppen, das ist der Rhythmus: Spielen, spielen bis zum Umfallen. Unsere Arbeit bei Kej hat seinen Ursprung in einem Repertoire, das wir niemals auf einem Fest-noz spielen können, vor allem weil dort der Platz zum Improvisieren fehlt. Wir passen die Stücke an, bis wir der Ansicht sind, daß der Moment gekommen ist, in dem beispielsweise der Bass oder die Gitarre die Führung übernehmen können. Unser Schwerpunkt liegt vor allem in der Neuschöpfung, ohne dass wir und an eine strenge Notation halten...

Es ist also auch kein Zufall, dass die traditionelle Musik unseren Ausgangpunkt bildet. Der Grund ist, daß diese Musik eine Geschichte hat, einen Charakter und ihre ganz eigenen Phrasen. Vielleicht ist das eine neue Tendenz, dass man versucht, sich von den Melodien zu lösen. Auf jeden Fall improvisiert man in der Bretagne üblicherweise nicht auf dieselbe Art wie im Jazz, in der arabischen oder in der indischen Musik. Das zentrale Thema der bretonischen Musiker und Sänger, das ist die Variation, die auf ihre Weise auch wieder reine Improvisation ist.. Ich persönlich habe überhaupt nichts mit dem Jazz zu tun. Ich höre wenig Jazz und habe keine Lust, Jazz zu spielen. Das ist nicht meine Musik.

Ich habe deshalb allerdings die Freiheit, meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. Und das finde ich sehr spannend."

(Übersetzung: Petra & Willi Rodrian, 2001)

Im zweiten Teils dieses Artikels geht es um die musikalischen Reisen des Trios nach Mali und Brasilien und die Pläne für die nähere Zukunft.