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Kej, das erste Album. Erschienen 2001 bei An Naer Produsion
Die CD des Monats - April 2002
KEJ...

Ein Portrait der Gruppe - Teil 2
(von Dominique Le Guichaoua, in TRAD Magazine, N° 79)

www.musictrad.org/thomas/thomas.html








In Mali... die fundamentale Kommunikation

Eine Reihe von Umständen ermöglichte es Kej im letzten Dezember nach Mali zu fliegen. Ursprünglich ging die Initiative von Claude Le Diuzet aus, einem Lehrer am "Centre de Formation d'Armor" aus Pomerit Jaudy (22), dessen Organisation Le Méridien auf der Grundlage einer Partnerschaft der Bevölkerung von Mali schulische, landwirtschaftliche und medizinische Hilfe zukommen ließ.
Dabei handelte es sich um den Austausch von Informationen und Lebenserfahrungen und es ist dem Gitarristen Yvon Riou zu verdanken, dass im Rahmen diese Partnerschaft seit zwei Jahren auch ein musikalischer Austausch stattfindet. Als erster hat er entsprechende Kontakte aufgenommen und geplant, Musiker aus Mali in den Trégor einzuladen.
Kej - ein Trio, das immer auf dem Sprung ist zu neuen Reisen und musikalischen Abenteuern (Photo: Florent Die) "Zum ersten Mal sind wir ihnen anlässlich eines Flötenkonzertes in Vieux Marché (22) begegnet, dann noch einmal bei einem Konzert des Trios im Gymnasium. Sie haben uns den Vorschlag gemacht, sie in Mali zu besuchen. Wir wollten aber vermeiden, nur das zu wiederholen, was Yvon bereits gemacht hatte.

So ergab sich die Idee, die Instrumente mitzunehmen und mit so vielen Leuten wie möglich vor Ort zu musizieren und zu versuchen, eine Kommunikation herzustellen. Falls uns dies gelingen sollte wollten wir sie einladen ihre Musik in der Bretagne zu präsentieren und bestenfalls wollten wir etwas gemeinsames auf die Beine stellen.

Dort unten dann, vor Ort"
fährt Pierrick Tardivel fort, "haben wir jeden Tag ganz unterschiedliche Leute getroffen, Gitarristen, Percussionisten, Balafonspieler, die in den Dörfern eine ähnliche Funktion zu spielen schienen, wie früher die "sonneurs" in der Bretagne.
In jeder Region gibt es einen Lehrer, der sowohl von den Tänzern als auch von den Religionsgemeinschaften als großer Musiker anerkannt wird, der über ein großes Repertoire verfügt und die Stücke meisterlich interpretiert. Alle, die das lernen wollen, radeln mit ihren Instrumenten auf dem Rücken dorthin, um den Meister zu sehen, der sie dann als Schüler aufnimmt oder auch nicht - Was die Harmonien angeht, da ist diese Musik ziemlich einfach gestrickt."

Jean-Luc Thomas (Photo: Florent Die) Es gab sessions mit modernen afro-jazz bands in den Kneipen, Jagdgesänge und akoustische Musik beim Volk der Peuls. Die Balafonspielern spielen im Dorf zur Unterhaltung der Kinder, der Frauen und der Alten und unsere drei Bretonen konnten die spontane Begeisterung und die soziale Funktion der Musik im Dienste der Gemeinschaft beobachten. Es war nie ein Problem, dabei mitzumachen.

Die Neuigkeiten machten sehr schnell die Runde und es immer mehr Einladungen kamen zustande. Hervorragende Musiker und großartige Menschen. Es war eine sehr intensive Erfahrung.
Der Abschiedsschmerz verging schnell (man hatte sich nicht allzu viel zu sagen aufgrund der gegenseitigen Unkenntnis und weil die sozialen, geografischen und kulturellen Horizonte so weit auseinanderlagen).
"Wir wussten zwar nicht genau, was wir gespielt hatten, aber wir hatten gespielt. Da waren all die Leute, die sich um uns versammelten und die uns nicht verstanden, aber letzten Endes waren alle gut drauf. Das war wirkliche eine ganz fundamentale Kommunikation."

Sie hatten enorm viel gelernt und massenweise Aufnahmen gemacht. Im Gegenzug hofft KEJ, dass sie im Austausch auch etwas geben konnten, ohne, dass sie sich so ganz genau im Klaren darüber sind, was da eigentlich passiert ist.

"Durch die Weltmusik sind wir an eine ganze Menge derartiger Mischformen gewöhnt, aber dort unten, da gibt es keine Schubläden. Da hört man nicht: das klingt traditionell, wie man das in Bretagne ausdrücken würde. Bei ihnen gibt es keine Trennung von populärer und ritueller Musik. Man lebt mit der Musik.
Wir interessierten uns nicht besonders für die Orte, wo das gespielt wurde, was sie als moderne Musik bezeichnen. Wir suchten vielmehr die akustische Musik. Es gibt ein gemeinsames Repertoire bei den etwa 15 Volksgruppen im Mali, das den populären, den rituellen, den feierlichen und den unterhaltsamen Bereich abdeckt..."


Die Peuls in der Bretagne

Der Austausch ging weiter. Vergangenen Mai kamen Musiker aus Mali in die Bretagne und es kam zu knapp 20 Veranstaltungen (an Schulen, auf Kleinkunstbühnen und in kleineren Veranstaltungssälen), die mit einem Abschiedsabend endeten, bei dem die Musiker aus Mali gemeinsam mit Kej und Annie Ebrel auf der Bühne standen.
Philippe Gloaguen und die Musiker aus Mali (Photo: Florent Die) "Die Leute wurden von dieser Musik völlig überrascht." Auch für das Trio war es eine positive Überraschung: das was man vor einigen Monaten in Afrika gemeinsam einstudiert hatte, bestätigte sich nun beim erneuten Zusammenspiel... In einem Universum sehr einfacher Melodien, wo sämtliche Klangfarben in verschiedenen rhythmischen Phrasen überzulaufen scheinen, dort sind die Möglichkeiten unendlich. Das Zusammenspiel bestimmter Instrument drängten sich förmlich auf, wie z.B. Contrabass und douzoun ‚gouni (die 6-seitige Bass-Kora der Jäger, die den Gesang begleitet) oder auch die Flöten für einzelne Motive oder die Verziehrungen, für die Rhythmik und deren Strukturierung.

"In der Bretagne", so Jean-Luc Thomas "ist seit gut 20 Jahren so, dass man mit den Harmonien nur in ihrem traditionellen Kontext arbeitet. Die melodiösen Phrasen sind sehr wichtig, sie verbleiben jedoch immer in rhythmischen Strukturen, die nahezu unverändert bleiben. In dieser Hinsicht gibt es noch viel neues zu entdecken.
Mamadou Kanté (Percussion), Amadou Diallo (douzoun 'gouni, Gesang) und Aligui Coudibaly (Flöte) sind Meister in dieser Hinsicht, der Rhythmus ist die Grundlage ihrer (musikalischen) Kultur. Es ist unbestreitbar, dass sie und geholfen haben unsere Musik ganz neu zu sehen."


In Brasilien..
Musik in der Stadt


Es war Roger Eon, der auf die Idee kam. Roger Eon ist ein Gitarrist aus Lannion, mit dem Jean-Luc Thomas zusammen spielt. Es gibt einen Austausch zwischen einer Musikschule in Sao Paulo und der von Lannion, und so ergab sich die Gelegenheit, einige brasilianische Musiker in die Bretagne einzuladen. Sie spielten auf mehreren festoù noz und schließlich gemeinsam bei einem Konzert mit Annie Ebrel und Ricardo Del Fra.

Session mit den Musikern aus Mali (Photo: Florent Die) "Nach dieser Veranstaltung ergab sich noch eine gemeinsame Nachtsession bei mir zuhause, und dort hat der Zauber dann voll gewirkt" erinnert sich Jean-Luc.
Eine der Brasilianerinnen, die mit von der Partie war, arbeitet am Theater und sie wollte in Brasilien gerne Profimusiker vorstellen, lieber als Schüler. Und so kam es zu der Begegnung zwischen Kej und drei brasilianischen Musikern. Im Prinzip war es ganz ähnlich mit bei den Musikern aus Mali. Die brasilianischen Musiker kamen im Januar (2001) noch einmal in die Bretagne, um ein Konzert zu geben, das sehr gut ankam.

"Wir unsererseits sind dann nach Brasilien gereist und haben dort sieben Konzerte in zwei Wochen in Sao Paulo und in Campinas, einer benachbarten Stadt mit etwa einer Million Einwohner, gegeben."

Diese Tournee war ganz anders. Sehr gut organisiert und in technischer Hinsicht hervorragend ausgestattet. Und sie fand in einem ausschließlich urbanen Milieu statt.

Immer kam es zu Begegnungen mit der populären Musik (Volksmusik/musica popular) vor Ort und es gibt ziemlich viele Leute dort, die verdammt gut spielen. Die bretonischen Musiker waren vor allem von der emotionalen Tiefe des Publikums überrascht (...wie kann man überhaupt ohne Rhythmus spielen, ohne Percussion ?).

Einige Monate später kam auf beiden der Wunsch auf, diese Reise zu wiederholen und die Organisationen waren zur Stelle, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Konzerte zu realisieren.

Eine Zukunft voller Ideen

Zu den Aufnahmen für das erste Album hat man einige Freunde eingeladen (Annie Ebrel, Olivier Urvoy und Yann Gireg Le Bars) und diese CD ist in erster Linie das Zeugnis einer sehr intimen Begegnung. Das Trio fühlte sehr bald das Bedürfnis, sich gemeinsam vor das Mikrophon zu stellen, um das wiederzufinden, was man bei den Konzerten auslebte. Das ist eine Musik, die wie ein vergänglicher Augenblick festgehalten wird. Man akzeptierte auch die Verluste in tontechnischer Hinsicht, man verzichtete auf das abmischen, um eine möglichst authentische wenn auch nahezu unmögliche Widergabe dessen zu erreichen, was man live präsentierte. Das Album erschien Anfang Oktober 2001.

Pierrick Tardivel mit malinesischen Musikern in der Bretagne (Photo: Florent Die) Mittlerweile wird das Trio bei der Vorbereitung seiner Tourneen von einem kompletten Team unterstützt, sowohl im Ausland wie auch in der Region. So hat zum Beispiel die Organisation RAMDAM in Mériadec (56) keinen Moment gezögert, um unter den ersten zu sein, die Konzerte an dafür eher ungewöhnlichen Orten veranstalten und zwar immer beim Wechsel der Mondphasen.

"Einer unserer Freunde hat in Vieux-Marché ein altes Fabrikgebäude gekauft. Dort haben wir uns mit dem Maler Franck Meurou einen Nachmittag lang zusammengetan und gemeinsam improvisiert, wir haben unsere Farben ausgetauscht.

Das Konzert am Abend war dann sehr viel organisierter, mit unserem üblichen Programm und der Teilnahme des Künstlers, der malte, während wir spielten."


Anfang Januar traf das Trio erneut mit drei Musikern (einem Gitarristen, einem Percussionisten und einem Harmonikaspieler) zusammen, um ihrem Brasilien-Projekt den letzten Feinschliff zu verleihen.
Die Philosophie von Jean-Luc Thomas, Pierrick Tardivel und Philippe Gloaguen lautet vor allem: für Einflüsse aller Art offen sein sein, den Fluss der Dinge wahrzunehmen und sich selbst und die eigene Auffassung von Musik nicht allzu wichtig nehmen. Ein Trio, dass sich um den permanenten Austausch mit dem Publikum bemüht.

(Übersetzung: Willi Rodrian, 2002)